The Climb – Der Klettersport bekommt seine eigene Reality-Show

Vor kaum mehr als zehn Jahren war Klettern noch ein Nischensport, die Kletterszene eine Subkultur.

Berührungspunkte mit Hollywood gab es dennoch bereits seit 1993. Wolfgang Güllich jobbte damals als Stuntdouble für Silvester Stallone im US-Action Film „Cliffhanger“. 2019 wurde dann mit „Free Solo“ eine Dokumentation über diese Extremform des Kletterns mit dem Oscar für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

So nah dran Teil der Popkultur zu werden, wie mit der Reality-Show „The Climb“ war der Klettersport allerdings wohl noch nie.

Doch mal abgesehen davon, dass das aus den USA stammende Reality-Competition-Format der Serie hin und wieder in Sachen musikalischer Dramatik vielleicht ein kleines Bisschen übers Ziel hinaus schießt, und man ahnt, dass bei Geld- und Sachpreisen im Gesamtwert von 200 000 US-Dollar auch immer Marketing im Spiel ist: Die beiden Initiatoren des Projekts Jason Momoa und Chris Sharma machen glaubhaft deutlich, dass es hier vor allem darum geht, ihre gemeinsame Begeisterung fürs Klettern mit der Welt zu teilen.

Daran wird sowohl im Trailer zur Serie, als auch gleich zu Beginn der ersten von insgesamt acht Folgen kein Zweifel gelassen:

It’s so rooted in my soul, climbing, that good or not at it, doing it, it’s like, the thing that I love the most.

Jason Momoa

I think most people that go climbing, it fundamentally changes them on a deep level. And it changes how they view the world, changes how they view life.

Chris Sharma

Jason Momoa der die Show produziert und Chris Sharma waren bereits Kletterkumpel, bevor ersterer in Hollywood Fuß fasste. Der Schauspieler hält sich eher bescheiden im Hintergrund, soweit bei seiner hünenhaften Erscheinung eben möglich, und ist nur gelegentlich zu sehen. Wenn, dann betont er im Wesentlichen, was ihm am Klettern persönlich besonders viel bedeutet, oder bringt Bewunderung für die Leistungen seines Freundes Chris zum Ausdruck.

I think a lot of us climb for freedom and passion and for our souls.

Jason Momoa

Dass sich in der Kletterszene so ziemlich alles an Persönlichkeiten und Karrierewegen findet, zeigt sich auch im Feld der Teilnehmenden, das in vielerlei Hinsicht dem Zeitgeist entspricht. Geschlecht, Alter, Hautfarbe – nichts davon lässt hier irgendjemanden zum Außenseiter werden. Ganz im Gegenteil.

Alle zehn sind Amateurkletternde, vereinzelt mit Wettkampferfahrung, bis zum französischen Grad 7c+ im Klettern und zum Fontainebleau-Grad 8a im Bouldern unterwegs.
Viele Faktoren, die den Zuschauern die Identifikation mit den Protagonisten leichter machen.

Die kooperative Atmosphäre die viele von uns an unserem Sport so sehr schätzen ist fast durchgehend spürbar.

Es kommt beinahe das Gefühl auf, dass das Wettkampfformat der Serie nicht so recht gegen den Zusammenhalt der Teilnehmenden ankommt.

Selbst die Moderatoren Chris Sharma und Meagan Martin (Profi-Kletterin und American Ninja Warrior-Gewinnerin) scheinen in manchen Momenten eher zum Teil der Gruppe zu werden, als Jury zu sein.

Am Ende gewinnen vor allem die Ideale des Kletterns:

Gegenseitige Unterstützung, das Teilen von außergewöhnlichen Erfahrungen, Gemeinschaft, Scheitern, Wachstum, weise Entscheidungen im richtigen Moment, Seilschaft, der Kampf jedes und jeder Einzelnen gegen die Angst und der Sieg darüber, der gemeinsam gefeiert wird.

Verlierer gibt es hier keine. Außer vielleicht das amerikanische Kulturgut „Reality-Competition-Show“

Facts:

  • Streaming derzeit nur auf HBO Max in den USA, Eckdaten zur Veröffentlichung in Deutschland bisher nicht bekannt gegeben
  • Drehorte: Spanien, Jordanien
  • Produktion: Jason Momoa
  • Moderation: Chris Sharma, Meagan Martin
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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=wKUce1x-njY
  • Credits Text Hanna Rexer/ kletterszene.com
  • Credits Fotos Jose De Matos/HBO Max
  • Beitragsdatum 27. Januar 2023