Janja Garnbret und Gregor Vezonik gewinnen das Boulder Weltcup Finale in München

Freitag und Samstag fand in München der letzte Boulder Weltcup der Saison 2018 statt. Einen packenden Wettkampf erlebte das großartige Publikum beim Finale. Die deutschen Athletinnen und Athleten lagen lange auf gutem Kurs, schieden jedoch im Halbfinale aus.  Für das KVÖ-Aufgebot war es die Generalprobe für die in 19 Tagen beginnende Heim-WM in Innsbruck. Jakob Schubert zeigte eine sehr überzeugende Vorstellung und wurde 3. Er ist damit nach 5 Jahren zurück am Podest im Boulder Weltcup. Karoline Sinnhuber boulderte auf den 8. Rang. Das rot-weiß-rote Aufgebot zeigte mit sechs Halbfinaleinzügen eine sehr gute Mannschaftsleistung. Das slowenische Team räumte groß ab, holte die zwei Tagessiege, einen zweiten Platz und mit Jernej Kruder auch den Boulderweltcup-Gesamtsieg.

 

Finaltag: Starke Teams und ein überragendes Publikum

Bereits zu Beginn des Halbfinales waren die beiden Tribünen und der Zuschauerraum voll besetzt. „Wir hatten sogar schon in der ersten Runde des Finaltags rund 3000 Besucherinnen und Besucher“, so Julia Zschiesche, Cheforganisatorin des BWC München. Und weiter:

„Das Publikum war unglaublich motiviert und jubelte für die einheimischen Starterinnen und Starter genauso wie für unsere Gäste aus anderen Nationen, einfach genial!“

Auch die rund 250 Sporterlinnen und Sportler aus 38 Nationen gaben ihr Bestes. Allen voran das japanische Team, das sich gleich mit neun Herren und sechs Frauen für den Kreis der jeweils besten 20 qualifizierte. Doch auch aus den anderen starken Kletternationen boulderten sich mehrere Stars in die vorletzte Runde. So stellte Österreich zwei Männer und vier Damen, Frankreich zwei Männer und drei Damen und Slowenien zwei Herren und zwei Frauen. Für Deutschland qualifizierten sich Alma Bestvater Alex Averdunk, Yannick Flohé sowie Jan Hojer.

Bei den Damen waren die Boulder sehr unterschiedlich geschraubt: Während die meisten Athletinnen Problem Nummer 1 sogar flashen konnten und Boulder Nummer 2 ebenfalls von etwa zwei Dritteln geklettert wurde – rund die Hälfte von ihnen im 1. Versuch –, sah das Publikum niemandem am Top des dritten Problems. Den vierten Boulder konnten nur die besten vier Athletinnen durchsteigen, die so jeweils drei Boulder toppten: Janja Garnbret (SLO), Fanny Gibert (FRA), Miho Nonaka (JPN) und Akiyo Noguchi (JPN). Die beiden restlichen Finalplätze gingen an Katja Kadic (SLO) und Ekaterina Kipriianova (RUS), die sich zwei Flashs und zwei Zonen holten.

Für die DAV-Damen startete Alma Bestvater in die Wände. Nach einem gelungenen Beginn an Boulder 1 (Flash), benötigte sie nur zwei Versuche in der 2. Route. Bei Boulder drei erreichte sie noch die Zone. Ein insgesamt toller Wettkampf für die 22-Jährige, die derzeit noch mit Handgelenksproblemen zu kämpfen hat. Am Ende wurde Alma Bestvater Zwölfte.

„Natürlich ist es schade, dass es nichts mit dem Finale wurde, aber ich bin trotzdem zufrieden mit meiner Leistung.“ Auch Bundestrainer Urs Stöcker zeigte sich zufrieden: „Der Auftritt von Alma nach ihrer Verletzung war überzeugend und zeigt ihre starke Form Richtung Weltmeisterschaft in Innsbruck.“

Halbfinale der Herren: Entscheidung am letzten Boulder

Die Herren hatten mit teils sehr akrobatischen Routen zu kämpfen. Boulder Nummer 1 sah mit 14 Tops die meisten Begehungen, Boulder Nummer 2 dafür nur zwei. Das dritte Problem, eine stark überhängende Linie, konnten hingegen wieder fast alle Teilnehmer klettern. Damit entschied sich die Platzierung der meisten Finalisten am letzten Problem.

