Jakob Schubert gewinnt zweiten Weltmeistertitel in Bern

Es war der letzte der Wettkämpfe: das Finale der Herren in der Combined-Wertung beendete die Weltmeisterschaft 2023. Jakob Schubert schaffte den Coup, der Österreicher holte sich wenige Tage nach dem Gewinn beim Lead nicht nur seine zweite Goldmedaille, sondern löste sich zugleich einen Startplatz bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Zweiter wurde Colin Duffy (USA), Dritter Tomoa Narasaki (Japan) – auch diese beide gewannen nicht nur eine Medaille, sondern auch eines der begehrten Tickets für Paris. Alle drei starteten übrigens bereits bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, als das Sportklettern seine olympische Premiere feierte. Jakob gewann damals Bronze, Tomoa wurde Vierter und Colin Siebter.

Bouldern

Das Finale war hochkarätig besetzt, neben Jakob zählten Adam Ondra, der Youngster Sorato Anraku und sein Teamkollege Tomoa zu den großen Favoriten. Jakob legte dann auch gleich mal ordentlich vor, er toppte alle vier Probleme, was ihm 99,6 Punkte brachte. Vier Tops gelangen außer ihm nur Tomoa, der weniger Versuche als Jakob brauchte – außer dem ersten flashte er nämlich alle Boulder – und mit 99,7 Punkten nach dieser Runde knapp vor Jakob die Führung übernahm. Auf Platz 3 dann Sorato, der Shootingstar der Saison: Der erst 16-Jährige patzte nur im ersten Boulder, dort gelang ihm nur die Zone, alle anderen Boulder holte sich der junge Japaner dann aber im Flash und erzielte 85 Punkte. Platz 4 belegte Colin, bis auf den ersten hielt auch er bei allen anderen den Topgriff in der Hand (84,7 Punkte). Platz 5 ging an Adam, auch der Tscheche schaffte im ersten Boulder nur die Zone, die anderen Probleme konnte er dann aber toppen (84,1 Punkte).

Toby Roberts hatte im ersten Boulder eine Nullrunde, die drei folgenden toppte auch er, Platz 6 für den jungen Briten (79,3 Punkte). Doyun Lee (Korea) holte sich zwei Zonen und zwei Tops im Flash: Platz 7 mit 70 Punkten. Auch der Franzose Paul Jenft hatte zwei Zonen und zwei Tops, allerdings in mehr Versuchen: mit 69,8 Punkten landete er auf Platz 8.

Lead

Spannend blieb es beim Lead bis zum Schluss, denn der letzte Starter, Sorato, liefert normalerweise nicht nur beim Bouldern ab, er ist auch ein erklärter Leadexperte. In Bern gewann er beim Lead bereits Silber. Falls er bei der Finaltour also sehr weit nach oben geklettert wäre, hätte der Youngster die Podestplatzierung noch einmal komplett verändern können. Das gelang ihm aber nicht, er konnte nicht wie gewohnt abliefern und holte sich nur 64,1 Punkte.

Jakob kletterte konzentriert und flüssig, er stürzte erst sehr weit oben und holte sich 84 von 100 möglichen Punkte. Insgesamt erzielte er beim Bouldern und Lead 183,6 Punkte und holte sich mit deutlichem Vorsprung zum Zweitplatzierten Colin Gold. Seinen Auftritt und Gewinn kommentierte der 32-jährige Österreicher dann folgendermaßen: 

I don’t know. It’s so crazy. It kind of feels like the Lead, it all went so fast. Today was a big day, obviously I knew I had to do really well in Boulder to have a chance for that Olympic ticket and the Boulder round couldn’t have gone any better for me I think. My dream was to go into the Lead with a lead and then keep my nerves under control, and I think I did a really good job of doing that in the Lead route. I don’t think I actually realise what it means yet. Feels like there hasn’t been much time to think about it. I was watching the action and really hoping Sorato could show what he could do because he is such a good climber. I feel like he is the best combined climber right now, I had my day today, but we are definitely going to see him at the Olympics. For an older climber like me, now I can just focus and prepare for the Olympics, calm down a bit and now not do all the comps next year because I’m getting tired doing a lot of comps. So this has worked out perfectly.

Colin sammelte insgesamt 160,7 Punkte – beim Lead waren es 76. Die nach ihm folgenden Starter platzen einer nach dem anderen vor seiner erreichten Höhe aus der Wand. Als er dann schließlich realisierte, dass er nicht nur eine Medaille, sondern auch ein Ticket für Paris gewonnen hatte, konnte es der 19-Jährige US-Amerikaner zunächst gar nicht fassen.

It felt amazing. I was just honoured to be on the stage in the World Championships Boulder & Lead final. This is the most difficult and proud final I have ever made. I just wanted to go into today, enjoy my climbing and not care about the result. I was able to enjoy every second on the wall in the Boulder and stayed calm in the Lead route and I’m very happy to be standing here with another Olympic spot,

sagte er überglücklich.

Tomoa dagegen musste bis zum Go seines jungen Teamkollegen Sorato warten, bis er sich sicher sein konnte, dass er tatsächlich eine Medaille gewonnen hatte. Sorato näherte sich zwar seiner Gesamtpunktzahl (156,7), konnte diese aber nicht erreichen, er stürzte schon bei 64,1 Punkten, sammelte damit insgesamt 149,1 Punkte und wurde undankbarer Vierter. Als Tomoa wusste, dass er eine Medaille sicher in der Tasche hatte, rannte der 27-Jährige zunächst zu seiner Frau Akiyo Noguchi und umarmte sie. 

At first, I felt pressure, but I’ve been training, training, training and I believed in myself. My wife Akiyo is here, I think she felt more pressure than me, but I’m so happy to get the Olympic ticket in front of her, 

sagte Tomoa.  

Platz 5 belegte der junge Brite Toby Roberts (143,4 Punkte), knapp hinter ihm auf Platz 6 dann Adam Ondra, der sehr früh beim Lead gestürzt war (141,2 Punkte), Platz 7 der Koreaner Dohyun Lee (127,1 Punkte) und Platz 8 der Franzose Paul Jenft (102,8 Punkte). Die beiden Deutschen Alex Megos und Yannick Flohé kletterten zwar noch im Halbfinale mit, schafften den Sprung ins Finale aber nicht. Yannick wurde Zwölfter, Alex belegte Platz 13. 

Ergebnisse der IFSC Combined Weltmeisterschaft 2023 in Bern

Herren:

1          Jakob SCHUBERT AUT
2          Colin DUFFY USA
3          Tomoa NARASAKI JPN
4          Sorato ANRAKU  JPN
5          Toby ROBERTS GBR
6          Adam ONDRA CZE
7          Dohyun LEE.  KOR
8          Paul JENFT FRAU
9          Mejdi SCHALCK FRA
10        Ao YURIKUSA JPN

12        Yannick FLOHÉ GER
13        Alexander MEGOS GER

15        Sascha LEHMANN SUI
18        Nicolai UZNIK AUT

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Video-Link: https://youtu.be/R2LO3W6FzsA
  • Credits Text Gudrun Regelein f. kletterszene.com
  • Credits Fotos David Schweizer / IFSC
  • Beitragsdatum 14. August 2023