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Vlodymyr Vasylyshyn: Ukrainischer Bergsteiger und Bergführer im Alter von 33 Jahren gefallen

Die Bergsteigergemeinschaft trauert um Vlodymyr „Vova“ Vasylyshyn, Bergführer, Alpinist und Sanitäter, der am 5. Januar 2026 im Krieg in der Ukraine ums Leben kam. Vasylyshyn wurde 33 Jahre alt.

Er war der Erste, der verwundete Kameraden evakuierte. Selbst wenn es sehr gefährlich war und andere es nicht tun wollten. Er war ein Mann der Tat, und als seine Brigade im Einsatz war, suchte er nach Möglichkeiten, näher an die Front zu kommen, um seine Kameraden retten zu können. Hunderte Ukrainer starben dort jeden Tag, und er wollte so viele wie möglich retten.

erzählte sein Freund und Kletterpartner Taras Pozdnii gegenüber Climbing.com

Pozdnii ist Leiter des renommierten ukrainischen Kuluar Tourist Club, einem Bergsteigerclub, in dem Vasylshyn 2018 als Bergführer zu arbeiten begann. Im Laufe der Zeit wanderten sie gemeinsam zum Everest-Basislager und bestiegen den Lobuche und den Kilimandscharo.

Wurzeln in den Karpaten

Vasylyshyn wuchs in Jaremtsche in der Westukraine auf – umgeben von den Karpaten, die seine Leidenschaft fürs Draußensein von klein auf prägten. Schon mit fünf Jahren nahm ihn seine Familie auf Wanderungen mit. Freunde erzählen, die Berge hätten für ihn stets eine besondere Wirkung gehabt: Wer sie betritt, verlässt sie verändert – ein Gedanke, der Vova sein Leben lang begleitete.

Als Bergführer war er bekannt für seine ruhige, verantwortungsvolle Art. Zu seinen Kund*innen und Kunden sagte er oft:

Ich kann Ihnen kein schönes Wetter garantieren, aber ich garantiere Ihnen Sicherheit, ein köstliches Abendessen, heißen Tee und gute Gesellschaft.

Neben dem Lobuche (6119m) bestieg Vova auch den Kasbek (5054m), den Mont Blanc (4805m) und verschiedene andere Gipfel. Laut Pozdnii war sein Lieblingsgipfel das Matterhorn (4478m). Sein größtes Ziel war der Manaslu (8163m) im Himalaya. Er hatte vor, den Manaslu im Jahr 2022 zu besteigen, trat jedoch stattdessen in die Armee ein, als Russland in die Ukraine einmarschierte.

Vova beschrieb diese Entscheidung gegenüber Freunden mit den Worten:

Vielleicht ist es völlig unklug oder sogar verrückt, in den Krieg ziehen zu wollen, aber was kann man tun, wenn die gesamte Zukunft davon abhängt?

Zwischen Front und Bergwelt

Auch während seiner Dienstzeit nutzte Vasylyshyn jede Gelegenheit, aktiv zu bleiben – er lief, kletterte und fuhr Ski, wann immer es möglich war. Am Tag seines Todes hatte er sich für eine Skibergsteiger‑Meisterschaft angemeldet.

Neben seiner Leidenschaft für die Berge spielte seine Frau Elina Shcherbakova die wichtigste Rolle in seinem Leben. 2025 erfüllten sie sich gemeinsam einen lang gehegten Wunsch und bestiegen den Mont Blanc. Nach seinem Tod teilte Elina Fotos dieser Tour auf Instagram, begleitet von den Worten:

Meine Welt, du bist fort. Ich liebe dich!

Vasylyshyn hinterlässt seine Frau, seine Kameraden sowie zahlreiche Freundinnen und Freunde in der ukrainischen Bergsteigergemeinschaft.

Ein Verlust, der die Szene bewegt

Taras Pozdnii richtet im Gespräch mit Climbing.com einen Appell an die internationale Klettergemeinschaft:

Ich möchte der gesamten weltweiten Bergsteigergemeinschaft sagen, dass der Krieg weitergeht. Jeden Tag sterben Ukrainer auf unserem Land – darunter auch Bergsteiger und Kletterer. Vergesst das nicht. Und unterstützt die Ukraine.

Vlodymyr Vasylyshyn ist einer von vielen Bergsteigern, die seit Beginn des russischen Angriffskrieges ihr Leben verloren haben. Die ukrainische Bergszene verliert mit ihm einen engagierten Alpinisten, einen verantwortungsbewussten Bergführer und einen Menschen, der für andere eingestanden ist – am Berg wie im Leben.

  • Credits Text Kletterszene.com
  • Credits Fotos Elina Shcherbakova
  • Beitragsdatum 4. März 2026