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Nachruf: Abschied von Steffen Kern (1970–2026)

16. April 2026  in Stories

Nachruf: Abschied von Steffen Kern (1970–2026)
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  • Klettern

Die Kletterszene verliert eine ihrer markantesten Stimmen, einen scharfsinnigen Beobachter und einen treuen Freund. Am 4. April 2026 ist Steffen Kern nach schwerer Krankheit verstorben. Er hinterlässt eine Tochter und eine Ehefrau und eine Lücke, die am Fels, von Västervik über Stuttgart bis in die Rocklands tief zu spüren sein wird.

Von der Ostalb in die großen Wände

Steffen, 1970 am Fuße der Ostalb geboren, war ein Kind der Berge. Erst 1991 tauschte er zum Ende seines Zivildienstes den Tennisschläger samt Schweißband gegen Seil und Chalkbag und begann seine kletterische Laufbahn am Rosenstein sowie im Eselsburger Tal. Darauf folgten zwölf Jahre im Alpinen, in denen er bevorzugt „Pause-Routen“ und große Wände in Angriff nahm. Bevor er schließlich die Welt der Blöcke für sich entdeckte, war er so bereits zu einem versierten Alpinisten gereift, der rund 200 Routen in Fels und Eis zwischen Gesäuse und der Dauphiné verbuchen konnte.

Die „vertikale Verwandlung“ und die Elite

Im Jahr 2003 vollzog sich seine „rasant voranschreitende vertikale Verwandlung“: Ein Trip in den Magic Wood im Schweizer Averstal infizierte ihn endgültig mit dem Boulder-Virus. Er tauschte das Seil gegen die Matte und fand schnell Anschluss an die damalige Elite der Szene. Aus Begegnungen mit Größen wie Bernd Zangerl und Fred Nicole entwickelten sich enge Freundschaften.

Mit seinem Bildband „Block’n’Road“wurde er schließlich zu einer Art Chronisten der Bewegung.  Das Buch war weit mehr als eine Sammlung von Fotos; es war das Ergebnis einer achtwöchigen, 8.000 Kilometer langen Reise durch den Südwesten der USA im Jahr 2009. Steffen genoss dabei die radikale Freiheit des Alleinreisens – das Schweben zwischen Raum und Zeit, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Das Reisen war einer seiner lang gehegten Wünsche damals und etwas, das er mit Feuer im Herzen und Glitzern in den Augen auch Jahre danach in Indien verfolgte. 

Chronist mit Duden und Kamera

Steffen arbeitete seit 2002 als Redakteur beim Magazin klettern in Stuttgart. Er war ein Magister der Rhetorik, der Adorno und Annapurna ebenso mühelos zusammenbrachte wie Kant und Klettern. Seine Texte in „Block’n’Road“ entstanden ursprünglich als „Tagebücher“ in Form von Rundmails an Freunde – oft rustikal gelayoutet und bis zu 41 Seiten stark. Seine Kamera war dabei fast immer im Einsatz: am Fels, am Feuer, auf Partys oder am Tresen.

Wer Steffen kannte, wusste um seine Ecken und Kanten, aber auch um sein großes Herz. Er war die enzyklopädische Instanz für Klettergeschichte, und da mussten sich auch die ganz Berühmten der Everest-Geschichte einen Vortrag anhören – sehr zur Belustigung aller Anwesenden. Und ebenso leidenschaftlich wie die Kletterhistorie verteidigte er die deutsche Rechtschreibung. Randnotiz: Seine regelmäßigen Anrufe bei uns, in denen er unsere orthografischen Fehltritte rügte, bleiben unvergessen.

Ein Leben zwischen „Hölle“ und „Erhabenheit“

Ob bei politischen Debatten am legendären „Palast der Republik“ in seiner Wahlheimat Stuttgart, bei ausschweifenden Partys auf der Outdoor-Messe oder Balkonsessions in Nobelhotels – Steffen war präsent. Er suchte stets das Authentische. In Indien blickte er mit unbestechlicher Klarheit auf die Welt, spendete Geld für Sterbepilger in Varanasi und genoss gleichzeitig die „perfekte Schönheit“ des Taj Mahal.

Allein zu reisen bedeutet aber vor allem: Wenn du willst, verfügst du allein über Zeit, Raum und Kommunikation. […] Du lebst, fühlst und denkst intensiver.

Steffen Kern hat intensiv gelebt, gefühlt und gedacht. Wir verlieren einen Weggefährten, der uns gelehrt hat, die Welt – und die Grammatik – mit wacheren Augen zu sehen.

Mach’s gut, Steffen. Phir milenge – wir sehen uns wieder.
Ese, Gerhard und die Redaktion von kletterszene

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Sebastian Eiden