Welche Seiltypen gibt es

Die Seiltypen

Dynamische Seile:
Das sind im Prinzip Seile, die in erster Linie zum Sportklettern und Alpin-Klettern verwendet werden, weil sie sich, im Falle eines Sturzes, dehnen und den Fangstoß mindern.

Statische Seile:
Ansich sind statische Seile zum Auf- und Abstieg gedacht, meistens aus Höhlen, beim Canyoning, bei Big-Wall- und Expeditionsbegehungen. Sie besitzen praktisch keine Dehnung, sind robust und absolut nicht zum Klettern im eigentlichen Sinne zu verwenden.

Reepschnüre:
Im klassischen Sinne eigentlich keine Seile, weil die Dinger unter 8mm haben, ergo sind die Stricke in erster Linie für die Sicherung beim Abseilen gedacht, oder in größerer Meterzahl zum sog. Haulen (dem Nachholen von Kletterkrempel bei großen Wänden).

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Welche dynamischen Seiltypen gibt es ?

Einfachseil (Sportklettern / Top-Rope)
Es handelt sich hierbei um ein Seil, das einsträngig genutzt wird. Es ist besonders gut geeignet für schwere, kurze und eher geradlinige Routen und ebenso für leichte Routen ohne Standplatz, bei denen nicht abgeseilt werden muss, oder wo die Abseilpiste nicht länger als 35 Meter ist (Die im Geschäft maximale erhältliche Länge eines Einfachseils beträgt 70 m, bedenkt man die Seildehnung, kann man also ungefähr 36 m bis 37 m abseilen) .

Halbseil
Halbseil : Es ist ein Seil, das aus zwei Strängen besteht, mit denen sich der Vorsteiger einbinden muss. Im Gegensatz zum Zwillingsseil jedoch können sich zwei Nachsteiger an jeweils einem Seilstrang einbinden. Um den Seilzug zu verringern kann man jeweils nur einen Seilstrang einhängen. Dieses Seil wird für das Gebirge empfohlen oder aber für lange Kletterrouten, bei denen abseilen notwendig ist. Es ist ebenso dann zu bevorzugen, wenn die Sicherungspunkte unsicher sind, besonders beim Eisklettern, da man durch das Einhängen eines einzelnen Stranges den Fangstoß reduziert. Des weiteren bieten die zwei Seilstränge einen besseren Schutz bei Steinschlag oder bei einem Sturz an einer Gratkante; um die Seilreibung zu verringern, also ebenso den Sturzfaktor, kann man die Stränge getrennt einhängen.

Zwillingsseil
Es ist ein Seil, bei dem die zwei Stränge immer zusammen genutzt werden und auch parallel bleiben müssen: jeder Kletterer bindet sich an beiden Enden ein, und die Seilstränge werden immer gemeinsam eingehängt. Sein Vorteil im Gegensatz zum Einfachseil liegt darin, dass hiermit abgeseilt werden kann. Es ist leichter als ein Halbseil, erlaubt aber kein Trennen der zwei Seilstränge.

Tourenseil
Es handelt sich hierbei nicht um einen vierten Seiltyp. Das sogenannte Wanderseil muss mindestens ein Strang des Halbseiles sein.

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Welches Seil für welchen Gebrauch wählen ?

Aufgrund der extremen Vielfalt der Beschaffenheit des Geländes können die Antworten, die wir geben, nicht jeden einzelnen Fall abdecken; jeder muss in Eigenverantwortung das Handeln den Umständen seiner Erfahrung, seinem Können und dem Gelände entsprechend anpassen.


Fortbewegung mit Standplatz (klassische Kletterrouten, alpine Routen, Eisklettern)

A – Mit einem Nachsteiger :


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Einfachseil :

Jeder ist an einem Ende eingebunden. Durch das Verlängern der Sicherungspunkte durch Schlingen vermeidet man Seilzug.

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Halbseil:
Jeder ist an den Enden der 2 Seilstränge eingebunden (oder bei einem Bicolorseil der Vorsteigerin der Mitte). Bei soliden Verankerungspunkten (Spits, Klebehaken etc…) vermeidet man den Seilzug dadurch, dass man sie durch Schlingen verlängert, bei unsicheren Verankerungspunkten (Eisschrauben, Haken, Klemmgeräte usw…) hängt man abwechselnd jeweils nur einen Strang ein um den Fangstoß zu verringern.

