Jakob Schubert und Kim Jain gewinnen den Lead Weltcup in Changzhi, China [Ergebnisse, Bericht]

Thomas „Shorty“ Tauporn ist ja nicht wirklich ein großer China-Fan, das konnte man letztes Mal schon rauslesen, aber auch diesmal war es nicht wirklich besser, so schreibt Thomas zu der Fahrt von der Wettkampfstätte zurück ins Hotel:

Wenn man allein die Autos und sonstige Fahrzeuge anschaut, die dort rumfahren erkennt man sofort, dass es in China eigentlich nur zwei Volkschichten gibt. Stinkreich und bettelarm. Da steht ein dicker Lexus oder Buick neben einem VW Santana (Taxi), der sich im Übrigen seit neustem in Deutschland Oldtimer nennen darf. Ein aufgemotzter BMW X6 neben einem Eselkarren. Während die einen im Geld nur so schwimmen, kratzen die anderen das Essbare vom Boden in den Slums auf.

Ebenso fraglich ist die medizinische Versorgung, die uns schon seit letztem Jahr Sorgen macht, denn die Wettkämpfe sind nicht in Metropolen wie Peking, Honkong oder Shanghai, sondern mitten in der Provinz, wo Hygiene ein Fremdwort ist und ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Krankenhaus anders ausschaut wie die Fleischtheke im Supermarkt (und die war wirklich schlimm). Das ist auch mein Hauptkritikpunkt an Wettkämpfen in China und darüber sollte sich vielleicht auch mal die IFSC Gedanken machen. Wahrscheinlich endet ein gebrochener Arm dort in einer Amputation, eine Lappalie kann zum lebensbedrohlichen Problem werden und wer glaubt ich übertreibe, der irrt.

Am Dienstagabend gab es, wie auf jedem Weltcup in Asien, ein Welcome-Dinner, das sich Thomas aber schon  nach der WM damals in Xining abgewöhnt hat, verständlich nachdem ein Teller, garniert mit einem kleinen süßen, frittierten Vogelkopf kam, verlies er dann auch entgültig das  Buffet. Wenn ihr mehr über das drumherum von Wettkämpfen lesen möchtet, legen wir Euch den Blog von Shorty ans Herz. Es dauert zwar immer zwei bis drei Tage, bis ein neuer Artikel online ist, aber die sind dann doch sehr empfehlenswert.

Aber genug von den persönlichen Eindrücken des Herrn Tauporn. Es ging ja auch noch um sportliche Höchstleistungen.  Fangen wir mit dem Überflieger dieser Weltcup-Saison an. Jakob Schubert macht dieses Jahr den Eindruck, dass an ihm kein vorbei kommen ist. Denn der junge Österreicher gewann nach Chamonix, Briancon, Xining und nun auch in Changzhi den Weltcup. Was aber keinen wundert, wenn man seine Wettkapmfbilanz seit 2010 ansieht: Von zwölf Wettkämpfen in den beiden Saisonen stand er nur zwei Mal auf dem bronzenen Treppal, der Rest war Silber oder Gold. Des ist mal ’ne konstante Leistungskurve!

Dass für Shorty China kein Traumland ist kann man nach sportlichen Aspekten nicht so ganz nachvollziehen. Dort holte er die besten Ergebnisse der Saison ab. Letztes Jahr wurde er in Huaiji dritter und über den sechsten Platz vor einer Woche in Xining kann man auch nicht jammern. Zumal in  Changzhi jetzt auch noch der vierte Platz rauskam. Man sollte noch erwähnen, dass Thomas nur wegen des Halbfinal-Ergebnisses auf dem undankbaren Platz gelandet ist. Er flog ab als er Griff 35 festhalten wollte und der Drittplatzierte Sachi Amma konnte noch von Griff 36 wegziehen. Beim nächsten Mal klappt’s aber sicher mit dem Stockerl! Aus DAV- und ÖAV-Sicht war noch Mario Lechner am Start war und ergänzte die beiden guten Ergebnisse von Jakob und Shorty mit dem siebten Platz.

