Katie Lamb bouldert The Rookery (8B+) in Yosemite

Mit Schwierigkeitsgraden ist es in unserem Sport manchmal so eine Sache: Auch wenn die Bewertung einer Linie meist einen generellen Konsens widerspiegelt, kann sich eine Route oder ein Boulder für individuelle Kletter*innen immer noch schwerer oder leichter anfühlen. Diese Erfahrung hat kürzlich auch die US-amerikanische Boulderspezialistin Katie Lamb mit The Rookery (8B+) gemacht.

Obwohl ihr der Durchstieg der Linie in Yosemite bereits Ende 2024 gelungen war, machte sie die News erst jetzt öffentlich – eine Taktik, die wir auch von Shawn Raboutou oder Sean Bailey kennen.

Für die 27-Jährige war The Rookery vor allem mit Zweifeln verbunden: „Ich war mir so sicher, dass ich den Boulder in der Saison 2024 packen würde – habe ich aber nicht“, schreibt Lamb auf Instagram. Deshalb kam sie Ende des Jahres nochmal für den Durchstieg zurück, den sie sich hart erkämpfen musste.

Ich habe viele Sessions für The Rookery gebraucht. Der Boulder war schwerer für mich als es der Grad beschreibt.

Katie Lamb

The Rookery liegt im Yosemite Nationalpark und bietet umgeben von historischen Wänden technisch-athletisches Klettern und weite Züge an offenen Granitleisten. US-Kletterer Carlo Traversi ging sogar soweit und nannte The Rookery „einen der besten Boulder, die ich je geklettert habe“.

Katie Lamb: „Echter Fortschritt passiert langsamer als auf Instagram“

Katie Lamb gehört zu den stärksten Boulderinnen, die draußen am Fels unterwegs sind. Vergangenen November tickte sie mit Fallen Angel ihre dritte 8C. Dass man sich trotzdem unterhalb des eigenen Limits die Zähne an einem Projekt ausbeißen kann, zeigt ihre Erfahrung mit The Rookery (8B+).

Der offene Umgang der US-Amerikanerin mit der Frustration und dem Thema individueller Schwierigkeitsgrade stößt auch eine lohnenswerte Diskussion darüber an, wie persönlicher Fortschritt – der oft in Graden gemessen wird – auf Social Media präsentiert wird. In den Worten von Katie Lamb:

Ich glaube, dass guter Fortschritt langsam passiert und nicht immer angenehm oder linear ist. Besser zu werden fühlt sich oft nass, kalt, langwierig und auch einsam an. Es passt nicht zu dem Hype, wie es online dargestellt wird.

Katie Lamb

  • Credits Text Julia Gürster f. kletterszene.com
  • Credits Fotos Eric Bissell
  • Beitragsdatum 26. März 2025