Sabine Bacher klettert Schwarzer Schwan (8c), Sarah Seeger wiederholt Chrisu (8c) und Lena Herrmann klettert Land Of Confusion 10/10+ [Shortnews]

Nachdem Sabine Bachers Schwester Barbara, schon Ende Juni die Route Schwarzer Schwan (8c) punkten konnte, gab es bei Sabine noch einmal einen richtigen Motivationsschub. Wie auch bei ihrer Schwester, war bei Sabine Bacher das Wetter nicht unbedingt das beste als es vom Auto Richtung Wand ging.  Bei ihren ersten Versuchen verlor sie den Kampf gegen die Schwerkraft, da die Route nach der Schlüsselstelle noch mit einem tricky Zug aufwartet. Reicht ja nicht, dass die Route überhängt und beim Grad 8c ja eh schon nicht „leicht“ ist. Nein, da kommt dann noch so ein Rausschmeißer! Trotz leichter Frustration stieg Sabine noch einmal ein und machte der Schwerkraft ’nen Strich durch die Rechnung!

Nachdem  Sarah Seeger in diesem Jahr mit „Linie 1“ und „Nola““ (beide im Frankenjura) bereits drei Touren im Grad 10/10+ bzw. 10+ klettern konnte, gelang ihr nun mit „Chrisu“ am Rottachberg im Allgäu ihre insgesamt dritte 8c. Im Folgenden berichtet sie über das Projektieren der Tour:

© Manuel BrunnManchmal dauert es einfach etwas länger mit dem Durchstieg, und man fragt sich am Ende, wo jetzt eigentlich das Problem war. Mit der Begehung von „Chrisu“ (8c) am Rottachberg im Allgäu geht für mich eine kleine unendliche Geschichte zu Ende, die mir einiges an Geduld und Enspannungsfähigkeit abverlangt hat.

Längst hatte ich aufgehört, die Versuche zu zählen, die Messeinheit war von Tagen zu Monaten zu Jahren gewechselt. 2009 boulderte ich zum ersten Mal durch Chrisu, allerdings nur ganz kurz, dann kam der Winter. Im zweiten Jahr gings schnell bergauf, und ich fiel zum ersten Mal beim Zug zum guten Henkel kurz vor der Umlenkung, in ca. 25 Metern Höhe, nach rund 30 anhaltenden Zügen, zwischen denen man sich kaum erholen kann. Cool, dachte ich mir, das gibt ja eine schnelle Begehung. Falsch gedacht. Den Henkel berührte ich in diesem Jahr zwar noch ein paar Mal, aber oft kam ich nicht einmal mehr über den Einstiegsboulder, und ich konnte mir nicht erklären, warum. Frustrierend.© Manuel Brunn

Dann kam der Umzug von München ins Frankenjura, der Aufwand für die Tour wurde deutlich größer und die Motivation leider geringer. Die wenigen Tage, die ich im dritten Sommer am Rottachberg verbrachte, reichten einfach nicht aus, um wieder richtig in die Tour reinzukommen. Egal, dachte ich mir, in Franken stehen erstmal genug Projekte vor der Haustüre.

Aber ganz loslassen konnte ich Chrisu natürlich nicht. Und so pilgerte ich auch im vierten Sommer wieder ins Allgäu. Es lief gleich überraschend gut, den Einstiegsboulder konnte ich besser klettern denn je und die Ausdauer reichte auch, um wieder einmal den Henkel zu berühren – zum insgesamt 11. Mal, die Versuche, in denen ich weiter unten gefallen war, nicht miteingerechnet. Und dann setzte der Kopf wieder ein. So schnell die Motivationskurve nach oben gezeigt hatte, so schnell stürtzte sie wieder in den Keller. Vor jedem Versuch saß ich am Einstiegsband, und mir graute vor den ersten drei schweren Zügen. Warum tut man sich so was eigentlich an? Immer wieder zur gleichen Tour laufen, die gleichen Bewegungen machen, an den gleichen Zügen fallen? Das habe ich mich ziemlich oft gefragt.

© Manuel BrunnEin Teil der Antwort ist sicher die Freude, die sich nach dem letztlich erstaunlich leichten Durchstieg einstellt. Aber es gibt auch noch eine andere Erklärung: Man tut es auch für die vielen Menschen, die diese kleine persönliche Odyssee von Anfang an begleitet haben, mit Zuspruch, Motivation, Begeisterung – und vor allem immer mit der nötigen Portion Humor und Witz. Danke Euch!“

Ks.com: Wir möchten noch erwähnen, das Sarah im Marmot Pro Team und im Scarpa Climbing Team Mitglied ist. So viel Zeit muss sein.

Dass sie nicht nur bei Wettkämpfen auftrumpft, sondern auch am Fels stark ist, hat die 18-jährige  Lena Herrmann bereits mehrfach bewiesen. Nun legte sie nochmal eins drauf und kletterte mit „Land of Confusion“ im Frankenjura ihre erste 10/10+.  Land Of Confusion (10/10+) befindet sich an der Emporwand und zählt durchaus zu den Klassikern in der Fränkischen. Die Wand? Eher untypisch — sie erstreckt sich etwa 25 Meter in die Höhe und erst nach 37 Züge kann man sagen, dass man die Tour geklettert hat.

Aber auch wir Männer haben noch ein paar heiße Eisen aus der Szene im Feuer die unsere Ego retten könnten. Dafür müssen wir aber wie so oft in den letzten Tagen, nach Südafrika zu den Matratzenjungs fliegen. Nur gut, dass wir unsere Hubschrauber haben. Da die Anreise aber etwas dauert, kommen diese Shortnews erst Morgen.

Jetzt aber noch ein schöne Video, das in keinem News Artikel fehlen darf.

Text: kletterszene.com Quelle: Marmot Europa Foto: Manuel Brunn

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