Stefan Glowacz und Philipp Hans von Cost to Cost

Anfang Juli 2018 brachen Profi-Abenteurer Stefan Glowacz und seine beiden Teamkollegen, der Fotograf und Arktisexperte Thomas Ulrich aus Interlaken, sowie der Stuttgarter Kletterer Philipp Hans Richtung Grönland auf.

„Coast to Coast“ so der Titel des Projekts, bei dem versucht wurde, verschiedene sportliche Disziplinen (Segeln, Snowkiten, Durchquerung des Grönländischen Inlandeises und Freiklettern an einer Big Wall) zu einem Gesamtabenteuer zu verbinden.

 

Unter der Prämisse, während der gesamten Reise einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, startete das Trio am Starnberger See, der Heimat von Stefan Glowacz. In Elektrofahrzeugen aus Bayern ging es an die Westküste Schottlands. Dort traf das Team nach dreitägiger Anreise im Hafen von Mallaig auf Skipper Wolf Kloss, seinen 24-jährigen Sohn Dani Kloss und Schiffsmechaniker Jan Kiehne, ehe das komplexe Abenteuer erst richtig Fahrt aufnahm.

Auf der 14 Meter langen Stahlyacht „Santa Maria“, mit der Wolf Kloss und Glowacz 1999 bereits in die Antarktis aufbrachen, wurden ab 11. Juli 2018 vorerst die Westmännerinseln angesteuert. Nach teilweise widrigen Wetter- und Windverhältnissen erreichte man über den Prinz Christian Sund nach 27 Tagen an Bord schließlich verspätet das zweite Etappenziel der Expedition, den Atta Sund an der Westküste Grönlands.

Kräftezehrend die 7-tägige Portage der 400 Kilogramm schweren Ausrüstung auf das Inlandeis, ehe Glowacz, Ulrich und Hans am 13. August 2018 zur etwa 1.000 Kilometer langen Durchquerung des Eisschildes von West nach Ost aufbrachen, während sich Skipper Wolf Kloss auf seiner „Santa Maria“ an die 1.200 Seemeilen entfernte Ostküste Grönlands aufmachte.

Im Idealfall geplant: Die Wiedervereinigung beider Teams nach etwa 35 Tagen im Soresbysund. Obwohl Glowacz und Kollegen mit heftigen Stürmen und zermürbender Kälte von bis zu minus 40 Grad zu kämpfen hatten, konnte bei optimalen Bedingungen unter Inanspruchnahme von Snowkites gelegentlich richtig Strecke gemacht werden.

Währendessen lief auf der „Santa Maria“ nicht alles rund. Als das Team um Glowacz Anfang September final den Soresbysund erreichte, hing Skipper Wolf Kloss aufgrund anhaltender Herbststürme nach wie vor im 700 Seemeilen entfernten Tasiilaq fest. Zudem musste Crewmitglied Jan Kiehne wegen einer Infektion in ärztliche Behandlung und schließlich endgültig von Bord gehen.

Wann und ob Skipper Kloss es überhaupt noch in den Soresbysund schaffen würde, war fraglich. Warten in der Wildnis: Aufgrund der Verzögerung wurde im Team Glowacz das kalkulierte Essen knapp und bereits streng rationiert.

Beide Teams trafen schlussendlich am 17. September wohlbehalten, aber reichlich verspätet aufeinander. Der zweitägige Versuch der Erstbegehung an einer Big Wall musste wegen anhaltenden Schneefalls schweren Herzens abgebrochen werden. Längst hatte der Winter in Ostgrönland Einzug gehalten.

Ks.com: Philipp, dich kennt man hauptsächlich vom Wettkampfklettern, wie bist du auf die Idee gekommen ca.10 Wochen in der Eiseskälte  zu verbringen? Haben dich die Eisbären oder die Astronautennahrung gereizt?

Philipp: Ich muss so um die 14 Jahre alt gewesen sein, als ich das erste Mal Bilder von Stefan und seinen Expeditionen gesehen habe und sofort hat es mich gepackt. Ich fing an zu träumen: Einmal mit auf eine von Stefans Expeditionen mitgehen zu dürfen, das wäre was! Stefan und ich kennen uns über Red-Chili ja schon recht lange und vor gut zwei Jahren kam dann aus dem nichts die Frage: “Philippo, wie schauts aus? Kommst du mit auf Expedition?“ Ich sagte ohne zu zögern zu. Das Ganze wurde immer konkreter und zack stand ich plötzlich auf dem Inlandeis. Eisbärenland, Astronautennahrung und Seekrankheit ahoi! Gereizt hat mich vor allem die Idee. Wenn man sich auf der Karte anschaut was für Distanzen wir zurück gelegt haben, sowohl auf See, als auch an Land und alles “by fair means“, dann ist das schon der Wahnsinn. Zwar hänge ich mit einem Arm schon noch am Wettkampflettern, aber ich habe gemerkt dass das Klettern mir mehr geben muss. Es kann also gut sein, dass es von uns in der Konstellation “Der Oldie und der Youngster“ noch was zu sehen gibt in der Zukunft.

Ks.com: Gab es ein paar Situationen, in denen Du Dir gedacht hast – so jetzt reichts – ich will heim!

Philipp: Ja die gab es in der Tat. Die Dimensionen die wir sowohl auf dem Wasser und auf dem Eis erlebt haben, haben mich teilweise wirklich eingeschüchtert. Als Mensch kommt man sich da ganz schnell ganz klein vor. Auf der großen Segelüberfahrt nach Grönland, wo wir für acht Tage kein Land gesehen haben, nur Wasser und alles schwankt, Stefan und ich mit Seekrankheit über der Reling hängend und man sich einfach nur elend fühlt, ja da kommen schon Gedanken auf in denen man sich ganz schnell nach Hause wünscht. Aber ansonsten hab ich mich unglaublich wohl gefühlt mit den zwei Oldies und in den drei Monaten gab es nicht eine Unstimmigkeit. Wir waren ein perfektes Team!

 

Ks.com: Philipp, wie fühlt es sich an, wenn man den ganzen Weg auf sich genommen hat und einem dann das eigentliche Ziel – die Erstbegehung – wegen Schneefalls versagt bleibt?

Philipp: Im ersten Moment ist man natürlich sehr enttäuscht, denn der Grundvikskirken im Scoresbysund ist ein Berg, der sich laut Thomas und Stefan gut mit den großen Wänden dieser Welt vergleichen kann: 1400m hoch und vor allem der untere Wandteil ohne jegliches Risssystem und dazu noch leicht überhängend.  Aber die Wand war eben schon zum Großteil eingeschneit und vereist und es hätte einfach keinen Sinn gemacht einzusteigen. Die Option zurückzukommen und uns an die Erstbegehung zu machen besteht aber definitiv und wenn ich jetzt zuhause an den Berg denke kribbelt es mich schon am ganzen Körper.

 

Am 21. September trat man daher auf der „Santa Maria“ den längst überfälligen Rückweg – über Island, die Faröer Inseln zurück nach Mallaig in Schottland an, wo man am 6. Oktober eintraf und erneut die Reise Richtung Bayern reiste.

 

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