The Full Journey: Enrique Beltrán klettert seine erste 9b
Mit Enrique Beltrán hat The Full Journey (9b) in Margalef ihren vierten Begeher. Der Spanier klippte den Umlenker der Linie sturzfrei und steigt damit offiziell in den kleinen Kreis der 9b-Kletter*innen auf. Neben Alex Megos, Stefano Ghisolfi und Jorge Díaz-Rullo steht nun auch sein Name in der noch überschaubaren Tickliste der Route.
Eingerichtet wurde die Linie von Tom Bolger, der mit The Journey (9a) auch den unteren Teil der Kombination erstbeging. Schon dieser Auftakt ist alles andere als ein Warm-up: Margalef-typische Zwei-Finger-Löcher, viel Ausdauer und als i-Tüpfelchen ein weiter Zug in ein Ein-Finger-Loch machen schnell klar, in welche Richtung es geht, wenn man weiterklettern möchte. Nach einer Schüttelposition wartet dann die Crux-Stelle, die The Full Journey zu einer 9b werden lässt: boulderlastige Züge, ein heikler Deadpoint in ein Ein-Finger-Loch und zwei weitere schwere Züge, die kaum Raum für Fehler lassen.
Wie herausfordernd die Route ist, zeigte schon die Erstbegehung durch Alex Megos im Jahr 2022. Selbst für ihn, der den Klettersil in die Wiege gelegt bekommen hat, bedeutete die Linie sechs intensive Tage Arbeit. Dass Beltrán hier nun seine erste 9b einsammeln konnte, ist deshalb mehr als nur ein weiterer Haken hinter einer Zahl.
Die erste „echte“ 9b
Ganz neu ist der Kontakt mit diesem Grad für Enrique Beltrán nicht. Bereits im Sommer 2024 gelang ihm mit Ali Hulk extension total sit start eine Route, die gerne als 9b auf Ticklisten landet. Beltrán selbst wollte die Begehung wegen des verwendeten Kneepads allerdings eher als 9a+ verstanden wissen. Auch bei Mejorando Imagen, die er im Dezember kletterte, blieb er bewusst zurückhaltend: Während Erstbegeher Ramón Julián den Grad 9a vorschlug und Alex Megos 9b, ordnet Beltrán die Linie selbst eher bei 9a+ ein.

Ja, ich glaube, man kann sagen, dass es sich um meine erste 9b handelt. Ich habe nicht viele Vergleichsmöglichkeiten, aber im Vergleich zu den anderen Routen an der Wand könnte sie tatsächlich schwieriger sein. Um wie viel? Da bin ich mir nicht sicher. Aber wenn drei Größen wie Megos, Ghisolfi und Díaz-Rullo das glauben, dann wird wohl etwas dran sein.
so Enrique Beltrán zu der Bewertung von The Full Journey
Gewachsen an der Route
Begonnen hatte Beltrán sein Projekt bereits im März letzten Jahres, zunächst nur in der ersten Seillänge. Der Weg bis zur erfolgreichen Rotpunktbegehung war lang: Denn der spezifische Kletterstil in Margalef, die Belastung für Haut und Sehnen und der mentale Umgang mit den daraus resultierenden Rückschlägen sind Herausforderungen, an denen man arbeiten muss. Um den Kopf freizubekommen, sucht er sich zwischenzeitlich mit Perfecto Mundo (9b+) ein weiteres Projekt und sammelt genau die Erfahrung, die ihm nun an The Full Journey zugutekam. Er fühlte sich in der Margalef-Lochkletterei zunehmend wohler.
Für die aktuelle Saison war das Ziel deshalb klar gesetzt – und Beltrán bereit.
In dieser Saison war das mein Hauptziel. Ich habe im Januar und Februar ziemlich viel trainiert, um bereit zu sein, sobald der Regen aufhört – und genau so ist es gekommen. Ich glaube, ich habe inzwischen ein ausreichend hohes Niveau erreicht, sodass ich mich nicht mehr erst an den Routen verbessern muss, sondern von Anfang an gute Versuche machen kann. Diese Mentalität hat sich bei mir verändert, seit ich Mejorando Imagen geklettert bin.
Bemerkenswert ist dabei auch, dass Beltrán kein Vollzeit-Profi ist, sondern als professioneller Routenschrauber arbeitet. Seine Begehung von The Full Journey wirkt damit umso stärker – und dürfte kaum der letzte Eintrag in seine Tickliste gewesen sein, mit dem er in den kommenden Monaten auf sich aufmerksam macht.
Video-Link: https://youtu.be/QwjykRehg7M?si=Rz7-lSnN7UVSGo01