Spätestens bei der Weltmeisterschaft in Innsbruck konnte man feststellen, dass die Top Ten Plätze bei Weltcups und Weltmeisterschaften immer öfters von Athleten und -Innen aus den Nachwuchskadern belegt werden. Dass mit solch einer Entwicklung schon recht früh der Leistungsdruck entsteht und die Jugendlichen vor „neue“ Herausforderungen stellt, dem ging Isi Adolph nach und interviewte Laura Stöckler, eine der großen österreichischen „Nachwuchshoffnungen“, die am Ende des Jahres endgültig den Sprung in den Senioren Weltcup vollziehen wird. Als Junioren-Weltmeisterin in der Kombination und Jugendeuropameisterin Kombination kann sie auf eine sehr erfolgreiche Jugendkarriere zurückblicken und weiß auch, welch ein Trainingspensum solche Erfolge erfordern.

 

Seit 2013 warst du Mitglied des österreichischen Jugend Nationalkaders und dein Sieg bei der Jugendweltmeisterschaft 2017 bei den Juniorinnen zählt zu deinen stolzesten Erfolgen. Jetzt ist die Wettkampf Saison der Jugend so gut wie vorbei, was auch der Abschluss deiner Jugendkarriere und dein endgültiger Übertritt von Juniorathletin zur Seniorathletin ist. Zurückblickend auf all die Jahre als junge professionelle Kletterin- mit welchen Herausforderungen wurdest du konfrontiert und wie bist du an diese herangegangen?

Eine der größten Herausforderungen ist definitiv die Menge an Wettkämpfen. Insbesondere in den letzten Jahren als Juniorathletin nahm ich an einigen davon teil. Einerseits durfte ich bei erwachsenen Wettkämpfen starten und andererseits empfohlen mir meine Trainer bei so vielen Jugendwettkämpfen wie möglich mitzumachen. Der Hauptunterschied zwischen einer Jugend- und Erwachsenensaison liegt darin, dass die der Jugend nicht so strukturiert ist wie die der Erwachsenen. Die Erwachsenen beginnen mit paar Boulder Wettkämpfen, gefolgt von paar Lead World Cups, was ihnen ermöglicht mit Maximalkrafttraining die Saison zu beginnen und sie mit Ausdauertraining fortzusetzen mit paar Speed Trainings zwischendurch. In der Jugend ist das anders, da sich die internationalen boulder, lead und speed Wettkämpfe abwechseln. Dadurch, wenn man das „Combined Format“ anstrebt, ist der Anspruch, dass man für alle drei Disziplinen das ganze Jahr hindurch trainiert. Und wenn man dann alt genug ist, um bei den Junioren und den Erwachsenen Wettkämpfen teilzunehmen, wird das Ganze nochmal intensiver.

Die meisten österreichischen Jugendathleten gehen auf eine Schule, die spezialisiert ist auf Sport und darauf, die Kombination von Schule mit der professionellen Ausübung eines Sports so einfach wie möglich zu machen. Auf mich traf das nicht zu, was es für mich nochmal schwerer machte die Balance zwischen Bildung und Sport zu halten. Wäre ich nicht eine eher gute Schülerin gewesen, die sich recht leicht mit Lernen tut, wäre das alles für mich glaub nicht möglich gewesen. Meistens bin ich nach der Schule gar nicht heimgekommen, sondern bin direkt ins Training gefahren, habe im Bus Mittag gegessen und nebenbei bisschen Hausaufgaben gemacht. Nach dem Training machte ich dann den Rest meiner Hausaufgaben und meines Lernens und ging anschließend ins Bett. Wie man sich vorstellen kann, ist das nicht nur physisch, sondern auch mental anstrengend.

Apropos mentale Stärke- ich hatte auch regelmäßiges Mentaltraining mit einem professionellen Sportpsychologen, der mir nicht nur dabei geholfen hat Schule und Training zu kombinieren sowie stressige Phasen zu überwinden, sondern auch mit Nervosität im Wettkampf umzugehen, was in früheren Zeiten großen Einfluss auf mein Klettern hatte. Ich hatte kein Druck von irgendjemand anderem, wie meine Eltern oder Trainer, aber ich habe mir selbst und meiner Kletterleistung sehr viel Druck gemacht. Ich war sehr erfolgsorientiert, weshalb ich bei Wettkämpfen oft sehr nervös war. Mit Mentaltraining, eigenen Interessen nachgehen und sich mit mentalen Strategien beschäftigen, wurde das viel besser und ermöglicht mir jetzt viel entspannter zu Klettern.

