Frau Söderlund und das Frankenjura – war da was? Richtig! Sie wanderte anno 2012 den Zehnplusser »Friends like you« im Schlaraffenland im Flash hinauf und ließ damit en passant den fränkischen Kletterhimmel einstürzen. Wer Matilda auf Instagram folgt, sieht eine Schwedin wie aus dem Bilderbuch, die an den schönsten Flecken der Welt ihrem Beruf nachgeht: Klettern! Es ist nicht einfach, angesichts dessen den Neid-o-Meter im grünen Bereich zu halten, aber es steckt tröstlicherweise auch jede Menge harter Arbeit hinter der glitzernden Fassade. Höchste Zeit für einen Kaffee mit the one and only Matilda Söderlund!

 

Hannes: Wie magst Du Deinen Kaffee?

Matilda: Normaler Kaffee mit einem Schuß Milch, wobei ich ihn oft auch schwarz trinke.

Echter Cowboykaffee?

 Cowgirlkaffee!

 Ist Schweden ein gutes Land für Kletterer?

Ja und Nein. In Stockholm, wo ich lebe, gibt es jede Menge Felsen vor den Stadttoren. Aber diese Felsen rechtfertigen nicht gerade einen Besuch aus der Ferne. Aber die Indoor-Kletterszene ist gewaltig gewachsen, denn wir haben acht Kletterhallen alleine in Stockholm. Zum Trainieren ist es also nahezu perfekt und durch die vielen neuen Kletterer ist es in jedem Fall sehr gesellig. Ich mag Stockholm auch deshalb, weil dort meine Familie und meine Freunde leben. Außerdem kommt man da easy weg, sei es mit dem Zug oder mit dem Flugzeug.

Denkst Du, dass Du einen Einfluß auf die wachsende Popularität des Kletterns in Deinem Land hast?

Ich würde mir das selber nicht zuschreiben (lacht), aber es ist gewiß ein Wunsch von mir dabei mitwirken, dass der Klettersport in Schweden wächst. Ich gebe mein Bestes das Klettern in neuen Gebieten zu promoten.

Denkst Du, dass Dich in Schweden auch Menschen außerhalb der Kletterszene kennen? So wie in Deutschland die Huber-Brüder seit ihrem legendären Milchschnitte-Werbespot?

Ich glaube … noch nicht! Letztes Jahr machte ich ein Video mit Under Armour, dass landesweit ausgestrahlt wurde. Das war schon mal ein Anfang.

Verrate mir die Top-3-Gründe, warum Du so viel reist.

Erstens wegen des guten Kletterns, was Du anderswo finden kannst. Der zweite Grund sind neue Erfahrungen, die Du dabei sammeln kannst. Neue Kulturen und Traditionen, die Du kennenlernen kannst. Und der dritte sind bestimmt die Menschen, die Du in aller Welt triffst und die Deine Freunde werden können. Und von denen Du nicht zuletzt sehr viel lernen kannst.

 

 

Bist Du hauptsächlich der Besucher oder kommen Deine Freunde auch nach Schweden?

 Hm, es ist schon eher so, dass ich der Besucher bin. Schweden ist halt einfach nicht die Kletterdestination.

Wäre es nicht so toll, wenn man reisen könnte, ohne die Welt mit so einem großen CO2-Abdruck zu belasten. Wie gehst Du mit der Kehrseite der Reise-Medaille um?

Absolut, das wäre großartig. Letztes Jahr war ich regelrecht frustriert mit mir selber, weil mir so vieles klar wurde, was eigentlich nicht vertretbar ist. Welches Recht habe ich soviel CO2 in die Welt zu pusten? Dieses Jahr begann ich mit einer Firma zusammen zu arbeiten, die anderen Unternehmen dabei hilft, ihre Emissionen zu verringern. Und diejenigen, die man nicht verringern kann, wenigstens durch Investitionen in Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Definitiv will ich meinen Ausstoß verringern. Einerseits durch mehr Trips mit dem Zug, was bedeutet mehr in Europa zu bleiben. Andererseits ist es mein Job zu reisen und zu klettern. Ich glaube es ist etwas, worüber bislang kaum in der Kletterszene gesprochen wurde. Wir tun immer so irre naturverbunden, aber eigentlich ist es klar, dass die ganze Fliegerei dem total wiederspricht. Also ich finde, wir müssen diese Diskussion ernst nehmen und schauen wo wir uns verbessern können.

 

Ist es nicht zumindest ein Anfang, dass man zumindest länger an einem Ort bleibt, wenn man dort hinfliegt? Und nicht zum Kletterschuh-Shopping für 24 Stunden nach New York.

Absolut! Jetzt bin ich ja auch für fast einen Monat in der Fränkischen. Und wirklich öfter mit dem Zug reisen, auch wenn es ein ziemlicher Act ist. Aber gerade in Schweden wird es immer angesagter statt des Flugzeugs die Bahn zu nehmen.

 

Warum reißt Du Dir die Finger an fränkischen Fingerlöchern auf, wenn Du genauso an soft spanish limestone ziehen könntest?

Matilda (lacht): Was meinst Du mit soft???

Na, nicht die Grade. Einfach die smoothen Griffformen.

Der Frankenjura ist einfach ein super Platz, um stark zu werden. Und ich dachte mir, dass das gut zum Start der Saison passen würde, an kleinen Griffen zu ziehen und powerful moves zu machen. Der Bonus hier ist natürlich auch die reiche Klettergeschichte und die Tradition. Das ist supercool.

Ich find’s mitunter echt schwer die Balance zu finden zwischen »im Moment sein und die Natur genießen« sowie dem »pushing the limits«. Wenn man auf die Grade schielt, geht oft der Blick für die Schönheit des Moments verloren. Hast Du einen Tipp für die Erleuchtung?

Versteh‘ ich völlig, wobei ich es schon mag, richtig deep in den project mode zu gehen, wenn ich ein fettes Projekt am Start habe. Ich versuche, dass aber sehr achtsam zu tun, denn es ist so leicht völlig versessen zu werden, wenn eine coole Route lockt. Also immer: Zoom out to see the bigger picture. Alleine an der Wand zu sein und dort klettern zu dürfen, ist ja eine der großartigsten Dinge, die man haben kann. Zumindest für mich. Der Idealfall ist ja, dass Du es trotzdem genießt mit Deinen Freunden in der Natur zu sein, während Du Dein Limit pushst. Wenn man das alles gleichzeitig wahrnehmen kann, ist das eine sehr kraftvolle Erfahrung.

Und wenn das nicht klappt, hilft eben wieder der Zoom out. Als ich beispielsweise Ende 2018 in der Red River Gorge war und dort eine Tour projektierte, wurde ich krank und das Wetter war saukalt. Ich war einfach nur noch gefrustet. Aber dann machte ich mir bewußt, wie absolut amazing dieser Ort ist und welches Privileg es, ist hier sein zu dürfen. Und dieses aktive Bewußt machen beruhigte mich ungemein. Und am Tag drauf kletterte ich mein Projekt!

Letzte Frage. Wird es jemals eine schwedische Band geben, die genauso great wie Abba ist?

Ist das überhaupt eine Frage? Natürlich nicht!

 

 

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