Toby Roberts und Janja Garnbret gewinnen den Boulder Weltcup in Innsbruck

Emotional und spektakulär war der letzte Boulder-Weltcup der Saison, der vor grandioser Kulisse und einem frenetischen Publikum in Innsbruck über die Bühne ging. Bei den Herren feierte Toby Roberts ein Comeback, bei den Damen war es erneut die Queen, Janja Garnbret, die die starke Konkurrenz in beeindruckender Art und Weise dominierte.

Herren

Er hatte bislang eine schwierige Saison: Der Brite Toby Roberts, Olympiasieger von Paris 2024, kam nicht wirklich in den Wettkampf rein, er haderte – und schrieb auf Insta offen über seine Probleme, mit dem Druck und Erwartungen umzugehen. Er fühle sich nicht wie er selbst beim Klettern. Beim Weltcup in Bern landete der 20-Jährige noch auf Platz 51, vor Innsbruck kündigte er dann an, noch einmal alles zu geben. Und das gelang ihm auch, er schaffte das Comeback und holte sich nach einem fesselnden Finale, zu dem trotz strömenden Regens viele begeisterte Zuschauer kamen, seine erste Medaille in dieser Saison – und die gleich in Gold. Als er ganz oben auf dem Treppchen stand, schien er es noch selbst gar nicht zu glauben. 

This season has been quite hard, but going into this event I wanted to give everything, and to be honest I’m a little bit starstruck. I’m just so happy. I definitely struggled a bit post-Olympics, and when I started the season it hit me and I started to feel quite bad. I just wanted to go out there and climb the way I know I can. This competition has been incredible, I enjoyed every moment and to get away with a gold medal doesn’t even feel real, 

sagte Toby nach der Siegerehrung.

Das Finale bot abgefahrene, teilweise brutal geschraubte Boulder, die das ganze Spektrum abfragten – von plattig, koordinativ hin zu extrem kraftlastig. Sorato Anraku (Japan) lag nach dem Halbfinale noch auf Platz 1, er war im Finale also der letzte Starter. Der Beginn lief für ihn noch optimal, er holte sich im ersten Boulder die Zone, den zweiten Boulder toppte er und hielt auch im dritten den Schlussgriff in den Händen. Toby hatte im ersten und zweiten zwar nur die Zone, den dritten und vierten dann aber geflasht. Die Entscheidung über den Sieg fiel also im allerletzten Boulder und zunächst sah es für Sorato noch gut aus: Die Zone holte er sich locker im ersten Versuch – der letzte Zug gelang dem 18-Jährigen dann aber nicht mehr und er landete mit nur 0,2 Punkten Rückstand auf Platz 2. Bronze holte sich Hannes van Duysen. Für den 20-jährigen Belgier war es die dritte Weltcup-Medaille in seiner Karriere. Der Österreicher Nicolai Uznik, der vom heimischen Publikum begeistert gefeiert wurde, stand im Finale auch auf der Matte, er belegte Platz 8. Bester Starter vom Climbing Team Germany war Elias Arriagada Krüger (Platz 53).

Im Gesamtweltcupranking beim Bouldern belegt Sorato Anraku Platz 1 (5300 Punkte), gefolgt von dem Franzosen Mejdi Schalck (4145 Punkte) und dem Japaner Sohta Amagasa (3240 Punkte).

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Video-Link: https://youtu.be/ebFPNuNYtLE?si=O_YWsBpxq-KAJkYl

Damen

The Queen is back. Janja Garnbret kam, boulderte – und siegte. In den beiden Vorrunden lief es noch etwas holperig für die Slowenin, die in Innsbruck in diesem Jahr ihren ersten Start auf der internationalen Wettkampfbühne hatte. Sie schien sich mit dem Wettkampfstyle erst wieder anfreunden zu müssen, einige Male landete sie unsanft auf der Matte, einmal prallte sie dabei nach einer Rutschpartie quer über die Matte mit einem IFSC-Offiziellen zusammen – es ging für beide gut aus. Nach der Quali lag Janja noch für sie ungewohnt auf Platz 5, nach dem Halbfinale mit „nur“ zwei Tops und einer Zone auf Platz 4. Annie Sanders (USA) lag mit drei Tops und einer Zone nach dieser Runde auf Platz 1, gefolgt von Anon Matsufuji (Japan) und Giorgia Tesio (Italien). Im Finale dann aber brillierte Janja erneut, sie zeigte, welch große Ausnahmeathletin sie ist. Sie dominierte die starke Konkurrenz, als einzige der acht Finalistinnen holte sie sich fast spielerisch alle vier Tops (99,3 Punkte) und damit ihre 47. Goldmedaille bei einem Weltcup.