Das Gute ist, dass ich kaum physische Probleme in meiner Jugendkarriere hatte. Ich war nie ernsthaft verletzt oder krank, was mir ermöglichte ohne gezwungene längere Pausen zu trainieren. Die einzigen kleineren Probleme, die mir einfallen, waren die wachstumsbezogenen. Es gab ein Jahr in dem ich knapp 10cm gewachsen bin und ich erinnere mich an leichte Schmerzen in meinem Rücken und meinen Fingern. Es fiel mir auch schwer meine Größe einzuschätzen, wenn ich die Routen und Boulder las und manchmal überrascht war, für wie leicht sich der scheinbar weiten Züge entpuppten.

Oh und fast hab ich vergessen meinen ersten Pump, den ich bekommen habe als ich in die Pubertät kam, zu erwähnen- the struggle was real!

 

Wie hast du vielleicht von diesen Erfahrungen profitiert im Vergleich zu Jugendlichen, die nicht professionell in einen Sport involviert sind? Auf der anderen Seite, denkst du, dass du etwas “verpasst“ haben könntest aufgrund deines straffen Wochenplans?

Ich denke ich habe, indem ich professionelle Sportlerin bin, schon viel gelernt. Ich weiß wie ich meinen Tagesablauf zu planen und habe und konsequent damit zu sein. Als Athlet muss man außerdem selbstbewusst sein, was auch ein großer Vorteil in anderen Lebenssituationen sein kann. Nicht zu vergessen sind die ganzen verschiedenen Kulturen, die man bei den Wettkämpfen in anderen Ländern, kennenlernt- da zahlen sich die unzähligen Stunden und der Stress definitiv aus!

Ich persönlich denke nicht, dass ich in meiner Jugend etwas so wirklich verpasst habe. Ich habe nie wirklich viel mit meinen Klassenkameraden gemacht, da sie nicht wirklich verstanden, was es heißt professionelle Sportlerin zu sein. Wie dem auch sei, fast all meine engsten Freunde waren auch Kletterer und Mitglieder im österreichischen Jugendnationalkader. Ich konnte den nächsten Trainingslehrgang oder Wettkampf und die schöne Zeit, die ich dort mit meinen Freunden haben würde, immer kaum erwarten!

Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass manche jungen Sportler das Gefühl haben, so etwas wie Ausgehen oder Freunde treffen, zu verpassen. Meiner Meinung nach sollten sie sich im Hinterkopf behalten, dass Sport/ Klettern nicht alles ist und wenn sie wirklich wollen, dann können sie immer bisschen Zeit finden Aktivitäten neben dem Klettern nachzugehen.

Wer hat dich am meisten unterstützt und hattest du ein Vorbild, das dir geholfen hat all deinen Verpflichtungen gerecht zu werden?

Meine größte Unterstützung kam (und kommt immer noch) von meinen Eltern, die mich oft gesichert haben oder mich in andere Kletterhallen gefahren haben. Meine Mutter ist nach wie vor eine Art “Manager” für mich.

Aber auch meine Trainier und Trainingskollegen haben mich unterstützt und mich enorm motiviert und sie hatten viel Einfluss darauf, wer ich heute bin.

Ich hatte viele Vorbilder als ich jünger war, aber mein größtes war wahrscheinlich Anna Stöhr. Ich bewunderte (und bewundere immer noch) ihren Kletterstil und ihre Sympathie, während sie eine der erfolgreichsten Kletterinnen ist. Bezüglich meiner Bildung ist das lustige, dass ich momentan die gleichen Fächer studiere, die sie auch studiert hat :-D

 

Laura Stöckler Steckbrief:

  • Geburtsdatum: 11.9.1999
  • Wohnort: Haag
  • Sektion: ÖAV Haag
  • Disziplin: Vorstieg, Bouldern, Speed, Kombination

Die größten Erfolge:

  • Junioren-Weltmeisterin in der Kombination 2017,
  • Jugendeuropameisterin Kombination 2017.

 

 

 

 

 

 

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