Die Spielregeln in der Vertikalen [Knotenkunde]

Die Verhältnisse passen, die Tour ist geplant und ihr seid bereit! Mit deinem Seilpartner möchtest du rauen Fels unter den Fingern spüren, dich Seillänge für Seillänge zum Gipfel vorarbeiten. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen: Vom Knoten bis zum Standplatzbau und dem Abseilen – fundiertes Alpinkletter-Know-How ist gefragt!

In diesem Artikel bringen wir dir elementares Wissen des Alpinkletterns näher. Dieses Wissen ist notwendiger Bestandteil einer jeden Seilschaft, um in eine alpine Tour einsteigen zu können. Themen wie die Knotenkunde, der Standplatzbau oder die Verwendung von Fixpunkten spielen eine zentrale Rolle. Am Gipfel angekommen seid ihr als Seilschaft keineswegs am Ende der Tour – im Gegenteil: Der Abstieg kann lang und mühsam sein. Da hier viele Fehler passieren, widmen wir dem Abseilen und dem Abstieg besondere Aufmerksamkeit.

Erst nachdem du und dein Seilpartner all diese Facetten des Alpinkletterns beherrscht, könnt ihr Fehler vermeiden, erkennen und rechtzeitig handeln.

Knotenkunde

Je nach Situation und Einsatzbereich verwenden Bergsteiger und Kletterer unterschiedliche Knoten.  Sportkletterer kommen in der Regel mit anderen und weniger zurecht als Alpinkletterer. In alpinen Wänden ist die sichere und schnelle Anwendung aller Knoten entscheidend, damit die Seilschaft funktioniert. Sie müssen blind beherrscht werden: im Notfall, in der Dunkelheit, bei Ermüdung oder unter Zeitdruck. Unwissenheit oder Nachlässigkeit kann zu fatalen Fehlern führen.

Insgesamt werden drei Knotenarten unterschieden: Anseilknoten, Verbindungsknoten und Sicherungs- bzw. Klemmknoten.

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Halbmastwurf

Der Halbmastwurf gehört zu den Sicherungsknoten und ist genau genommen kein richtiger Knoten, sondern eine Bremsschlinge. Er dient zum Sichern im Vor- und Nachstieg sowie zum Ablassen des Kletterpartners und „läuft“ am besten in einem birnenförmigen Halbmastwurfsicherungs-Karabiner (HMS-Karabiner).

Mastwurf

Der Mastwurf gehört zu den Sicherungsknoten und ist der optimale Knoten für die eigene Selbstsicherung am Stand. Er wird mit einem Verschlusskarabiner in den Zentralpunkt des Standplatzes angebracht. Die Länge des Mastwurfes kann exakt eingestellt und schnell angepasst werden: Hierzu den Mittelsteg des Knotens aufziehen und das Seil in die gewünschte Richtung verschieben. Ein lästiges Aufknoten bzw. ein Auflösen der Selbstsicherung entfällt.

Achter

Beim Anseilen und Einbinden hat sich der Achterknoten in gesteckter Form als Standardanseilknoten etabliert. Er wird beim Sport- und Alpinklettern verwendet.

Wichtig: Zum Schluss wird der fertige Knoten an allen Strängen noch einmal festgezogen und kontrolliert!

Sackstich

Der Sackstich dient als Verbindungsknoten: Er verbindet zwei Seilenden miteinander und wird vor allem bei geringen Lasten im Bereich des Körpergewichts (abseilen, hochprusiken) oder bei Knoten, die aus der Kletterstellung angebracht werden müssen, (Sanduhr, Knotenschlinge) empfohlen. Obwohl er insgesamt geringere Knotenfestigkeit aufweist, reicht er mit langen Enden für diese Belastungen vollkommen aus.

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Ankerstich

Der Ankerstich ist zum einen ein schneller, einfacher Knoten zur Verbindung von Bandschlingen. Zum anderen können mittels Ankerstich Schlingen an Bäumen fixiert oder eine Selbstsicherungsschlinge am Gurt und in Karabinern angebracht werden.

Vorsicht: Verbindungsknoten wie der Ankerstich sind empfindlich, wenn sie unter Last am Fels aufliegen und scheuern, z.B. beim Verlängern von Toprope-Umlenkungen über Felskanten. Bandmaterial kann so schnell beschädigt werden!

Prusik

Der Prusikknoten ist ein Klemmknoten, der mitunter als Aufstiegshilfe am Seil dient: Unter Entlastung lässt er sich verschieben, bei Belastung klemmt er am Seil. In alpinen Wänden wird der Prusikknoten am häufigsten zur Selbstsicherung beim Abseilen benutzt. Eine Reepschnur wird – abhängig von der Seildicke – zwei- bis dreimal um beide Stränge geschlungen. Beim Abseilen schiebt der Kletterer den Knoten mit. Der Prusik dient so als Sicherung für den abseilenden Kletterer. Üblicherweise wird für einen Prusikknoten eine 5-6 mm dicke Reepschnur – am besten aus Kevlar oder Dyneema – verwendet.

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Bandschlingenklemmknoten

Der Bandschlingenklemmknoten ist eine Alternative zum Prusik, die allerdings nur in eine Richtung optimal hält und in die andere verschoben wird. Dieser Knoten ist besonders für Bandmaterial geeignet, da selbst schmale Schlingen so optimal klemmen.

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Doppelter Bulin

Am Standplatz braucht der Kletterer einen zentralen Punkt, in welchen die Karabiner zur Selbst- und Partnersicherung eingehängt werden. Als Zentralpunkt kann das „weiche Auge“ dienen. Das „weiche Auge“ wird mit einem doppelten Bulin gelegt und belastet das Bandmaterial wenig. Gleichzeitig besitzt es eine sehr hohe Festigkeit und zieht sich unter Belastung nicht zu. In der Regel wird das „weiche Auge“ mit einer 120 cm Bandschlinge vor der Tour hergerichtet. Während des Kletterns ist die mit zwei Verschlusskarabinern versehene Bandschlinge immer griffbereit.

Übersicht und Anleitung aller Knoten