Deutsche Meisterschaft 2026 Anna M. Apel und Yannick Nagel krönen ihre Wettkampfsaison mit dem Titel
02. November 2026 in News
- Wettkampf
Youngsters mischen die Karten neu
Bei den Herren sorgten vor allem die jüngeren Athleten für eine Überraschung. Finn Altemöller (DAV Rheinland-Köln) und Max Dinger (DAV Krumbach) waren die Einzigen, die in der Qualifikation beide Routen bis zum Top klettern konnten. Dahinter reihten sich mit Olympiateilnehmer Yannick Flohé (DAV Aachen) auf Rang drei und Titelverteidiger Yannick Nagel (DAV Mannheim) auf Rang vier zwei bekannte Namen ein.
Die beiden Qualifikationsrouten hätten unterschiedlicher kaum sein können. Während die erste Route mit einem steilen Überhang und viel Ausdauervermögen aufwartete, verlangte die zweite eher kreative Lösungen, knifflige Körperpositionen und eine gute Portion Boulderverständnis. Eine Gemeinsamkeit hatten die beiden Routen allerdings: Knieklemmer. So viele, dass im Livestream bereits augenzwinkernd von der „Knieklemmer-DM“ die Rede war. Wer die Kneebars richtig platzierte, konnte im Überhang zwischendurch sogar die Arme komplett ausschütteln.
Auch die Damen bekamen zwei recht unterschiedliche Aufgaben gestellt. Die erste Route entwickelte sich mit zahlreichen Zangengriffen zu einer echten „Pinch-Hölle“, während die zweite mit mehreren Ruhepositionen und gleich drei spektakulären Dynos eher an eine Bouldersequenz erinnerte.
Bei den Damen lief es zunächst nach Plan für Titelverteidigerin Anna Maria Apel (DAV München & Oberland). Die zweifache Deutsche Meisterin kletterte beide Qualifikationsrouten souverän bis zum Top. Lokalmatadorin Roxana Wienand (DAV Darmstadt-Starkenburg) belegte zunächst Rang zwei. Allerdings hatte sie Pech: In der zweiten Route erreichte sie zwar den Zielgriff, klippte jedoch die falsche Umlenkung. Nach einem Einspruch wurde das Top nicht anerkannt. Ihre Wertung blieb bei Griff 46. Den dritten Platz teilten sich Ebba Jacksteit, Filipa Knoll und Clara-Marie Nagel.
Maileen Komsthöft sorgt im Halbfinale für eine Überraschung
Volle Ränge und zwei anspruchsvolle Halbfinalrouten sorgten am Sonntag für reichlich Spannung. Für die jeweils besten acht Athletinnen und Athleten ging es anschließend ins Finale.
Bei den Damen wurde ein früher Handflip für viele Starterinnen zum Knackpunkt. Zahlreiche Athletinnen kamen kaum über diese Stelle hinaus und mussten bereits wenige Züge später wieder von der Wand. Dann zeigte die erst 16-jährige Maileen Komsthöft (DAV Rheinland-Köln), dass in der Route deutlich mehr steckte. Sie kletterte unbeirrt weiter und setzte mit Griff 35 einen neuen Highpoint. Das bedeutete nicht nur den dritten Platz im Halbfinale, sondern auch den überraschenden Finaleinzug.
Noch ein Stück weiter kam Lokalmatadorin Roxana Wienand. Die Boulderspezialistin kletterte bis Griff 38+ und wurde dafür von der Darmstädter Halle lautstark gefeiert. Anna Maria Apel setzte anschließend noch einen drauf. Die Titelverteidigerin erreichte beinahe das Top und musste sich erst bei Griff 46+ geschlagen geben. Damit sicherte sie sich souverän den Halbfinalsieg.
Bei den Herren wartete eine Route, die bereits vom Sofa aus ordentlich Respekt einflößte. Ein kräfteraubendes Dach, große No-Texture-Griffe und kleine Leisten bestimmten den Charakter der Wand. Die glatten Griffe erwiesen sich dabei als weniger problematisch als zunächst vermutet. Für viele war erst nach dem Dach an einer kniffligen Passage mit kleinen Leisten Schluss.
Bis zum markanten Zapfen in der Route schafften es zunächst nur wenige. Otto Reiter war der Erste, der sich bis zu dieser Stelle vorkämpfte, konnte sich am Ende aber nicht auf die Struktur befördern. Danach waren die beiden Yannicks an der Reihe. Titelverteidiger Yannick Nagel erreichte als Erster den Zapfen. Seine Kletterzeit war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits abgelaufen. Einen letzten Rodeo-Versuch ließ er sich trotzdem nicht nehmen – allerdings ohne Erfolg.
Kurz darauf erreichte auch Yannick Flohé die Stelle. Er zog sogar noch Seil, entschied sich dann aber für einen spektakulären Sprung ins Schlappseil. Damit standen die acht Finalisten bei den Herren fest.
Yannick Nagel macht den Titel-Hattrick perfekt
Die Finalhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt, sämtliche Tickets waren bereits im Vorfeld ausverkauft. Entsprechend laut wurde es, als die besten Athleten des Wochenendes noch einmal an die Wand gingen.
Bei den Herren hatten die Routenschrauber eine echte Powertour vorbereitet. 62 Griffe verteilten sich auf knapp 30 Meter Wandlänge. Mit jedem Starter kletterte der Highpoint ein Stück weiter nach oben.
