Zwei mal Gold in Seoul 2025 | Historische Medaillenausbeute bei der Paraclimb- Weltmeisterschaft

Die WM in Seoul ist das Saison-Highlight im internationalen Wettkampfkalender. Die Paraclimber*innen eröffneten mit Medaillen Entscheidungen die harte Wettkampfwoche – und das deutsche Team feierte einen seiner größten Erfolge überhaupt. Mit insgesamt fünf Medaillen zählt die DAV-Mannschaft zu den erfolgreichsten Nationen dieser WM. In den kommenden Tagen stehen noch die Lead- und Boulderwettkämpfe auf dem Programm.

So erfolgreich wie nie zuvor kehren die deutschen Para Kletter*innen von den Weltmeisterschaften aus Seoul (Südkorea) zurück. Das Team von Trainer Christoph Reichert bewies Nervenstärke in den Finals und gewann insgesamt fünf Medaillen. Routinier Kevin Bartke und Youngster Rosalie Schaupert krönten sich zu Weltmeister*innen in ihrer Startklasse, Korbinian Franck freute sich über Silber und Luisa Grube sowie Philipp Hrozek holten Bronze.

Die Stimmung im deutschen Team war ausgezeichnet nach dem zweiten und letzten Tag der Final-Wettkämpfe. Denn auch die als letzte Deutsche startende Rosalie Schaupert sicherte sich eine Medaille und baute die Ausbeute auf fünf Edelmetalle aus.

Es sind ganz eindeutig die erfolgreichsten Weltmeisterschaften, die wir bisher hatten,

freut sich Cheftrainer Christoph Reichert.

Mit 18 Kletter*innen war das deutsche Team in Seoul angetreten, sechs davon schafften es in der umkämpften Qualifikation bis in die Finals – ein sehr entscheidender Schritt. Denn in den meisten Endrunden nahmen nur noch drei bis vier Starter*innen teil.

Einige haben den Einzug ins Finale leider knapp verpasst, was für diejenigen natürlich erstmal eine große Enttäuschung war. Insgesamt sind wir mit sechs Finalteilnehmern und fünf Medaillen aber auf jeden Fall sehr zufrieden,

betont Reichert

Auch bei den erfolgreichen Kletter*innen gab es in der Qualifikation den ein oder anderen ungewohnten Wackler. So erreichten auch die späteren Medaillengewinnerinnen Luisa Grube (B2) und Rosalie Schaupert (AU3) nur sehr knapp dass Finale.

Dort zeigten die beiden eine klare Leistungssteigerung und hielten dem Druck stand. Das Mental-Training des deutschen Teams in der Vorbereitung scheint somit Früchte getragen zu haben. Luisa Grube – die erst vor zwei Jahren vom Para Ski alpin zum Para Klettern wechselte schaffte es bis zu Griff 37. Nur die US-Amerikanerin Seneida Biendarra kletterte höher, die Österreicherin Linda Le Bon erzielte das gleiche Ergebnis wie Luisa Grube. Jetzt holte die durchwachsene Qualifikation Grube doch noch ein. Denn bei Gleichstand im Finale wird das Ergebnis aus der Qualifikation herangezogen, um über die Platzierungen zu entscheiden. So holte Linda Le Bon Silber, für Luisa Grube war die Bronzemedaille trotzdem ein tolles Ergebnis bei ihren ersten Weltmeisterschaften.

Doppelte Gold-Premiere

Rosalie Schaupert hatte trotz ihres jungen Alters schon vor Seoul WM-Erfahrungen gesammelt. Bei der WM 2023 musste sie – damals als 17-Jährige – jedoch noch zusammen mit der Startklasse RP3 antreten und schaffte es nicht aufs Podium.

Man hat bei Rosalie schon immer gesehen, wie viel Potenzial sie hat. Jetzt, da es den Wettkampf nur in der AU3-Klasse gab, hat sie sich verdient den Titel geholt,

berichtet Christoph Reichert.

Die 19-Jährige lag mit 40 Zügen deutlich vor der zweitplatzierten Slowenin Manca Smrekar (28 Züge) und gewann nach Gold bei der EM im letzten Jahr nun auch zum ersten Mal Gold bei einer WM.
Kevin Bartke (AU2) kann dagegen schon einige Medaillen in seiner Sammlung vorweisen – nun wurde er aber zum ersten Mal Weltmeister.

Kevin ist ein sehr stabiler Kletterer, der fast nie Fehler macht. Oft war er sehr nah dran an einer Goldmedaille. Dass es jetzt geklappt hat, freut uns umso mehr,

sagt Christoph Reichert.

Der Blick geht bereits zur kommenden WM – und Richtung Los Angeles 2028

Neben Kevin Bartke war auch Korbinian Franck (RP1) bei den vergangenen Turnieren ein Garant für Edelmetall. Diese Serie setzte der 36-Jährige auch in Seoul mit einer Silbermedaille fort. Nachdem er die Saison 2023 wegen eines Bandscheiben-Vorfalls komplett aussetzen musste, meldete er sich schon 2024 mit starken Auftritten eindrucksvoll zurück und zeigte nun, dass er eindeutig wieder Teil der Weltspitze ist. „Korbinian lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und trifft auch unter großem Druck immer die richtigen Entscheidungen“, lobt Reichert. Das galt in Seoul ebenfalls für Philipp Hrozek (RP2), der nach EM-Bronze im letzten Jahr nun auch Dritter bei der WM wurde. Den Patzer seines Konkurrenten Benjamin Mayforth (USA) nutzte er durch eine konzentrierte Leistung aus und sicherte sich so den Platz auf dem Podium. Lena Schöllig (RP3) verpasste als Vierte in ihrem Finale eine Medaille hingegen knapp, kann als Debütantin mit ihrer Platzierung aber dennoch zufrieden sein.

Generell fällt das Fazit für Christoph Reichert äußerst positiv aus:

Viele Dinge sind sehr gut für uns gelaufen. Bei vergangenen Wettkämpfen haben oft Kleinigkeiten zu noch mehr Erfolgen gefehlt, jetzt war alles passend bei dieser WM.“

Das sorgt für einen erfreulichen Ausblick in die Zukunft, wie etwa in Richtung der nächsten Weltmeisterschaften 2027 in Brno (Tschechien). Die große Besonderheit: Dann können erstmals Startplätze für die Paralympics 2028 gesichert werden, zumal Para Klettern in Los Angeles paralympische Premiere feiern wird.

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Video-Link: https://www.youtube.com/live/1iCH61vjegg?si=uhQjsXzlInvlWfu_
  • Credits Text Paul Foreman / DBS, Kletterszene.com
  • Credits Fotos Jan Virt/KAF
  • Beitragsdatum 26. September 2025