Der Black Friday ist der Tag, der den Handel wieder in die schwarzen Zahlen bringt. Aber unsere Umwelt, von der alles Leben abhängt, treibt dieser Tag des Konsums tief in die roten Zahlen. Wir haben nur diesen einen Planeten, verbrauchen aber derzeit die Ressourcen von 1,5 Planeten.

Dieses Jahr habe ich einen verfrühten rose-marcario-2015-11-26Neujahrsvorsatz zum Schutz unserer Erde: Lasst uns alle Umwelt-Fundamentalisten werden.

Das hört sich nach einem großen Schritt an – ist es aber nicht. Alles, was man dazu braucht, ist Nähzeug und eine Reparaturanleitung.

Unsere Produkte möglichst lang zu nutzen, ist das Beste, was wir als Verbraucher für die Umwelt tun können. Indem wir die Lebensdauer unserer Kleidung durch Pflege und Reparatur verlängern, müssen wir weniger neue Sachen kaufen und vermeiden so die CO2 Emissionen, Abfälle und Abwässer, die mit ihrer Herstellung verbunden wären.

Warum ist das Reparieren so ein fundamentaler Akt? In unserer Zeit vergänglicher Mode und rasch fortschreitender Technologie repariert man nicht lange, sondern wirft weg. Doch die Folgen sind drastisch. Ich sage Ihnen das als Leiterin einer Bekleidungsfirma, die trotz großer Bemühungen um eine nachhaltige Produktion noch immer mehr von der Erde nimmt, als sie zurückgibt.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Teure Produkte wie Autos oder Waschmaschinen lässt man gewöhnlich reparieren, aber sonst ist es meist einfacher und billiger, etwas Neues zu kaufen. Es gibt allerlei Argumente gegen eine Reparatur: z.B. das Erlöschen von Garantieansprüchen oder das Fehlen von Informationen und Ersatzteilen.

patagonia worn wear3Dadurch entsteht eine Gesellschaft von Konsumenten – nicht von Besitzern. Und das ist ein großer Unterschied. Besitzer übernehmen Verantwortung für ihre Produkte – für deren richtige Pflege, Reinigung, Reparatur, Nutzung und Weitergabe. Konsumenten hingegen kaufen, werfen weg und kaufen neu – und stürzen uns dadurch in den ökologischen Ruin.

Damit wir uns richtig verstehen: Das Kaufen an sich ist nicht das Problem (obwohl klar ist, dass wir im Trubel der Weihnachtseinkäufe oft zu weit gehen). Schließlich sind wir von zahlreichen Produkten abhängig, deren Herstellung die Erde schädigt (auch Patagonia-Produkte), und das wird sich in naher Zukunft nicht ändern, egal wie sehr wir uns bemühen, die Schäden einzudämmen.

Was kann man dagegen tun? Drastische Einschnitte im kollektiven Verbrauch erfordern die gemeinsame Verantwortung der Firmen, die die Produkte herstellen, und der Verbraucher, die sie kaufen. Doch Unternehmen müssen unabhängig handeln.

Patagonia bemüht sich darum, hochwertige und nachhaltige Kleidung zu produzieren, die lange hält, repariert werden kann – und einer unbegrenzten Garantie unterliegt. Wir betreiben die größte Textil-Reparaturabteilung Nordamerikas (mit über 40.000 Reparaturen in diesem Jahr) und wir haben unsere Einzelhändler geschult, einfache Reparaturen (die pro Jahr in die Tausende gehen) selbst auszuführen. Für die Feiertage publizieren wir auf unserer Website gemeinsam mit iFixit über 40 kostenlose Reparaturanleitungen für Patagonia-Produkte. Wir unternehmen alles, um unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Ausrüstung selbst zu reparieren, sie weiterzugeben oder notfalls zu recyceln.

Wir bitten unsere Kunden b1400x875_Campbell_dn_0039_F15eim Kauf darum, diese Optionen zu nutzen und ihre Umweltbelastung langfristig zu minimieren, indem sie erworbene Produkte reparieren, weitergeben oder recyceln, wenn sie nicht mehr brauchbar sind. Indem der Kunde nur kauft, was er wirklich braucht, kann er seinen Konsum reduzieren. Der Kauf wird dann zu einer Investition, die Geld spart und auf lange Sicht dazu beiträgt, den Planeten zu retten.

Doch das ist bislang eher die Ausnahme. Für manche Firmen wie Ricoh, DeWalt, Caterpillar und Lenovo gehören Reparatur und langfristige Nutzung zur Geschäftsgrundlage, doch die meisten produzieren immer noch billigen Ramsch, den man rasch ersetzen muss. Und Kunden, die nur auf den niedrigsten Preis achten, kaufen nach diesem Schema und halten es damit in Gang.

Meist bekommt man zu den Produkten keine Reparaturanleitung und manchmal erschweren Firmen die Reparatur sogar bewusst durch spezielle Schrauben oder ähnlichen Unfug. In Anbetracht der aktuellen Umweltkrise sollte dies als verwerflich gelten, aber leider wird bewusste Begrenzung der Nutzungsdauer noch immer als cleveres Marketing gefeiert.

Angesichts der Jahr für Jahr deutlicher werdenden Klimaveränderung und der wichtigen Gespräche zur Klimapolitik kommenden Monat in Paris, müssen wir als Einzelverbraucher eine Wende des Überkonsums anstreben. Also sollten wir uns wie Besitzer verhalten, nicht wie Konsumenten, und lieber reparieren, als ständig neu zu kaufen und unsere Erde mit Dingen zu belasten, die wir nicht wirklich brauchen.

patagonia worn wear 1Wir Hersteller haben die Verantwortung, qualitativ hochwertige Produkte zu schaffen, um Sie dabei zu unterstützen, indem wir Reparaturen und die Beschaffung von Ersatzteilen erleichtern. Reparaturen müssen einen höheren Stellenwert erhalten. Wir müssen unsere Kunden dabei unterstützen, Besitzer zu werden – was grundlegende Änderungen verlangt.

Es ist ein fundamental neuer Denkansatz. Doch der Wandel kann mit einer Nadel und etwas Faden beginnen.

Rose Marcario

 (Präsidentin und Geschäftsführerin von Patagonia)

Das Beste, was eine Firma für Nachhaltigkeit tun kann, ist, hochwertige Produkte herzustellen, die jahrelang halten und die repariert werden können, damit man weniger kaufen muss.

Produktpflege & Reparaturen

1400x875_Black-Friday2_F15-DEDer wichtigste Schritt, um unsere Umweltbelastung zu reduzieren, ist die maximale Nutzung unserer Produkte. Das Waschen, Bügeln und Trocknen kann Ihre Kleidung ebenso strapazieren wie das Tragen selbst. Deshalb geben wir Ihnen eine Pflegeanleitung die die Lebensdauer Ihrer Kleidung verlängert. Und wenn schließlich doch ein scharfer Fels Ihre Lieblingsjacke aufschlitzt, dann sind wir für Sie da.
Im Servicezentrum in Nevada beschäftigt Patagonia 45 Vollzeit-Spezialisten, die Ihre Kleidung reparieren. In dieser größten Reparaturabteilung Nordamerikas werden jährlich rund 30.000 Reparaturen durchgeführt. Außerdem betreiben wir eine Reparaturwerkstatt in Portugal und haben zusammen mit den Experten von iFixit eine Reihe von Reparaturanleitungen für unsere Kunden entwickelt.

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