Roger Schäli begeht Tierra del Fuego (A2+/ 6c) 350m, Jimmy Webb bouldert 8C+ und Dr. Volker Schöffl spricht bei ‚Bin weg Bouldern‘ über Essstörungen

Die Zeit auf der Fähre wollte sinnvoll genutzt werden und da wir die News im Urlaub etwas schleifen ließen, kommt die Überfahrt auf das Italienische Festland gerade rechtzeitig. Denn mit Roger Schälis Erstbegehung im Bergell und Jimmy Webb haben wir genug Material um euch (beim Lesen) und uns beim Schreiben) die Zeit zu vertreiben. Zudem spricht Juliane von ‚Bin weg Bouldern‚ mit Volker Schöffel über Essstörungen im Klettersport.

Roger Schäli begeht Tierra del Fuego (A2+ /6c) 350m am Roda Val della Neve im Bergell

Dem schweizer Kletterer Roger Schäli ist mit Tierra del Fuego im Bergell/Schweiz eine weitere schöne Erstbegehung gelungen. Roger entschied sich bewusst für einen sehr puristischen Begehungsstil: Ground up, Solo & Trad und bohrte lediglich für die Stände ein paar Bohrhaken. Für die neue Route schlägt Roger für den unteren Wandteil den Grad A2+/ 6c vor.

Die letzten und überwiegend recht einfachen 250 Höhenmeter, führen dann im vierten Schwierigkeitsgrad direkt zum Gipfel.
Falls Ihr noch nie vom Roda Val della Neve gehört habt – macht Euch keinen Kopf! Das ging Roger genauso, als ihm Tom Bärfuss – ein guter Kletterfreund aus dem Engadin – für eine gemeinsame Mehrseillängentour im Bergell anfragte.

Der Berg ist eine versteckte Perle mit zwei Gesichtern. In Richtung Albigna zeigt er sich mit breitem und rundem Rücken, während der Roda Val della Neve in nördlicher Richtung mit einer erstaunlich mächtigen Wand aufwartet, dessen kompakter Fels seinen Schatten bis über die Straßen des Talbodens wirft.

Ich war von Anfang an beeindruckt von dieser kalten, abweisenden Wand. Eher unbekannt, – hier verlaufen einige sehr interessante Routen wie Niedermann (von M.Niedermann, E Näf, U. Hürlimann, und P. Frei, 1975) oder Nigg (von L Blättler, E. Neeracher, P.Nigg, 1968), welche vor allem mit bemerkenswerter Riss- und Verschneidungsklettereien begeistern. Historisch ist auch das Wandbuch, in welchem sich auch bekannte Namen wie Romolo Notaris oder einheimische Größen eingeschrieben haben.

Aber was mich noch sehr viel mehr interessierte, waren die vielen Wandteile, in denen noch niemand zuvor geklettert ist. Insbesondere der direkte Aufstieg im steilsten Sektor der Wand fand meine Aufmerksamkeit.

So war seine Entscheidung schnell gefällt, eine neue Linie zu eröffnen: Tierra del Fuego, ruft für Roger auch wieder die einmal die Schönheit der Schweiz in Erinnerung.

Ich bin fasziniert, wie sich auch abseits bekannter Wände und namhafter Berge, abenteuerliche Flecken in nächster Nähe von der Haustüre finden lassen. Für mich ist klar, das wird nicht die letzte Route in diesem Bündner Seitental bleiben, das mir schon jetzt ans Herz gewachsen ist.

Jimmy Webb klettert Insomniac (8C+) in Lincoln Lake

Jimmy Webb meldet sich mit der Wiederholung von Insomniac (8C+) in Lincoln Lake in die Hardmover-Szene zurück. Dies ist die vierte Begehung des Boulders, der im Sommer 2021 von Drew Ruana erstbegangen und seitdem nur von Shawn Raboutou und Daniel Woods wiederholt wurde.

Mit diesem Aufstieg bescheinigt Webb die Genesung von seiner Verletzung am Sprunggelenk. Im Februar riss sich Jimmy bei einer Session im River Arête Project die Bänder. Der Sturz ist im Alphane Video zu sehen, wie Jimmy den Highball Projektiert und keiner seiner Kumpels ihn spottet. Juni fing Jimmy wieder an zu klettern und bereits ein paar Wochen später boulderte er schon wieder, zusammen mit Daniel Woods, in Insomniac (8C+) herum.

Wie schon bei Daniel Woods Begehung geschrieben, fängt Insomniac an den Startgriffen von Wheel of Wolvo an und zweigt nach acht Zügen im Grad 8B+ an einer recht guten Schüttelposition in We Can Build You (8B+) ab. Jimmy ist, wie auch die drei Jungs vor ihm, der Meinung, dass der Grad 8C+ für diese Kombination durchaus berechtigt ist.

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Video-Link: https://youtu.be/KhHDEogLbCI

Klatsch und Tratsch aus der Szene

Hilaree Nelson im Himalaja tödlich verunglückt

Die berühmte Skibergsteigerin Hilaree Nelson ist im Himalaja tödlich verunglückt. Ein Suchteam fand am Mittwoch den leblosen Körper der 49-Jährigen, die am Montag bei der Abfahrt vom Manaslu, dem achthöchsten Berg der Welt, kurz nach dem Gipfel in eine Gletscherspalte gestürzt war. Ihr Leichnam soll zunächst zum Basislager des Gipfels gebracht und später nach Kathmandu geflogen werden. 

Dr. Volker Schöffl über Essstörungen im Klettersport

Essstörungen im Klettersport sind ein Thema, das Dr. Volker Schöffl in seinem Beruf als Sportmediziner immer wieder beschäftigt. Als Teil der medizinischen Kommission der IFSC arbeitet er daran, dieses Problem im Leistungssport anzupacken. Doch er sieht genauso, dass Menschen im Amateurbereich in ein problematisches Essverhalten fallen und welche gesundheitlichen Konsequenzen das haben kann.

Juliane hat mit Volker über Essstörungen im Klettersport gesprochen, unter anderem über:

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Video-Link: https://open.spotify.com/episode/6CoHEpeGuwDetrRO9mBjb9
  • Credits Text kletterszene.com
  • Credits Fotos Romano Salis,
  • Beitragsdatum 11. Oktober 2022