Sasha DiGiulian und Marianna Ordóñez klettern Bravo Les Filles (8b/ 13Sl m) am Tsaranoro in Madagaskar
Sasha DiGiulian und Marianna Ordóñez gelang die Wiederholung von Bravo Les Filles (8b/ 13 Sl) am Tsaranoro Kelly in Madagaskar. Dies war die erste weibliche freie Begehung der Route, die 1999 von der Seilschaft Lynn Hill, Kath Pike Nancy Feagin und Beth Rodden eingerichtet und später von den beiden Pou-Brüdern erstbegangen wurde
Bravo Les Filles
Das hochkarätige Frauenteam um Lynn Hill bohrte damals über einen Zeitraum von 15 Tagen die Route von unten nach oben ein. Als die Zeit knapp wurde, gelang es ihnen, alle Seillängen bis auf die achte frei zu klettern. Hill bewältigte zwar die Einzelbewegungen der Schlüsselstelle, stürzte jedoch bei ihren Rotpunktversuchen.
So wurde die Route von dem Frauenteam mit dem Grad 7c/A0 bewertet. Zu diesem Zeitpunkt war Bravo Les Filles die schwerste Mehrseillängenroute, die jemals von einem Frauenteam eingerichtet wurde. Die erste freie Begehung gelang 2004 den spanischen Brüdern Eneko und Iker Pou, die der Route den Grad 8b zuwiesen.
Zwei Jahre später wiederholten der tschechische Kletterer Ondra Benes und der Österreicher Harald „Hari“ Berger († 20. Dezember 2006) die Linie. Die letzte bekannte Begehung von Bravo Les Filles fand 2010 statt, als Adam Ondra Madagaskar besuchte und die Route kletterte.
Sasha DiGiulian und Marianna Ordóñez

Sasha DiGiulian und Marianna Ordóñez reisten Anfang Juni mit vielen Fragezeichen nach Madagaskar. Marianna hatte zwar bereits einige Mehrseillängenrouten bis zum Grad 8b geklettert, jedoch kaum Erfahrung mit solch großen Wänden gesammelt. Auch die Frage, ob die 26 Jahre alten Haken noch das aushalten würden, wofür sie ursprünglich gedacht waren, stand im Raum.
Kaum angekommen machten sich die beiden sofort daran, die Linie auszubouldern und sich an die weiten Hakenabstände sowie die dazugehörigen Flugmeilen zu gewöhnen.
Am ersten Tag ihres Rotpunktversuchs kletterten beide bis zur Crux-Seillänge, wobei Marianna bei ihrem Versuch stürzte. Sasha ließ Marianna zum Stand ab, band sich an der scharfen Seite der Seilschaft ein und kletterte die 8b-Seillänge gleich im ersten Versuch. Anschließend gelang ihr auch die 7c-Seillänge, bevor sich die beiden zur wohlverdienten Pause ins Portaledge am Standplatz der achten Seillänge abseilten.
Am nächsten Tag kletterte Sasha die verbleibenden 200 Meter im Onsight bis zum Gipfel. Die beiden seilten sich für eine weitere Nacht im Portaledge ab, um am nächsten Tag das Material zu sortieren und einzupacken, bevor sie entspannt zum Camp zurückkehrten.
Auch wenn Marianna nicht die erhoffte Wiederholung gelang, ist sie stolz darauf, dass sie Sasha unterstützen konnte und dabei weitere Erfahrungen in großen Wänden sammeln konnte. Sie ist auch zufrieden mit ihrer Herangehensweise und Denkweise an der Wand:
Wir hatten nie einen Moment, in dem wir uns sagten: ‚Wir wollen das nicht machen.‘ Wir haben einen offenen Geist behalten.
Marianna Ordóñez
Bravo Les Filles ist nicht Sasha DiGiulians erster Erfolg am Tsaranoro – schon 2017 erarbeitete sie sich mit Edu Marin die zweite Begehung von Mora Mora (8c, 700 m) am nahegelegenen Tsaranoro Atsimo.
In guter Gesellschaft
Während ihrer Zeit in Madagaskar waren DiGiulian und Ordóñez in guter Gesellschaft: Auch Anna Hazelnutt und Matilda Söderlund hatten sich vorgenommen, eine der schweren Linien Madagaskars zu wiederholen. Ursprünglich kamen sie, um Mora Mora zu klettern, doch nachdem sie die Linie mit einer Drohne abgeflogen waren und korrodierte Bohrhaken entdeckt hatten, entschieden sie sich für Aid Madagascar (8a).
Video-Link: https://youtu.be/bn10FWuYnuE?si=3LcCXFiKg4yQx3Kx