Investigativrecherche der Sportschau Personalentscheidungen im Trainerstab: Konflikt zwischen Athlet*innen und DAV spitzt sich zu
10. Juni 2026 in News
- Wettkampf
Frust, Unverständnis und Hilflosigkeit: Dieses Bild zeichnet sich ab, wenn es um die aktuelle Stimmung der Athletinnen und Athleten im Wettkampfklettern beim Deutschen Alpenvereins (DAV) geht. Das zeigt eine Investigativrecherche der ARD-Sportschau, veröffentlicht am 10. Juni. Im Fokus der Kritik stehen zwei Entscheidungen des DAV bei der Besetzung des Trainerstabs in den Disziplinen Lead und Speed.
Umstrittene Personalentscheidungen im Lead & Speed-Trainerstab
Die Veröffentlichung des investigativen Berichts ist zwar brandaktuell, aber neu ist der Konflikt zwischen Athlet*innen und dem DAV nicht. Konkret geht es um zwei Personalien, die jeweils 2024 und 2025 stattgefunden haben.
Die erste Personalentscheidung betrifft die Beförderung des ehemaligen Lead-Bundestrainers beim DAV, Ingo Filzwieser. Die Recherche der Sportschau legt offen, dass es spätestens 2023 Beschwerden von Athlet*innen über den damaligen Bundestrainer Filzwieser gegeben habe. Er soll als Trainer massiv auf Athlet*innen eingewirkt haben, um ihr Gewicht zu reduzieren – der ARD liegen dazu interne Mails von betroffenen Sportler*innen vor. Daraufhin wurden Filzwieser zunächst Kompetenzen als Trainer entzogen. 2024 wurde er dann plötzlich zum Sportmanager befördert – eine Entscheidung, die viele Athlet*innen nicht nachvollziehen können. Etwa Sebastian Halenke und Linus Bader, die die Beförderung gegenüber der Sportschau scharf kritisierten. Filzwieser selbst bestreitet die Vorwürfe der Athlet*innen aus dieser Zeit über seine Medienanwälte.
Die zweite Personalie, die zuletzt bei den Athlet*innen für Unmut sorgte, ist die Entlassung des langjährigen Speed-Bundestrainers Peter Schnabel. Schnabel galt als sehr geschätzt im Kader und war maßgeblich an der Vorbereitung für Olympia 2024 beteiligt. Anfang 2025 sei Schnabel vom DAV fristlos gekündigt worden, heißt es im Bericht. Eine Begründung seitens des Verbands habe es nicht gegeben.
Enorme emotionale Auswirkungen auf die Beteiligten
Das Klima zwischen dem DAV und seinen Athlet*innen ist nicht nur von großem Frust geprägt, sondern auch von einem Gefühl der Einschüchterung. Nur wenige der betroffenen Sportler*innen hätten gegenüber der Sportschau öffentlich über das Thema sprechen wollen. Zu groß sei die Angst, bei Kritik Nachteile in der eigenen Karriere zu erhalten, heißt es im Bericht – etwa in Bezug auf Wettkampfnominierungen.
Auch in der Causa um Ex-Speed-Bundestrainer Peter Schnabel zeigt sich, wie sehr die Personalpolitik des DAV die Beteiligten emotional mitgenommen hat. Die Auseinandersetzung sei extrem schmerzhaft für ihn persönlich und für die Athlet*innen gewesen, so Schnabel. Schnabel selbst sagte der ARD gegenüber, er habe sich nach seiner Entlassung in therapeutische Behandlung begeben – wie auch einige der Athlet*innen.
Laut ARD endete die Kündigung von Schnabel vor dem Arbeitsgericht Bochum mit einem Vergleich zwischen Schnabel und dem DAV. Schnabel trainiert laut eigenen Angaben den Speed-Kader ohne Mandat und unentgeltlich weiter.
Es hapert an der Kommunikation
Es ist nicht das erste Mal, dass es unter dem Dach des DAV zu Ärger in einer olympischen Sportart kommt. Während der Olympischen Winterspiele im Februar 2026 hatten auch drei Athlet*innen aus dem Skimo-Kader öffentliche Vorwürfe gegen den Verband geäußert und sogar Strafanzeige gegen Funktionäre gestellt. Die Ermittlungen laufen derzeit noch – die drei Athlet*innen wurden daraufhin vom DAV informiert, dass sie nicht mehr für den Kader nominiert werden würden.
Warum kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen dem DAV und seinen Spitzensportler*innen? "Im Grunde hapert es an der Kommunikation", sagt Maxi Klaus, bis 2024 Lead-Bundestrainer und mittlerweile Nachwuchstrainer beim DAV in Kempten. Die interne Auseinandersetzung um Ingo Filzwieser hat er selbst miterlebt. Auch seine eigenen Erlebnisse aus dieser Zeit seien "alles andere als verarbeitet", sagt Klaus im Gespräch mit Kletterszene.com.
Obwohl die Berichterstattung über das Thema für viele Betroffene schmerzhaft und mit Ängsten verbunden sei, ist Maxi Klaus wichtig, dass sich etwas ändert – für die Athlet*innen und für das Klima im Verband. Dazu gehöre auch, dass Entscheidungen und Probleme transparent kommuniziert statt geschönigt werden. "Ich möchte klar sagen: Ich kämpfe nicht gegen den DAV, sondern für den DAV", so Klaus gegenüber Kletterszene.com. "Ich wünsche mir für die Zukunft eine gute Führung und einen guten Umgang mit jungen Menschen."
Externe Kanzlei soll Vorgänge aufklären
Der DAV äußerte sich nicht auf die Nachfragen der Sportschau und ging auch auf eine Interviewanfrage nicht ein. Gleichzeitig ist der ARD bekannt, dass der Verband vor wenigen Wochen eine externe Kanzlei mit der Untersuchung der internen Prozesse beauftragt hat. Konkret gehe es um "Vorgänge im Bereich Klettern, einschließlich Personal- und Führungsentscheidungen der Jahre 2023 - 2025".