Petzl Frankenjura Kletterfestival Report [So wars und nicht anders]

»Having fun is a good guide if you’re wrong or right.«

Fällen wir gemäß dieser Worte von seiner Excellenz Chris Sharma ein Urteil über das Petzl Frankenjura Festival 2019, dann ist das Ergebnis klar wie die Kloßbrühe aus Königsstein: It was right!

Oberlehrer Wikipedia klärt auf:
»Ein Festival ist eine zumeist mehrtägige Kulturveranstaltung, bei der Kunstproduktionen vorgestellt werden und Künstler auftreten. Der Begriff „Festival“ leitet sich vom lateinischen Adjektiv festivus für festlich, feierlich oder heiter ab.«

Nun haben wir schon den zweiten Beleg dafür, dass das Frankenjura-Festival ein Festival gemäß Definition war. Denn wohin Du auch geschaut hast: Heitere Gesichter und jede Menge Felsakrobaten, die sicherlich nichts dagegen hätten, wenn man ihnen das Etikett des Künstlers ans Revers heften würde.  In einer verrückten Welt, in der die Orientierung immer schwerer fällt, ist es ein Segen an solch einem Happening teilnehmen zu dürfen und dort jede Menge Soulmates anzutreffen. Denn auch, wenn wir alle so irre stolz auf unseren individuellen Lifestyle sind, ist und bleibt der Mensch ein Herdentier, der sich letztendlich nur in der Gemeinschaft wohlfühlt und sich behaupten kann.

 

Und mir persönlich ist die Gemeinschaft der Kletterer immer noch die liebste und damit bin ich nicht alleine. Bei aller Fokussierung auf Grade, Training und Leistung bleibt Klettern auch ein Jahr vor Olympia für 99 % aller Vertical Aficionados mehr als nur Sport. Nämlich im besten Sinne »eine Art Lebensbewältigung«, wie es Kurt Albert (we will never forget you!) einmal so treffend formulierte.

Wo sonst kann man schon auf derart unterhaltsame Art soziale Interaktion, Reisen und das Kennenlernen anderer Kulturen miteinander verbinden? Und das ein Leben lang und nicht nur im Teeniealter, wenn der Sixpack wie von selber wächst. Eine Veranstaltung wie das Frankenjura Kletterfestival wirkt da wie eine Art Turbolader, der all diese Facetten geballt an einem Ort zusammenbringt.
Und es braucht die Pusher aus der ersten Reihe wie Sharma oder Le Nevé, die die aus den hinteren Reihen mit ihren Stories zum Träumen bringen und jedem das Gefühl – zumindest für die Festivaltage – vermitteln: »Everything is possible!«
Notorische Dauernörgler stimmen da mitunter gleich ihr ödes Lied an, was ungefähr so geht:

»Also wäre ich wie Chris in Santa Cruz geboren, hätte ich auch so starke Finger wie Melissa, wäre ich so vielseitig talentiert wie Jorg … DANN würde ich jetzt auch so ein unendlich cooles Leben führen und müßte nicht im Finanzamt Akten stapeln.«

Das ist natürlich nur eine langweilige Ausrede, denn wie man beim großartigen Vortrag von Steve McClure sehen konnte, mußte er sich auch erstmal aus dem Kokon des Bürohengstes entpuppen, um dann ein cooler Kletterer und freier Mensch zu werden.
Für solche Inspirationen und Gedankenanstöße muß man den Organisatoren mehr als dankbar sein, denn ganz schön oft bleiben wir zahlenfixierten Westeuropäer doch nur bei den Graden hängen. Und dabei ist Klettern doch so viel mehr und bietet ein fettes Füllhorn aller möglichen Facetten.
 Wer mit Sean Vilanueva beim Workshop am Riffler das Tradklettern erlernte, erweiterte mal ganz schnell seine Horizont dahingehend, dass ein selbstabgesicherter Riß- Siebener ein ganz anderes Erlebnis bietet, als ein normgebolteter Siebener in Arco. Auch wenn Rißschrubben auf meiner höchstpersönlichen Spaßskala ziemlich weit hinten rangiert, war das bei den erfüllt dreinschauenden Trad-Lehrlingen offenbar komplett anders. 
Oder wer mit Lena Herrmann am Workshop Sturztraining teilnahm, erkannte einmal mehr das Klettern einfach eine super Metapher fürs Leben an sich ist. Der Ängstliche, der immer auf den letzten Haken unter ihm schielt, schaut in gewisser Weise »rückwärts«. Das Leben will aber »vorwärts« gelebt werden, führte Lena treffend aus. Und deswegen ist es so essentiell sich auf das Hier und Jetzt sowie den nächsten Move zu konzentrieren, um sich von der Angst freizumachen. Ich finde das hilfreicher als jede Stunde beim Therapeuten – danke Lena!

Wir alle lieben Filme mit einem Happy End und Happiness in Reinform zauberten am Schlußabend die krass geigenden Troublenotes und ein bis dato unbekannter französischer DJ De La Roque in die lächelnden Gesichter aller Anwesenden. Die Endorphin-Ausschüttungen dürften bis nach Pottenstein zu riechen gewesen sein und als Poet alter Schule kam mir Goethe in den Sinn: »Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.« UH YEAH! Bis zum nächsten Mal!

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