Das Kletterseil Edelrid Canary Pro Dry 8,6mm im Test

Kletterseil Edelrid Canary Pro Dry 8,6mm im Test

Hersteller: Edelrid

Modell: Canary Pro Dry 8,6mm

Seiltyp : (CE EN 892, UIAA): entspricht mehreren Seiltypen – Einfach-, Halb- und Zwillingsseil

Einsatzbereich: Alpine Touren in Fels und Eis, Sportklettern

Funktionalität: ultraleichtes und sehr robustes Highperformance-Seil für alle Disziplinen

Ausstattung: Pro Dry Imprägnierung (Kern und Mantel) Wasseraufnahme unter 2 % gemäß UIAA Water Repellent Test, Bluedesign® konform

Preis- / Leistung: angemessen

Edelrid ist einer der führenden Hersteller für Bergsport- und Kletterausrüstung, außerdem stellt Edelrid Material für Adventurepark, Arbeitssicherheit und Industriekletterei her. Besonders in der Seilproduktion verfügt Edelrid über großes und langjähriges Know-how und Technologie. Kein Wunder also, dass Kletterseile von Edelrid zu den besten auf dem Markt zählen.

Ultraleichtes Highperformanceseil für Fels und Eis

Das Edelrid Canary Pro Dry 8,6mm kann durch seine 3-fach-Zertifizierung (Einfachseil, Halb- und Zwillingsseil) in fast allen Disziplinen des Bergsports eingesetzt werden. Egal ob Fels oder Eis, Hochtour oder extremes Klettern: Mit diesem robusten Leichtgewicht ist man bestens gerüstet. Es besticht durch sein geringes Metergewicht von 5,1g/m, den extrem dünnen Durchmesser von 8,6mm, zugleich aber durch seine Robustheit dank des hohen Mantelanteils und der durchdachten Imprägnierung.

Die Pro Dry Imprägnierung fängt schon bei den Kerngarnen an, wird im Flechtprozess auf Kern und Mantel ausgeweitet und thermisch fixiert. Dadurch ist das Seil stark wasserabweisend und vor Schmutz geschützt. Auf Gletscher und im Eis bleibt das Seil also geschmeidig, flexibel und leicht, ohne etwas an den Sicherheitsreserven einzubüßen. Die Imprägnierung in Kombination mit dem 47% Mantelanteil schützen das Seil vor Abrieb und machen es robust und langlebig.  Somit wird das Seil vom Hersteller als das perfekte Seil für den Leichtgewichtalpinismus bezeichnet und ist eines der dünnsten und leichtesten Einfachseile auf dem Markt.

Extremtest der Schwächen?

Es klingt nach dem perfekten Seil. Doch wo sind die Schwächen? Der Hersteller empfiehlt den Einsatz für Hochtouren, Gletscher und Eis, für Alpines Felsklettern oder als leichtes Durchstiegsseil beim Sportklettern. Zum Ausbouldern und Projektieren von Routen oder Topropen sei das Seil nicht geeignet. Und genau hier wollen wir beim Test ansetzen. Die Stärken liegen offensichtlich auf der Hand. Was aber, wenn man das Seil mit häufigen und weiten Stürzen quält und beim Ausbouldern immer die gleiche Stelle des Seils über teilweise abgeschliffene Exen zieht? Alltag beim Sportklettern und Extrembelastung für das Seil. Die Erwartung an dieses Seil zur Langlebigkeit bei solchen Belastungen war entsprechend gering, jedoch hat es mit seiner Robustheit überrascht und überzeugt. Das Seil kann also sehr wohl mit den reinen Sportkletterseilen mithalten.

Handling im ersten Eindruck

Das Canary macht seinem Namen alle Ehre und fällt mit seiner knalligen Farbe auf. Neon Grün oder Pink sticht ins Auge und macht sich nicht nur auf Fotos gut. Auf dem Gletscher und im Eis bleibt das Seil mit Sicherheit immer sichtbar. Der geringe Durchmesser und das niedrige Metergewicht machen das 80m Bündel kompakt und leicht. Ideal für den Transport im Rucksack bei langen Zustiegen. Am Fels angekommen können wir dank dem 3D Lapcoiling sofort starten, ohne lästige Krangel oder Knoten im Seil zu haben.

Zum Sichern nutzen wir das neue GriGri, welches für den Gebrauch von Seilen ab einem Durchmesser von 8,5mm geeignet ist. Der erste Zug und Sturztest wird im weiteren Testverlauf bestätigt: Das GriGri greift ohne Probleme, ohne dass das Seil durchrutscht. Das Seil liegt dabei erstaunlich gut in der Hand und lässt sich trotz des geringen Durchmessers beim Sichern sehr gut handeln. Beim Klettern selbst fällt sofort die Geschmeidigkeit des Seils auf. Die Imprägnierung

schützt nicht nur vor Wasser und Schmutz, sondern macht das Seil auch angenehm glatt. Beim Klippen kann man das Seil locker durch die Finger gleiten lassen.

