Magisch & selten: Pietro Vidis Wiederholung von Magic Line (8c+/E10)

Der Italiener Pietro Vidi rennt derzeit durch die schwersten Linien im Yosemite Valley. Jetzt musste eine weitere legendäre Tad-Route von Ron Kauk dran glauben: Magic Line (8c+).

Pietro Vidi hat mit Magic Line (5.14c/8c+) in Yosemite eine der schwierigsten Trad-Linien Nordamerikas wiederholt. Obwohl ihre Erstbegehung nächstes Jahr 30 Jahre her ist, bekam Ron Kauks Risslinie seitdem nur eine Handvoll Wiederholungen verpasst – Vidis ist die achte Begehung insgesamt. Zuletzt wurden Jacopo Larcher, Babsi Zangerl und Connor Herson Teil des erwählten Kreises der Magic Line-Wiederholer*innen.

Der erst 22 Jahre alte Italiener Vidi schließt mit seiner Begehung an eine extrem erfolgreiche Saison im Yosemite Valley an. Ende Oktober gelang ihm dort mit Camilla Moroni die Pre-Muir Wall (35 Sl., 8a+/b) am El Capitan, Mitte November tickte er mit Meltdown (8c+) ein weiteres legendäres Altprojekt von Kauk, das in diesem Fall nicht von ihm selbst, sondern von Beth Rodden erstbegangen wurde.

Magic Line war für mich immer anziehend und gleichzeitig einschüchternd. Ich wusste, dass sie mir weniger gut liegt als Meltdown.

Pietro Vidi

Magic Line: ein Puzzle, das nichts vergibt

Magic Line gehört nicht zu den Routen, die man einfach durchpowern kann, wenn man fit genug ist“ – das sagte zuletzt Jacopo Larcher nach seiner Wiederholung der Linie im Herbst 2024.

Was für den einen nicht viel abschreckender klingen könnte, lockt seit Ende der 90er den ein oder anderen Technikbegeisterten zu der Route ins Yosemite Valley. Sie besteht aus einer 8A Bouldersequenz gefolgt von einer 8b Route und schließlich einem weiteren Boulderproblem im Grad 7C.

Präzise Griffe im schmalen Riss, ausgetüftelte Körperpositionen und genau die richtige Portion Selbstvertrauen (aber nicht zu viel!) sind nur einige der Voraussetzungen für den Durchstieg von Magic Line – und wohl auch gute Gründe dafür, dass Wiederholungen der Route so selten sind.

Vidi: „Eine der besten und ästhetischsten Linien“

Dass Pietro Vidi Magic Line wie erwartet viel schwerer fallen würde als Meltdown, erwies sich im Nachhinein als falsch. „In der Route habe ich gemerkt, dass mir die Kletterei tatsächlich sehr gut taugt – vor allem der schwere Boulder am Anfang und das Laybacking auf schlechten Tritten“, resümiert der Italiener.

Während Vidi in der ersten Toprope-Session bereits beide Schlüsselstellen verbinden konnte, musste er noch an drei weiteren Tagen ran, um seine Beta für den mittleren Teil der Route zu optimieren. Insbesondere das Legen der Selbstsicherungen gehört dabei ebenfalls zu den Herausforderungen von Magic Line.

Und magisch war’s am Ende wirklich: Nachdem Vidi die Route im Toproute durchsteigen konnte, dauerte es nur bis zu Tag 2 seiner Vorstiegsversuche, um den Umlenker zu klippen: „Ich war im ersten Go des Tages so sehr im Flow, dass ich ohne nachzudenken einfach durchgestiegen bin. Magisch!“

Etwas weniger zauberhaft war eine Handvoll Stürze am Vortag, als Magic Line dem 22-Jährigen mehrmals auf den letzten Metern per Fußrutscher in Richtung Boden schickte. Vidis Fazit zur Linie: eine der besten, ästhetischsten und technischsten Routen, die er je geklettert hat – aber beim nächsten Besuch in Yosemite sind erstmal wieder die Bigwalls dran.

Ich bin super happy, dass ich beide Linien in einem Trip klettern konnte. Nächstes Mal liegt der Fokus aber wieder auf den größeren Wänden hier im Valley.

Pietro Vidi

  • Credits Text Julia Gürster f. kletterszene.com
  • Credits Fotos Ks.com / Archiv Pietro klettert Meltdown (8c+/Trad) - Foto: Daniel Gajda
  • Beitragsdatum 9. Dezember 2025