Simon Lorenzi begeht Shaolin (9A) in den Red Rocks
In den Red Rock scheint die Schwerkraft gerade Betriebsferien zu machen. Nach den starken 2025er-Highlights von Zach Galla und Adam Sharar setzt nun auch Simon Lorenzi ein Ausrufezeichen: Der Belgier hat Shaolin (9A) wiederholt und damit sein Jahr mit einem weiteren 9A-Haken in der Tickliste zugemacht.
Das Sahnehäubchen für Statistik-Nerds: Simon Lorenzi toppte Shaolin (9A)am exakt selben Tag, an dem er zwei Jahre zuvor Burden of Dreams (9A) geklettert hatte. Manche sammeln Jahrestage, Simon sammelt 9As.
Offene Rechnung seit März
Ganz neu war das Thema nicht. Im März 2025 musste Lorenzi Las Vegas noch ohne Shaolin-Durchstieg verlassen. Ganz unverrichteter Dinge war er allerdings nicht: Return of the Sleepwalker wanderte damals bereits auf die Tickliste. Trotzdem blieb da dieses Gefühl, dass er an Shaolin wieder anknüpfen würde.
Im Dezember kehrte Simon Lorenzi zurück – und zwar nicht allein: Mit Mejdi Schalck, Yulen Calleja und Jules Marchaland im Gepäck war schnell klar, dass der Trip nicht als entspannter „Winterurlaub“ gedacht war. Eine schnelle Wiederholung von Defying Gravity (8C) lieferte den passenden Auftakt und zeigte: Lorenzi ist in Form und hat einen Plan.
Shaolin (9A): Kein One-Move-Wonder

Das Ziel des Trips war klar: Shaolin (9A), 2024 erstbegangen von Sean Bailey. Und wer 9A automatisch mit ein bis zwei völlig absurden Einzelzügen assoziiert, wird hier umdenken müssen. Denn Shaolin gilt weniger als „Crux-und-dann-war’s-das“-Boulder, sondern als Linie, die konstant fordert – spätestens ab dem dritten bis vierten Zug gehts richtig zur Sache.
Der Charakter: pressige, kompressive Kletterei, an kleinen und oft ungünstig platzierte Griffe, die sofort präzise getroffen werden müssen. Dazu kommen ungewohnte Körperpositionen, permanente Körperspannung und präzises Fußtechnik – wenn die Spannung oder Fußpräzision kurz weg ist, war’s das meist. Vielen potenziellen Wiederholern raucht nach einem misslungenen Versuch oft der Kopf, weil sie meist nicht verstehen, was diesmal wieder schiefgelaufen ist.
Simon Lorenzi: „Kein Drama„
Bei Simon war es anders. Mit der Crew im Rücken und einigen Sessions mit den Locals, die den Prozess – typisch Red Rocks – nicht nur effektiv, sondern auch „richtig spaßig“ gemacht haben, blieb Simon konzentriert. Der Belgier spricht sogar von einer mentalen Klarheit, die er so noch nicht erlebt habe. Und wer schon mal am eigenen Limit gebouldert und dabei verzweifelt ist, weiß: Der Kopf ist manchmal der entscheidende „Muskel“.
Mit jeder Session verbesserte ich mich und löste ein neues Puzzleteil, bis ich den Boulder aus zwei Zügen heraus verbinden konnte und ihn schließlich ein paar Sessions später schaffte.
so Simon
Fünfmal 9A: Lorenzi zieht mit Will Bosi gleich
Mit Shaolin ist der 28-Jährige nun (neben Will Bosi) der zweite Kletterer weltweit, der fünf Boulder im Grad 9A geschafft hat. Eine Marke, die vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang.
- 2021: Soudain Seul – Fontainebleau (FA: Simon Lorenzi)
- 2022: Burden of Dreams – Lappnor (FA: Nalle Hukkataival, 2016)
- 2023: Alphane – Chironico (FA: Shawn Raboutou, 2022)
- 2025: Return of the Sleepwalker – Red Rock (FA: Daniel Woods, 2021)
- 2025: Shaolin – Red Rock (FA: Sean Bailey, 2024)