Irgendwie haben wir schon a wen’g Mitleid mit den Routenschraubern. Bei den Frauen ist der Leistungsunterschied schon deutlich größer als bei den Männer. Und am Schluß klettern die Top-3-Mädels auch noch besser als die Schrauber selbst. [was die zur Zeit wegdrücken, wunder uns gar nix mehr …] In Xining war es schon knapp und Kim Jain hat Siegesluft geschnuppert.  Wenn da nicht noch die starke Mina Markovic wäre, hätte Kim auch nach Chamonix  ihren dritten Welcupsieg in dieser Saison feiern können.  Wobei, feiern konnte sie in Changzhi auch, nur musste sie das Podest mit Mina teilen.

Es freut uns aber auch, das Maja Vidmar wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden hat. Maja erging es beim letzten Tourstop ähnlich wie Kim Jain in Xining. Die erste Qualiroute versaute ihr den Platz auf den obersten Medaillenrang. Aber es hat auch Vorteile! Wir bezweifeln, dass alle drei auf dem kleinen Podest Platz gehabt hätten.

Ergebnis Männer Lead:

1 Schubert Jakob 1990 AUT
2 Julian Puigblanque Ramón 1981 ESP
3 AMMA Sachi 1989 JPN
4 Tauporn Thomas 1991 GER
5 Romain Manuel 1988 FRA
6 Min Hyunbin 1989 KOR
7 Lechner Mario 1991 AUT
8 Desgranges Romain 1982 FRA
9 MATSUSHIMA Akito 1982 JPN
10 Chernikov Mikhail 1985 RUS
10 Supper Gauthier 1990 FRA

36 Hung Jau Shiuan 1974 TPE

Ergebnis Damen Lead:

1 Kim Jain 1988 KOR
1 Markovic Mina 1987 SLO
3 Vidmar Maja 1985 SLO
4 Han Seuran 1992 KOR
5 Durif Charlotte 1990 FRA
6 Chereshneva Yana 1989 RUS
7 Posch Katharina 1994 AUT
8 Schranz Christine 1988 AUT
9 Ciavaldini Caroline 1985 FRA
10 Bacher Barbara 1982 AUT

23 Lin Hsiu-Ju 1993 TPE

Text: kletterszene.com Quelle: IFSC

Kommentare

  1. David | | Antworten

    schade. wirklich schade.
    vor allem wenn man bedenkt, welches image sich die kletterszene zu geben versucht (und das in weiten teilen auch zutrifft).
    und dann kommt der hinweis auf den wirklich lesenswerten blog von thomas tauporn. vllt zum falschen zeitpunkt? denn dort muss man ziemlich jämmerliches lesen.
    stinken tuts in china. und unhygienisch ist es. gliedmaßen werden bei brüchen bestimmt amputiert, da es in den unzivilisierten städten ja keine leute gibt, die ahnung von medizin haben. überhaupt – völlig unhygienisch und stinkend (hab ich das schon mal „zitiert“?).
    thomas tauporn würde ich an dieser stelle empfehlen lieber nicht zu schreiben, wenn der blick über den eigenen tellerrand so völlig verstörend wirkt.
    ich hab mich beim lesen fremdgeschämt, denn selten hab ich jemanden so abschätzig und unwissend von einer fremden kultur schreiben sehen, wie der junge athlet es tut.
    sein alter dient ihm an dieser stelle als eine art entschuldigung, denn er kann sich ja noch dahingehend entwickeln, dass er das fremde nicht mehr unbedingt als das schlechte sieht. thomas tauporn ist im realen leben gewiss ein sympathischer und super netter mensch (ich kenne ihn ja nicht persönlich), aber mit seinen beiträgen zu china hat er bei mir und bestimmt auch einigen anderen kein besonders gutes bild hinterlassen.
    wie gesagt: schade. wirklich schade, dass gerade diese beiträge als besonders lesenswert herausgehoben wurden.

  2. Nummm | | Antworten

    Naja ich glaub die Chinesen wußten schon wie man mit Brüchen und schlimmerem umzugehen hat als wir noch nicht mal wußten wie man geradeaus läuft.. und abgesehen davon könnte ich mir vorstellen, dass ich heute bei einem Armbruch eher wegen multiresistenten Keimen oder sonstigen Zeug in einer ach so fortschrittlichen Klinik in Deutschland den Arm verliere, als bei einem Dorfschamanen in China.. =)

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