Alex Averdunk und Jan Hojer starteten sehr souverän in den Wettkampf: Den ersten Boulder schafften sie in nur wenigen Versuchen, beim zweiten erreichten sie immerhin die Zone. Den dritten Topgriff konnten sie – wie viele im Teilnehmerfeld – im zweiten (Averdunk) und dritten (Hojer) Versuch erreichen. Yannick Flohé, der noch am Mittwoch an der Jugend-Kletter-WM teilnahm und Jugend-Vizeweltmeister im Bouldern wurde, verpasste am ersten Boulder den Topgriff und hatte aufgrund des starken Teilnehmerfeldes nur noch geringe Chancen auf einen Einzug ins Finale.

Averdunk und Hojer lagen hingegen bis zum letzten Boulder auf Finalkurs. Das vierte Problem forderte schon zu Beginn einen weiten Dynamo nach rechts und eine ausgefeilte Hook-Technik. Hatte man dieses Problem überstanden und die Zone erreicht, folgten großvolumige Griffe in der stark überhängenden Wand. Alle drei DAV-Athleten konnten den Zwischengriff erreichen, danach aber nicht mehr bis zum Ende klettern.

Andere Halbfinalisten wie die Japaner Yoshiyuki Ogata und Yuji Fujiwaki, der Franzose Mickael Mawem, und Jakob Schubert (AUT) schafften den Boulder hingegen. Da nur die sechs Besten aus dieser Runde weiterkamen, blieb es für die DAV-Athleten beim Halbfinale.

„Natürlich ist es schade, dass wir keinen Athleten im Finale sehen“, sagt Bundestrainer Urs Stöcker, „allerdings muss man die Leistung des gesamten Teams hoch anrechnen: Vier Leute im Halbfinale zu sehen, ist toll.“ Und gerade die Leistung von Alex Averdunk sei sehr gut gewesen, so der Bundestrainer. Der Münchner bringt sein bestes internationales Ergebnis in diesem Jahr mit nach Hause.

 

Damen-Finale: Japanisches Duell um den Gesamtsieg

Für die Athletinnen und Athleten aus aller Weltging es heute nicht nur um den Tagessieg, sondern auch um die letzten Punkte für das Gesamtranking. Bei den Damen sah das Publikum ein spannendes Stechen: Miho Nonaka (JPN), vor dem letzten Stopp die Erstplatzierte, führte nur fünf Punkte vor ihrer Teamkollegin Akiyo Noguchi. Wer von den beiden am Ende des Finales den besseren Platz belegte, gewann den Gesamtweltcup. Die Drittplatzierte, Fanny Gibert (FRA), sowie Janja Garnbret (SLO), waren bereits nach dem vorletzten Weltcup zu weit abgeschlagen, um noch um Platz 1 oder 2 im Gesamtranking mitzumischen.

Die Leistungen im Damenfinale hätten unterschiedlicher nicht sein können: Während die späteren drei Gewinnerinnen und Favoritinnen Janja Garnbret (SLO), Akiyo Noguchi (JPN) und Miho Nonaka (JPN) alle vier Boulder toppten und teilweise sogar flashen konnten, taten sich die übrigen Konkurentinnen schwer: Fanny Gibert (FRAU) konnte noch einen Boulder flashen und erreichte drei Zonen, Katja Kadic (SLO) einen Top und eine Zone. Die Russin Ekaterina Kipriianova konnte drei Zonengriffe erreichen.

