Gio Placci und Pietro Vidi ticken 4-Low (8C) im Val Bavona

Es ist einer dieser Boulder, über die wir wirklich nicht alle Tage berichten: 4-Low (8C) liegt zwar im Val Bavona und damit in einem der Hot Spots für die Highperformer-Fraktion der Szene, wurde allerdings vor 2024 nur dreimal begangen – durch Erstbegeher Daniel Woods und die Wiederholder Martin Stranik und Dave Graham. Diesen Januar haben zwei junge Italiener diese Anzahl deutlich in die Höhe getrieben: Gio Placci und Pietro Vidi.

Soft with the new beta. Three days of tries. Really fun climb.

Gio auf 8a.nu

Sonderlich schwer scheint Gio der Boulder allerdings nicht gefallen sein – sofern man das bei 8C eben sagen kann. Der 22-Jährige investierte insgesamt drei Tage in die Linie und äußerte sich auch zum Grad, ohne sie direkt abzuwerten. Ein Game Changer war für Gio und Pietro, nicht nur den ersten Zug, sondern auch den zweiten Zug mit dem Start-Kneebar aus Daniel Woods‘ Originalbeta zu klettern. Im Fall von Pietro war krankheitsbedingt auch eine Prise Paracetamol am Durchstieg beteiligt.

Last day of good weather, syke was high to get it done, but woke up feeling ill with a fever, drugged with caffeine and paracetamol I put up one of my biggest fights ever and somehow managed to battle my way out of this sick roof! 

Pietro auf Instagram

Die beiden Jungs aus Italien sind mittlerweile bekannte Gesichter im Bavonatal. Pietro etablierte kurz nach seinem Send von 4-Low außerdem Captain Nemo (8C), den Sitzstart zum Klassiker Finding Nemo (8A+). Ersterer Block steht gemeinsam mit Primitivo (8C) auch noch auf Gios Liste, der sich aktuell die Zeit zwischen harten Felsprojekten und den Vorbereitungen auf die Lead-Worldcupsaison aufteilt.

Bald Zugangsverbot? Val Bavona besonders bedroht

Wir bei Kletterszene überdenken gerade die Art und Weise, wie wir über Begehungen berichten – gerade, wenn sie in Gebieten stattfinden, die aktuell von zahlreichen Problemen betroffen sind und deshalb Gefahr laufen, gesperrt zu werden. Auch im Val Bavona kam es zuletzt immer wieder zu Konflikten zwischen Anwohnern, Bauern und Boulderern, die sich nicht an dort etablierte Regeln halten. Uns ist wichtig, dass wir zwar über Gio Placcis Begehung schreiben, aber gleichzeitig die Chance nutzen, um nochmal zu betonen, dass das Verhalten von Einzelpersonen weitreichende Auswirkungen auf den langfristigen Zugang zum Outdoorbouldern haben kann. Die wichtigsten Verhaltensregeln für’s Bouldern im Val Bavona findet ihr nochmal hier.

Denn: Draußen ist keine Boulderhalle! Draußen ist keine bezahltes Full-Service-Angebot, draußen sein heißt zu Gast zu sein. Es bedeutet, die Natur unversehrt zurück zu lassen, Müll selbst mitzunehmen, Musik ausschließlich In-/On-Ear zu hören, Anwohner und deren Privatgrund zu respektieren und sich an die lokalen Regeln zu halten.

  • Credits Text Julia Gürster f. kletterszene.com
  • Credits Fotos (c) Crimp Films
  • Beitragsdatum 31. Januar 2024