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Zwillingsseil :
Jeder ist an den Enden der 2 Seilstränge eingebunden (oder bei einem Bicolorseil der Vorsteiger in der Mitte). Man vermeidet den Seilzug indem man die Verankerungspunkte durch Schlingen verlängert. Man hängt systematisch beide Seilstränge ein.

B– Mit 2 Nachsteigern:
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Einfachseil :
Wird nur selten in leichten Routen praktiziert. Seilzweiter und Seildritter sind hierbei wenige Meter hintereinander „in Reih und Glied“ eingebunden.

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Halbseil :
Der Vorsteiger bindet sich an den Enden der 2 Seilstränge ein (oder bei einem Bicolor-seil in der Mitte) und die 2 Nachsteiger an jeweils einem Ende.

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Zwillingsseil :
Zwillingsseile sind nicht für letztere Art der Nachsicherung geeignet (d.h. 2 Nachsteiger, die jeweils nur an einem Seilstrang eingebunden sind).

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Leichte Firnrouten, Gletscher- und Skiwanderungen.
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Eine Firnroute wird dann als einfach bezeichnet, wenn keine technischen Schwierigkeiten vorkommen, wie zum Beispiel bei Routen bei denen die Randkluft überwunden werden muß, oder Routen, bei denen man einen Standplatz benötigt.Hier ist es grundsätzlich möglich sich mit fast jedem dynamischen Seil fortzubewegen:
– Ein Strang eines Einfachseiles
– Ein Strang eines Halbseiles

Das hintereinander Einbinden ist die beinahe ausschließlich verwendete Methode.

Fortbewegung auf einem Felsgrat A – Mit einem Nachsteiger :
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Einfachseil: Jeder ist an dem Einfachseil eingebunden.
Halbseil:
Jeder ist an beiden Strängen des Halbseiles eingebunden (das Einbinden an einem einzelnen Strang entspricht nicht diesem Routentyp).
Zwillingsseil:
Jeder ist an beiden Strängen des Zwillingsseiles eingebunden

Fortbewegung auf einem Felsgrat B – Mit zwei Nachsteiger :

image3b2-deDer Vorsteiger bindet sich am Ende beider Seile ein, die beiden Nachsteiger jeder am anderen Ende. Diese wenig geläufige Praxis erfordert, daß konsequent nur ein Seilstrang in die Zwischensicherungen eingehängt wird, damit der Fangstoß nicht zu groß wird. Wenn das Gelände entsprechend leicht ist (Fortbewegung ohne Standplatz), so können die Nachsteiger auch am gleichen Seil nacheinander (in Serie) eingebunden werden.

Der Vorsteiger bindet sich an beiden Seilsträngen ein – Die Nachsteiger jeweils an einem Seilstrang. Diese Art von Einbinden ist dann angemessen, wenn die allgemeine Beschaffenheit der Route (Fortbewegung mit Standplatz) eine solche Einbindeart nahe legt. Man muss dann allerdings bei Gratpassagen besonders aufmerksam sein, weil sich jeder Seilzweite in einer Gefährdungssituation befindet, die vergleichbar ist wie die eines Seilersten, der in nur einen Strang eines Halbseils eingebunden wäre.

Die Zwillingsseile sind nicht geeignet für diese Situation.

Sportklettern in Ein-Seillängenrouten

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Die allgemeinen Regeln sind dieselben wie bei Routen mit Standplatz. Jedoch kann ein Toprope-Kletterer mit einem Strang eines Einfachseiles oder einem Strang eines Halbseiles gesichert werden (Achten sie bitte auf die Wahl des Sicherungsgerätes).

Bei Klettersteigen kann die Ausrüstung ein falsches Gefühl von Einfachheit vermitteln.
Es ist heute allgemein anerkannt, dass alle Kletterer durch Falldämpfer gesichert sein sollten. Jedoch kann neben diesen Falldämpfern nur der Gebrauch eines Seiles die Sicherheit der Seilschaft garantieren. Es wird empfohlen, dass die unerfahrenen Personen sich zusammen mit einem kompetenten Vorsteiger einbinden, der dann ein Einfachseil oder einen Strang eines Halbseiles benutzt um sie nachzusichern. In diesem Fall müssen sie nicht zwangsläufig einen Falldämpfer verwenden.

Bild und Text: www.Beal.com

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