It feels amazing. I didn’t know how I would feel coming back, but this amazing Innsbruck crowd welcomed me back. I really enjoyed myself on the wall, had a bit of a shaky start in qualification, then it felt 100% better in semi-final, and now I felt like my old self in final. I really enjoyed being back.a

You never forget how to compete, but being back after nine months, in the middle of the season, was not the easiest thing. I had a lot of doubts: ‘Am I ready? Am I not? Am I even motivated?’ But I’m so glad I came back, I enjoyed it so much,

sagte Janja nach dem Wettkampf.

Die in dieser Saison sehr stark kletternde Oriane Bertone gewann mit zwei Tops und zwei Zonen (69,8 Punkte) Silber, Anon Matsufuji mit zwei Tops und einer Zone (59,5 Punkte) Bronze. Es war die zweite Weltcup-Medaille in der Karriere der 21-Jährigen, 2023 gewann sie schon einmal Bronze in Hachioji. 

Beste Starterin vom Climbing Team Germany war Anna Maria Apel (Platz 23), beste Österreicherin Lea Kempf (Platz 41).

Den Gesamtweltcupsieg beim Bouldern holte sich die Französin Oriane Bertone (4375 Punkte), auf Platz 2 die Japanerin Mao Nakamura (3480 Punkte) und auf Platz 3 mit 3290 Punkten Annie Sanders (USA).

Ergebnisses des IFSC Boulder Weltcup in Innsbruck 2025:

Herren:

1 Toby ROBERTS • GBR
2 Sorato ANRAKU • JPN
3 Hannes VAN DUYSEN  • BEL

4 Maximillian MILNE • GBR
5 Dohyun LEE  • KOR
6 Mejdi SCHALCK • FRA
7 Sohta AMAGASA • JPN
8 Nicolai UZNIK  • AUT
9 Anze PEHARC • SLO
10 Lukas MOKROLUSKY • CZE

33 Raffael GRUBER  • AUT
33 Michael O’NEILL  • IRL
35 Julien CLÉMENCE  • SUI

37 Levin STRAUBHAAR • SUI

41 Jan-luca POSCH • AUT
43 Hyunseung NOH • KOR
43 Timo UZNIK  • AUT

53 Elias ARRIAGADA KRÜGER • GER
53 Louis GUIGNARD  • SUI

63 Julian WIMMER • AUT
63 Tim WÜRTHNER • GER

70 Andreas HOFHERR  • AUT

75 Lucas TRANDAFIR  • GER

79 Ilja AUERSPERG  • AUT
79 Nicolas COLLIN  • BEL
79 Paul HAIDER  • AUT
79 Julian SCHRITTWIESER  • AUT

93 Timo OSSIG • GER

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Damen:

1 Janja GARNBRET  • SLO
2 Oriane BERTONE  • FRA
3 Anon MATSUFUJI  • JPN

4 Camilla MORONI
5 Mao NAKAMURA  • JPN
6 Annie SANDERS  • USA
7 Melody SEKIKAWA • JPN
8 Giorgia TESIO • ITA
9 Zélia AVEZOU  • FRA
10 Ayala KEREM  • ISR

22 Sofya YOKOYAMA • SUI
23 Anna Maria APEL  • GER
24 Kaho MURAKOSHI  • JPN
25 Fanny GIBERT • FRA
25 Afra HÖNIG  • GER

31 Hannah MEUL • GER

36 Alma BESTVATER  • GER

41 Lea KEMPF • AUT

47 Florence GRÜNEWALD • GER
47 Roxana WIENAND • GER
50 Lena SCHRITTWIESER • AUT
51 Sandra LETTNER  • AUT

59 Katharina BERGMANN • AUT
59 Marilu SOMMER  • SUI
59 Francesca WALTHER  • SUI

67 Ariane FRANKEN  • AUT

69 Sina WILLY  • AUT

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Video-Link: https://youtu.be/rIJ_WpkaBEY?si=3Xyd0c_PbHSJuVIZ
  • Credits Text Gudrun Regelein f. Kletterszene.com
  • Credits Fotos ©️ Lena Drapella/IFSC
  • Beitragsdatum 29. Juni 2025