Luca Nündel (DAV Rheinland-Köln) legte mit Griff 43+ eine starke Vorlage hin. Nachdem Otto Reiter bereits am Untergriff-Dyno überraschend früh ausgeschieden war, durfte sich Nündel damit berechtigte Hoffnungen auf einen Podestplatz machen.
Dann kam Yannick Nagel. Der Titelverteidiger meisterte die bisherigen Schlüsselstellen souverän, fand weiter oben sogar noch eine Rastposition und arbeitete sich bis kurz vor das Top vor. Erst sieben Züge vor dem Ende war bei Griff 55+ Schluss. Eine starke Vorstellung des Mannheimer Athleten, der damit eine Saison krönte, in der er seine gute körperliche Form nicht immer wie gewünscht an die Wand bringen konnte.
Jetzt konnte nur noch Yannick Flohé den Titelverteidiger abfangen. Bevor der letzte Starter jedoch loslegen konnte, musste zunächst eine verdrehte Expressschlinge korrigiert werden. Die Spannung in der ausverkauften Halle stieg noch einmal.
Flohé kam gut durch die ersten Passagen, erwischte dann aber einen Griff nicht richtig und stürzte bei Griff 43+. Damit war die Entscheidung gefallen: Yannick Nagel verteidigte seinen Titel und wurde zum dritten Mal Deutscher Meister im Leadklettern.
Yannick Flohé sicherte sich Silber. Luca Nündel und der im Finale gleichplatzierte Konkurrent teilten sich zunächst den dritten Rang. Über die endgültige Reihenfolge entschied die bessere Halbfinalplatzierung zugunsten Nündels.
Auf diesen dritten Titel bin ich besonders stolz. Ich hatte eine coole Saison, aber nicht ganz die Erfolge und vor allem nicht die Konstanz, die ich mir gewünscht hatte. Bei der EM lief es mit dem Finaleinzug richtig gut, ansonsten konnte ich meine Leistung oft nicht so an die Wand bringen, wie ich es mir vorgestellt hatte
Ein Rutscher, kollektives Luftanhalten und Gold für Apel
Bei den Damen wartete zum Abschluss eine ganz andere Herausforderung. Riesige Volumen, kleine Crimps, spektakuläre Dynos und sogar ein Bat Hang machten die Finalroute zu einer abwechslungsreichen Kletterei. Die Route führte leicht ansteigend von links nach rechts durch die Wand, zwischendurch ging es allerdings auch kopfüber wieder nach unten.
Für die erste Überraschung sorgte Annika Müller (DAV Augsburg). Die amtierende Jugendeuropameisterin hatte sich im Halbfinale gerade noch als Achte für das Finale qualifiziert und legte als erste Starterin direkt eine starke Leistung vor. Eine Athletin nach der anderen versuchte sich an ihrer Vorgabe, doch keine konnte sie übertreffen.
Auch Lokalmatadorin Roxana Wienand, Deutsche Meisterin von 2020, musste sich mit Griff 45+ hinter Müller einreihen. Damit hatte Annika Müller nach Bronze im vergangenen Jahr bereits mindestens Silber sicher.
Nun fehlte nur noch Anna Maria Apel. Die zweifache Titelverteidigerin hatte das gesamte Wochenende über äußerst souverän geklettert und schien auch im Finale kaum aufzuhalten. Zug um Zug arbeitete sie sich nach oben, das Top war bereits in Reichweite. Doch dann passierte es: Ein Fuß rutschte ab und Apel fiel aus der Wand.
Plötzlich wurde es noch einmal richtig spannend. Apel und Müller hatten dieselbe Griffwertung erreicht. Die Entscheidung fiel deshalb über die Platzierung aus dem Halbfinale. Dort hatte Apel die Nase vorn und sicherte sich damit ihren dritten Deutschen Meistertitel in Folge.
Annika Müller durfte sich über Silber freuen, Roxana Wienand komplettierte das Podium mit Bronze.
Dieser Titel bedeutet mir sehr viel. Es war ein ziemlich schwieriges Jahr, wahrscheinlich die schwerste Saison, die ich jemals hatte, mit weniger Erfolgen als erhofft. Umso stolzer bin ich, wie ich diesen Wettkampf gemeistert habe. Das gibt mir Hoffnung für die nächste Saison.
Im Finale war ich ziemlich gestresst, auch zeitlich wurde es knapp. Man konnte in der Route viel schütteln und entsprechend langsam klettern. Am Ende hat vielleicht ein bisschen die Konzentration gefehlt. Es war ein schwerer Zug, den ich auch hätte schaffen können. Ich bin froh, dass es trotzdem gereicht hat.
Ergebnis der Deutschen Lead Meisterschaft 2026
Damen
| Platz | Name |
|---|---|
| 1 | Anna Maria APEL |
| 2 | Annika MÜLLER |
| 3 | Roxana WIENAND |
| 4 | Clara-Marie NAGEL |
| 5 | Lena GROSS |
| 6 | Anna LECHNER |
| 7 | Stella JORDANS |
| 8 | Maileen KOMSTHÖFT |
| 9 | Mina RAMBAUSEK |
| 10 | Elli FASSBENDER |
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Herren
| Platz | Name |
|---|---|
| 1 | Yannick NAGEL |
| 2 | Yannick FLOHÉ |
| 3 | Luca NÜNDEL |
| 4 | Max DINGER |
| 5 | Jonas WAGNER |
| 6 | Philipp GÖTHERT |
| 7 | Erik POLLAK |
| 8 | Otto REITER |
| 9 | Sebastian HALENKE |
| 10 | Philipp MARTIN |
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