Hannah Meul startet bei den Youth Olympic Games

Wenn am 6. Oktober die Youth Olympic Games in Buenos Aires starten, dann darf Hannah Meul als einzige deutsche Kletterin mit dabei sein. Eine besondere Erfahrung für die 17-jährige Schülerin aus Frechen, deren Reise nach Argentinien 2017 mit ihrer Qualifikation bei der Jugend-WM in Innsbruck begonnen hat. Seitdem bereitet sie sich konsequent auf ihr persönliches Highlight im Wettkampfjahr 2018 vor.

 

Klettern erstmals olympisch

„Nicht bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werden die ersten Olympia-Medaillen im Klettern vergeben, sondern bereits in diesem Jahr – bei der Jugendolympiade in Buenos Aires“,

erklärt Martin Veith, Sportdirektor des DAV. Aus diesem Grund sei man besonders stolz, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit Hannah Meul auch eine Kletterin ins Rennen um die Podiumsplätze schickt. Bei den Youth Olympic Games wird der gleiche Wettkampfmodus geklettert, wie zwei Jahre später in Tokio: Olympic Combined. „Das muss man sich als Kletterdreikampf vorstellen“, so Martin Veith, „es werden hintereinander drei Disziplinen geklettert – Lead, Bouldern und Speed. Die Platzierungen in den Einzelwertungen werden dann multipliziert und die besten Sechs ziehen ins Finale ein. Dort werden alle drei Kletterarten erneut abgefragt.“ Das neue Format fordert also den Allroundkletterer – oder die Allrounderin. „Hannah hat in den letzten beiden Jahren gezeigt, dass sie sowohl im Lead als auch im Bouldern ganz vorne dabei sein kann“, so der Sportdirektor. „Wenn sie auch noch im Speed solide Leistungen zeigt, hat sie gute Chancen, ins Finale einzuziehen.“

 

„Ich will mein Bestes geben!“

„Als Hannah etwa 9 Jahre war, habe ich zum ersten Mal mit ihr trainiert“, erinnert sich Bundestrainerin Friederike Kops. „Damals wie heute habe ich riesige Freude an ihrem intuitiv-cleveren und geschmeidigen Kletterstil und ihrem Ehrgeiz, immer besser werden zu wollen.“ Ihre Motivation für den Sport wird auch in ihrem Trainingsprogramm deutlich: Die Schülerin trainiert mittlerweile rund 12 bis 15 Stunden pro Woche, plus eine Kraft- und Athletikeinheit am Kölner Olympiastützpunkt. Und wie sieht es aus mit Hannahs Plänen für Buenos Aires? „Konkrete Ziele wie Platzierungen setze ich mir eigentlich nie, sonst mache ich mir zu viel Druck“, sagt die Schülerin. Und der ist angesichts des international stark angestiegenen Niveaus ohnehin schon sehr hoch. „Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben. Bei so einem Event mobilisiert man die letzten Energiereserven. Und wenn ich dann im Lead falle, wenn ich völlig gepumpt bin, beim Bouldern bis zur letzten Sekunde Vollgas geben kann und auch im Speed keinen Fehler mache, dann bin ich absolut zufrieden – egal, wie weit vorne ich lande.“ Das sieht auch ihre Trainerin so: „Hannah freut sich schon das ganze Jahr über auf die Youth Olympic Games, ist gut vorbereitet und wird sicher alles geben! Was dabei raus kommt werden wir sehen – das Potenzial für einen Platz auf dem Podest hat sie auf jeden Fall.“

 

Den Kopf im Griff

Hannah Meul blickt in der Jugendwertung auf eine lange Liste an Erfolgen – besonders in den letzten beiden Jahren. Und auch, wenn sie in diesem Jahr noch auf keinem Wettkampf im neuen Format gestartet ist, fühlt sie sich gut vorbereitet und ist sehr zufrieden mit ihrer bisherigen Saison: Beim Boulder-Weltcup in Vail (USA) kletterte sie in der Seniorenwertung ins Halbfinale und wurde 10. Bei den European Youth Cups holte sie bei der Jugend A jeweils eine Silbermedaille im Lead in Uster (SUI) und im Bouldern in Soure (POR) sowie einmal Bronze im Bouldern in Sofia (BUL). Vor allem Vail war für Hannah ein Saison-Höhepunkt: „Da war ich wirklich voll bei mir und habe mich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen, obwohl ich wusste, dass ich den letzten Boulder toppen muss, um ins Halbfinale zu kommen.“ Mit so einer erfolgreichen Saison im Hinterkopf kann das Nachwuchstalent bei der Eröffnungszeremonie am 6. Oktober selbstbewusst in das Stadion einlaufen. Der Deutsche Alpenverein wünscht seiner Athletin für Buenos Aires alles Gute und ruft bereits jetzt #vengahannah!

 

„Ich könnte mir kein besseres Team vorstellen“

Doch trotz der Reisestrapazen ist sie unheimlich gerne mit dem Nationalkader unterwegs: „Wir sind wie eine Familie und ich könnte mir kein besseres Team vorstellen. Neben dem Klettern haben wir sehr viel Spaß miteinander. Wenn es da untereinander noch Konkurrenz gäbe, dann wäre das sehr anstrengend.“ Und so gut wie der Teamzusammenhalt ist auch die Zusammenarbeit mit ihrer Schule: Nächstes Jahr im Mai wird sie am Erzbischöflichen Berufskolleg Köln ihr Fachabitur im Sozial- und Gesundheitswesen machen, um danach vielleicht eine Ausbildung zur Erzieherin zu starten. Für die Wettkämpfe wird sie freigestellt, und wenn sie Klausuren verpasst, dann kann sie dafür auch Hausarbeiten schreiben – natürlich immer vorausgesetzt, die schulischen Ergebnisse stimmen. Und das tun sie bislang.

 

Die letzten Energiereserven mobilisieren

Und wie sieht es aus mit Hannahs Zielen für Buenos Aires? „Konkrete Ziele wie Platzierungen setze ich mir eigentlich nie, sonst mache ich mir zu viel Druck.“ Und der ist angesichts des international stark angestiegenen Niveaus ohnehin schon sehr hoch.

„Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben. Bei so einem Event mobilisiert man die letzten Energiereserven. Und wenn ich dann im Lead falle, wenn ich völlig gepumpt bin, beim Bouldern bis zur letzten Sekunde Vollgas geben kann und auch im Speed keinen Fehler mache, dann bin ich absolut zufrieden – egal, wie weit vorne ich lande.“

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Video-Link: https://youtu.be/MKx3kuEAQis
    Text: Kletterszene Foto: DAV/Klaus Listl,  DAV/Nils Nöll
  • Beitragsdatum 25. September 2018