
Will Bosi klettert die schwerste Route Schottlands und Luisa Deubzer Speed Integrale (9a) am Voralpsee
Und auch diese Woche sind die Shortnews wieder erst auf den letzten Drücker fertig geworden. Mutterschutz, letzte Chance im Staatsexamen und Weltcups am laufendem Band bringen die Redaktionskapazitäten an ihre Grenzen. Trotz all dem finden wir noch genug Zeit um uns mit Stars der Szene auf eine Tasse Kaffee zutreffen (geht am Montag online) und über Luisa Deubzer und Will Bosi’s 9a’s zu berichten. Es dauert aktuell einfach etwas länger, wie uns lieb ist.
Viel Spaß beim lesen und ein schönes Wochenende
Will Bosi begeht Free at Last (9a+)
Der 23 jährige Engländer Will Bosi, konnte die Erstbegehung des langjährigen Projekts in Dumbarton für sich verbuchen und schlägt den Schwierigkeitsgrad 9a+ dafür vor, was die Route zur härtesten Sportkletterroute Schottlands macht.

Die Route ist an einem leicht überhängenden und recht glatten Felsabschnitt rechts von der Trad Route Requiem (E8 6c) und ist auch als Dumbarton Oaks (alias La Dumby-Dumby Project) bekannt, was schon vor Ewigkeiten eingebohrt wurde. 2014 nahmen sich Dave Mcleod und Alan Cassidy dem offenen Projekt an, bohrten ein paar Haken um und investierten ordentlich Zeit ins ausbouldern der Schlüsselzüge. Eine Erstbegehung gelang den beiden aber nicht. Will hatte sich in der Vergangenheit schon einige Male an der Route versucht, aber erst in diesem Jahr hat er sich ernsthaft darum bemüht dieses Projekt abhaken zu können.
Obwohl es vom Boden so aussieht, als gäbe es eine Menge an Griffen, ist fast alles ein Unter- oder Seitengriff mit winzigen Tritten. Diese Kombination macht das ganze zu einer technisch anspruchsvollen Kletterei. Da man sich zu keinem Zeitpunk kurz entspannen kann, ist die Kletterei sehr intensiv und kraftvoll. Der Tag war recht windstill, so dass die Bedingungen nicht besonders gut waren, aber als ich auf dem Felsvorsprung über der Platte saß, frischte der Wind auf und die Bedingungen wurden besser! Die Begehung war ein unglaubliches Gefühl und diese Route ist definitiv ein Highlight für mich.
so Will nach seiner Erstbegehung zur Route
Mit der Erstbegehung von „Free at Last“ setzt Will seine gute Form fort, die er im Frühjahr dieses Jahres bei seinem Streifzug durch die Boulder und Sportrouten in der Tschechischen Republik bewiesen hat.
Benjamin Zörer und Egon Egger begehen Steh auf Gladiator (7+)

Die Hohe Munde Südwand (Westgipfel) bricht ca. 400m auf einen Vorbau gegen das Inntal hin ab und beherbergt die Routen Romulus (7b), Alte Telfer (8b), Junger Römer (7a) und seit kurzem auch Steh auf Gladiator (7+). Die Routen wurden von den beiden jungen Österreichern Benjamin Zörer und Egon Egger am 18. Juni Rotpunkt geklettert und aus dem Projekt Status befreit. Die Tour folgt einer logischen Linie und bietet herrliche Verschneidungskletterei sowie luftige Platten in gutem bis besten Fels. Die 10 geschlagenen Haken wurden belassen, ansonsten wird nur mit mobilen Sicherungsmitteln geklettert. Die Stände zum Abseilen sind aber eingerichtet. Bitte belasst die Karabiner an den Abseilstellen.




Luisa Deubzer punktet Speed Integrale 9a am Voralpsee
Die 28 jährige Luisa aka Lulu Deubzer konnte mit Speed Integrale (9a) am Voralpsee ihren ersten 9a Umlenker klippen. 1995 gelang Beat Kammerlander die Erstbegehung der Route Speed (8c+) und 2010 verlängerte Cédric Lachat diese um ein paar Meter und taufte die Ausstiegsvariante auf Speed Intégrale (9a). Auch wenn das kleine und sehr feine Gebiet am Voralpsee immer beliebter wird, sollte man nicht zu selbstsicher sicher sein, wenn man diesen Felsriegel besucht. Denn die Beschreibung im Topo — „die Schlüsselstellen müssen zwingend geklettert werden“ — versteht man erst wirklich, wenn man unter der 40 Meter hohen leicht überhängenden Rauhfasertapeten Wand steht und die Hakenabstände sieht… Da ist nix mit dem Bescheißerle-Clip-Stick. Kurzum, das Gebiet ist durch und durch ehrlich und Geschenke gibt es an Weihnachten oder in Spanien.
Da Luisa zwei schnelle 8c’s und Prinzip Hoffnung (8b / E9) in der diesjährigen Tickliste stehen hat und sich durch diverse Besuche an den Voralpsee Kletterstyle gewöhnt hatte, stand Speed Intégrale (9a) schon insgeheim auf der Wishlist. Dieses Jahr sollte es soweit sein. Doch bevor Luisa mit dem Training richtig durchstarten konnte bremsten sie eine Finger und eine Schulterverletzung aus. Änderungen im Trainingsplan und mit Kathrin Dettling / Klaus Isele, zwei super guten Physiotherapeuten, macht sie von Woche zu Woche große Fortschritte. Konnte Luisa Anfangs nur einzelne Züge, gingen recht schnell komplette Sequenzen und dann konnte man schon von ernsthaften Go’s reden. Nachdem ein Tag mit nicht so erfolgreichen Versuchen am Ende schon bei der ersten Crux endete, waren die Erwartung am darauf folgenden Tage nicht die größten. Und wenn der eigene Leistungsdruck nicht da ist, klappt es meistens am besten. So auch bei Luisa!!
Unsere Kollege*innen von Fanatic Climbing haben Luisa interviewt
Video-Link: https://youtu.be/Fr_UNJSlZvY
Klatsch und Tratsch aus der Kletterszene
Bouldern für alle unter der Münchner Candidbrücke
Knapp ein Jahr, nachdem der Dicke Hans seine Premiere auf der Theresienwiese in München feierte und sich seitdem größter Beliebtheit bei Jung und Alt erfreut hat, geht es am neuen Standort Candidplatz weiter. Offizielle Eröffnung: Sonntag, der 10. Juli 2022.

Wir sind sehr glücklich, mit dem Candidplatz einen neuen, vor allem aber einen dauerhaften, frei zugänglichen und überdachten Platz für den Dicken Hans gefunden zu haben. Wir als Alpenverein möchten Kletter- und Bouldersport in München für alle, auch außerhalb der etablierten Kletterhallen ganzjährig und kostenlos zugänglich machen. Dabei sind wir einen großen Schritt weitergekommen“
, so Dr. Mattias Ballweg, Vorsitzender der Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins.
Feuer in Oliana und Hannah Meul im Interview
In der 21. Beta Ausgabe, beschäftigten sich Remo und Dominik mit dem Waldbrand in Oliana, geben einen kurzen Rückblick vom Frankenjura Kletterfestival und interviewen Hanna Meul.
Video-Link: https://youtu.be/QPKyPEoxkkI