Das wichtigste Duell trugen die beiden Japanerinnen aus: Wer am Ende höher platziert war, gewann den Gesamtweltcup. Akiyo Noguchi musste aufgrund ihrer Platzierung im Halbfinale immer vorlegen, Miho Nonaka konnte nachziehen. Am Ende war es eine Entscheidung nach der Anzahl der Versuche: Akiyo Noguchi brauchte zwei Versuche mehr, Miho blieb mit drei Flashs fast fehlerfrei und sicherte sich so den Titel der Gesamtweltcupsiegerin im Bouldern.

Bei diesem Boulder-Krimi ging die Leistung von Janja Garnbret fast ein wenig unter: Sie blieb bei allen vier Routen fehlerfrei und toppte jeden Boulder im ersten Versuch – und das in einem internationalen Finale! München scheint der jungen Slowenin offensichtlich zu liegen: Wie 2017 holte sie den Tagessieg in der bayerischen Landeshauptstadt auch dieses Jahr!

 

Herren-Finale: Die große Show der Slowenen

Bei den Herren sah das Gesamtranking anders aus: Zwischen dem Erstplatzierten, Jernej Kruder (SLO), Tomoa Nagasaki (JPN) auf Platz 2 und Rei Sugimoto (JPN) auf dem dritten Platz lagen nur rund 80 Punkte. Allerdings: Nagasaki und Sugimoto qualifizierten sich beide nicht für das Finale. Damit stand Kruder schon nach dem Halbfinale als Sieger fest: Die übrigen Finalteilnehmer lagen im Gesamtranking so weit hinter Kruder, dass sie ihn nicht mehr einholen konnten.

Trotzdem wurde es ein spannender Wettbewerb, der sich erst am letzten Boulder entschied: Für Route Nummer 1 hatte sich das Routesetter-Team um den Briten Jammie Cassidy einen kleingriffigen Boulder überlegt, dessen Crux schon beim Aufstehen aus der Startposition wartete. Nur Gregor Vezonik (SLO) konnte diesen Boulder toppen, er flashte ihn sogar. Die übrigen Finalisten, Jernej Kruder (SLO), Jakob Schubert (AUT), Yoshiyuki Ogata (JPN), Yuji Fujiwaki (JPN) und Mickael Mawem (FRA) hoben nicht einmal richtig ab. Damit hatte Vezonik schon am Anfang eine Marke gesetzt. In Boulder Nummer 2, einem extrem koordinativen Kantenboulder patzte er allerdings: Als einer der wenigen erreichte er nicht den Topgriff. Damit war an Boulder drei wieder alles offen! Die Krux bestand hier aus einer Mini-Leiste, die von einem anderen Griff ohne Textur abgedeckt wurde. Dadurch wurde die Leiste noch kleiner. Diesen konnte nur Yuji Fujiwaki toppen, alle anderen mussten sich mit der Zone begnügen. Der letzte Boulder, eine überhängende, lange Route an großen Volumes war eher als Geschenk geschraubt: Sowohl Vezonik, als auch Schubert, Kruder, Mawem und Ogata konnten ihn flashen. Trotzdem war Gregor Vezonik der Sieg aufgrund seines Flashs im ersten Boulder nicht mehr zunehmen! Gesamtweltcup-Sieger Kruder wurder Zweiter.

Jakob Schubert schaffte in diesem sehr schwierigen und engen Finale zwei Boulder. Damit erkämpfte er sich den starken dritten Rang. Zum letzten Mal stand der 27-jährige Innsbrucker 2013 in Toronto (CAN) im Boulder Weltcup am Stockerl.

Ich habe es vor diesem Publikum sehr genossen und freue mich, auch im Bouldern wieder am Stockerl zu stehen! Dass es jetzt so kurz vor der Heim-WM so gut hinhaut, ist natürlich genial,“ sagte Jakob Schubert. „Bei der Heim-WM gehe ich nicht nur wegen der Kombination im Bouldern an den Start, sondern auch weil mir das Bouldern wichtig ist, und ich weiß, dass da alles möglich ist.“

Damit belegte das slowenische Team bei den Damen den ersten Platz, bei den Herren sogar die Plätze eins und zwei. Rechnet man Kruders Gesamtweltcupsieg noch mit ein, war der Boulderweltcup München ein Vierfachsieg für das Team aus Osteuropa.