Als erste Route wählen wir gleich eine lange Sportklettertour und nutzen fast die komplette Seillänge. Seilreibung ist hier definitiv kein Thema. Auch das geringe Seilgewicht ist deutlich spürbar. Hier wird man nicht durch das Seilgewicht nach unten gezogen. Spätestens beim Ablassen merkt man, dass wir kein Gummiseil in den Händen halten. Abruptes Abbremsen lässt das Seil nicht groß nachfedern. Trotzdem sind Stürze mit viel und wenig ausgegebenem Seil nicht hart. Beim Ausbouldern bleibt man auf Hakenhöhe ohne abzusacken. Die Mittelmarkierung hilft bei der Orientierung besonders in langen Routen und ist hilfreich beim Abseilen in Alpinrouten oder beim Handling auf dem Gletscher.

  • Fazit zum ersten Eindruck: Leicht, geschmeidig und flexibel, Top Handling und auch beim Ausbouldern und bei Stürzen recht angenehm. Die sogenannten Schwächen lassen sich im ersten Eindruck ganz und gar nicht bestätigen.

Handling auf lange Sicht

Auch nach längerem Gebrauch ändert sich nicht viel am Seil. Unzählige Routen, Stürze und Ausboulderaktionen später bleibt das Seil geschmeidig und flexibel. Weder die südfranzösische Hitze, noch Regenschauer können dem Seil etwas anhaben. Die Pro Dry Imprägnierung lässt das Seil in keinster Weise nass erscheinen, dreckig oder schwer werden, als es eine Weile im Regen hängt und anschließend auf den staubigen Boden fällt.

Häufig werden die Finger beim Sichern schwarz, sobald Seile länger im Einsatz ist. Das Canary zeigt diesen Effekt nicht und bleibt sogar nach längerem Gebrauch knallig bunt. Die Dynamik des Seils bleibt auch über längere Zeit so wie am Anfang. Weder wird es steifer, noch dehnt es sich mehr durch die zahlreichen Stürze beim Projektieren. Das Seil lässt sich gut greifen und man kann sich wunderbar zurück an den Haken ziehen ohne gleich wieder abzusacken.

Eine kritische Situation kann beim Topropen von langen Routen in Bodennähe auftreten, wenn viel Seil ausgegeben ist. Zwar zeigt das Seil eine gewisse und übliche Dehnung. Allerdings stellen wir auch hier wieder fest, dass wir kein Gummiseil in den Händen halten. Mit der Zeit raut das Seil an den stark strapazierten Enden etwas auf, was beim Handling aber keinen negativen Effekt hat.

  • Fazit auf lange Sicht: Das Seil bleibt geschmeidig und überzeugt im Handling auch nach intensiverem Gebrauch.

Haltbarkeit und Langlebigkeit

Bezüglich Verschleiß, Haltbarkeit und Langlebigkeit zeigt sich nach längerem und intensivem Gebrauch, wie sich das Seil in den „schwachen” Disziplinen schlägt. Ausbouldern und häufige Stürze bringen das Seil an die Verschleißgrenze. Die Belastung auf den Mantel ist hier extrem. Das Canary überrascht aber mit seiner Robustheit. Natürlich raut das Seil an den Enden, wo es beim Ausbouldern häufig über die Expressschlinge umgelenkt wird, auf. Jedoch hält sich dies im Rahmen und ist nicht unbedingt viel schlechter als die reinen Sportkletterseile. Hierfür ist zum einen die Imprägnierung, welche als Schutz dient, als auch der hohe Mantelanteil von 47% verantwortlich.

Auch wenn sich das Seil an den kritischen Stellen etwas aufraut, müssen wir das Seil erst unerwartet spät kürzen, sobald der Mantel extrem stark durchgerieben ist. Die Imprägnierung schützt das Seil zudem vor Verschmutzung, wodurch das Seil ebenfalls geschmeidig und langlebig bleibt. Vergleicht man das Seil mit dicken, robusten reinen Sportkletterseilen, welche für das Projektieren ausgelegt sind, kann man feststellen, dass das Canary zwar etwas früher verschleißt, allerdings nicht so wesentlich, wie man es nach Empfehlung des Herstellers erwarten würde.

Auch wenn wir das Seil nicht über den Gletscher gezogen haben, steht die Eignung hierfür außer Frage. Die Imprägnierung zeigt bei unserer Anwendung einen dauerhaften Schutz vor Schmutz und Nässe. Dadurch kann man folgern, dass auch Schnee und Gletschereis dauerhaft abgehalten werden können.

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