Kaddi Lehmann klettert Netsuke (8B) im Murgtal

Wenn es ihr eine Boulderlinie wirklich angetan hat, dann bleibt Kaddi Lehmann dran. Netsuke (8B) ist eine solche Linie und am Sonntag, den 30. März, gipfelte Kaddis Reise durch Netsuke in Top-Out-Freude.

Ausdauer verlangte ihr der Boulder in mehrerlei Hinsicht ab. Zum einen, weil die 14 Züge fast ausschließlich kräftige, nicht nur physische, sondern auch mentales Durchhaltevermögen voraussetzen, zum anderen, weil es bis zum finalen Durchstieg einige Hindernisse gab.

In Betavarianten bisheriger Begehungen sah man weite Züge und dramatisches Füßekommenlassen. Personaltrainerin und Routenbauerin Kaddi Lehmann geht ihren eigenen Weg durch die Linie, zieht kurz vor dem Ausstieg fiese winzige Leisten und liefert Beinarbeit vom Feinsten.

Ihren Weg zu finden, beschränkte sich in diesem Projekt allerdings längst nicht nur darauf, die individuell ideale Aneinanderreihung von Griffen und Tritten zu finden. Für Kaddi hieß es außerdem, sich zunächst von einer Rückenverletzung zu erholen, um das Bouldern in harten Projekten überhaupt wieder aufnehmen zu können.

Als würde das allein nicht schon ausreichen, um das Durchhaltevermögen einer leidenschaftlichen Kletterin auf die Probe zu stellen, erwartete die Wahl-Freiburgerin im September 2023 noch eine weitere Überraschung.

Weil es tagsüber noch zu warm für ernsthafte Durchstiegsversuche war, brachte Kaddi abends die Crashpads zum Block, um gleich früh am nächsten Morgen starten zu können. Wer jetzt Crashpadklau erwartet: Nein. Es war vielmehr der gesamte Block verschwunden, und zwar unter Baumstämmen. In der Nacht war ein Sturmtief durch das Murgtal gefegt und sowohl Einstieg als auch Ausstieg des Boulders waren komplett blockiert.

Ich war einfach sehr motiviert und habe zum Glück immer eine Säge im Auto.

Also war eben Aufwärmen via Forstarbeiten angesagt. Zurück in der Kernkompetenz Bouldern liefen die Links zwischen den Zügen dann auch wiederholt gut, nur zu einem Ganzen verbinden lassen wollten sich die einzelnen Sequenzen partout nicht. Bis zum vergangenen Sonntag, an dem sich sämtliches Durchhaltevermögen der ganzen Zeit in einem Versuch und vor allem dessen letzten Zügen kumulierte.

Der hat mich lange Zeit beschäftigt. Ich fand ziemlich früh eine andere Beta für die Crux und die Züge danach. Am Ende brauchte ich auch viel mentale Stärke, um einfach dranzubleiben und nicht zu versuchen, jeden Zug zu perfektionieren.

Kaddi – Instagram

Erstbegangen wurde der Boulder von Fred Nicole 2017. Der mittlerweile 54-jährige Schweizer benannte sein Werk am Murgtaler Forbach-Granit nach kleinen, kunstvoll geschnitzten Figuren aus Japan. Möglicherweise inspiriert von der ein oder anderen im Boulder vorkommenden filigranen Mikroleiste.

  • Credits Text Hanna Rexer f. kletterszene.com
  • Credits Fotos Kadi Lehmann
  • Beitragsdatum 1. April 2025