 

Ergebnisse des IFSC Boulder Worldcup in München 2018


Damen:

1 GARNBRET Janja SLO
2 NONAKA Miho JPN
3 NOGUCHI Akiyo JPN

4 GIBERT Fanny FRA
5 KADIC Katja SLO
6 KIPRIIANOVA Ekaterina RUS
7 ITO Futaba JPN
8 SINNHUBER Karoline AUT
9 KLINGLER Petra SUI
10 NAKAMURA Mao JPN
11 KOTAKE Mei JPN
12 BESTVATER Alma GER
13 SCHWAIGER Berit AUT
14 KOLLER Anne-Sophie SUI

16 STERRER Franziska AUT
18 PILZ Jessica AUT

23 SHIRAISHI Ashima USA

27 HÖNIG Afra GER
27 PINGGERA Julia AUT
29 KIESGEN Lilli GER

41 BÄRTSCHI Natalie SUI
41 FELL Frederike GER
43 ADOLPH Isabell GER
43 FÄRBER Johanna AUT
43 FUCHS Romy GER
43 YOKOYAMA Sofya SUI

50 HOLFELD Johanna GER
51 MEUL Hannah GER

57 KÜMIN Andrea SUI

65 SPÄTE Jara SUI

71 DÖRFFEL Lucia GER
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Männer:

1 VEZONIK Gregor SLO
2 KRUDER Jernej SLO
3 SCHUBERT Jakob AUT

4 OGATA Yoshiyuki JPN
5 FUJIWAKI Yuji JPN
6 MAWEM Mickael FRA
7 FUJII Kokoro JPN
8 SUGIMOTO Rei JPN
9 WATABE Keita JPN
9 NARASAKI Tomoa JPN
11 AVERDUNK Alexander GER
12 HOJER Jan GER

14 DORNAUER Alfons AUT

20 FLOHÉ Yannick GER

23 KLEESATTEL Max GER
23 MEGOS Alexander GER
23 SHARAFUTDINOV Dmitrii RUS

29 FIRNENBURG David GER

33 SCHMIEG Stefan GER
33 VOGT Stephan GER

35 LEHMANN Sascha SUI
35 ROBERTS Aidan GBR
38 ERBER Matthias AUT

43 MARSCHNER Kim GER
43 PARMA Georg AUT
46 POSCH Jan-Luca AUT
47 OMETZ Baptiste SUI
47 UNGER Simon GER
50 FIRNENBURG Ruben GER

57 MARTIN Philipp GER

61 BLASER Benjamin SUI

71 FAVRE Nils SUI

73 PRINZ Max GER
73 SCHWEIGER Christoph GER

77 WEILER Elias AUT

85 HANS Moritz GER

88 KLINGLER Florian AUT

92 WIENTJES Florian GER

95 MCCOLL Sean CAN
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Nächste Station: WM in Innsbruck

Für die KVÖ-AthletInnen gilt es nun, sich in den bis zur Heim-WM verbleibenden 19 Tagen den letzten Feinschliff für den großen Saison-Höhepunkt zu holen. Am 27.8. um 11 Uhr wird der Kletterverband Österreich sein WM-Aufgebot im Rahmen einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

Für die Kombinierer und Vorstieg-Spezialisten geht es schon am 6. und 7. September im Kletterzentrum Innsbruck mit den Qualifikationsrunden los. Ab 11. September greifen die Boulder-Spezialisten ins Geschehen ein. Am 13. September gehen die Speed-Bewerbe über die Bühne. Die Titel im Bouldern werden am 14. und 15. September vergeben. Am letzten Tag, dem 16. September, steht das Finale in der Kombination an.

  • Alle Informationen zur Kletter-WM finden Sie auf innsbruck2018.com.
  • Den Wettkampf-Zeitplan der WM in Innsbruck finden Sie hier.

 

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