Pepa Šindel klettert Action Directe (9a)
Kaum eine Sportkletterroute hat es so lange geschafft, so populär und ein so erstrebenswertes Projekt zu bleiben wie sie: Die Action Directe (9a).
Am 12. Juli reihte sich nun der 17-jährige Pepa Šindel aus Tschechien in die Liste der Begeher*innen ein.
Er ist damit in diesem Jahr bereits der zweite tschechische 17-Jährige, der die legendäre Linie bezwingen konnte. Lukáš Mokroluský scheint da wohl mit seiner Begehung im März einen Trend angestoßen zu haben. Noch jünger war nur der bei seinem Durchstieg 15-jährige Adam Ondra, ebenfalls ein Landsmann der beiden.

Ihren Status als bekannteste und erste 9a der Welt hat sie über dreißig Jahre nach ihrer Erstbegehung durch Wolfgang Güllich nicht verloren. Selbst die Diskussion über die rückwirkende Aufwertung der Linie Hubble im Peak District (GB) von Ben Moon konnte dem Mythos „Action Directe“ nichts anhaben. Hubble ging bei ihrer Erstbegehung 1990 mit einer Bewertung von 8c+ ebenfalls als die bis dahin schwierigste Route der Welt in die Geschichte ein, wurde dann aber 1991 von der mit 9a bewerteten Action Directe an der Spitze des Machbaren abgelöst.
Eine legendäre Route, die Wolfgang Güllich 1991 geklettert hat und die die imaginären Grenzen des Menschenmöglichen verschoben hat. Eine der besten Linien, die ich je geklettert bin!
An der Action arbeitet der junge tschechische Kletterer 9 Tage und feierte nach grob 25 Versuchen schließlich den Durchstiegserfolg. Signature-Move der Linie ist der Sprung aus einem Mono in ein Zweifingerloch – für die 90er Jahre absolut New School und auch heute nach wie vor nichts, das man als Kletter*in trotz bester Trainingsmöglichkeiten standardmäßig im Bewegungsrepertoire hätte. Doch der war es nicht, der Pepa immer wieder abwarf, wie viele seiner Vorgänger. Es war der letzte Zug vor dem Umlenker.
Harte Linien in der Fränkischen zu klettern, ist für Pepa Šindel nichts Neues. Der Legenden nicht genug, kletterte er am selben Tag auch noch Wallstreet, die weltweit erste 8c. Im Mai gelang ihm im Frankenjura außerdem mit Modified (9a+) an der Holzgauer Wand eine seiner bisher schwersten Routen.

15 Klettermeter am Waldkopf im Krottenseer Forst, die immer wieder Gesprächsstoff liefern. Local Alex Megos kletterte die Action Directe 2014 als Erster innerhalb eines Tages. 2020 gelang Mélissa Le Nevé als erster und bisher einziger Frau eine Wiederholung. Wolfgang Güllich nutzte drei Jahre vor seiner Erstbegehung das eigens dafür kreierte Campusboard, um für die besonderen Herausforderungen dieser Route zu trainieren. Begehungsberichte, über deren Wahrhaftigkeitsgehalt mangels Beweisen hitzig diskutiert wurde, der Versuch, der Linie ihren Status als erste 9a der Welt abzusprechen …
Fest steht: Sie ist eine 9a. Darin sind sich sämtliche Begeher*innen einig.
Wo es allerdings bisweilen in der Kommunikation klemmt, ist bei ihrer Namensgebung. Wenn es also darum geht, wie das Ding denn nun heißt und warum, stößt man auf abenteuerliche Aussprache und wilde historische Hintergründe.
Warum die Route nicht „Äktschn Deirecti“ oder so ähnlich von Englisch bis Denglisch ausgesprochen wird, sondern französisch [aksjɔ̃ diʁɛkt] ?
Zur Aufklärung kann da wohl am besten jemand beitragen, der damals dabei war.
Milan Sykora war derjenige, dem die Außergewöhnlichkeit der Linie ins Auge fiel und der sie zum eingebohrten Projekt machte, damals noch mit teilweise etwas abweichendem Verlauf.
Sein Freund Wolfgang machte die Route in ihrer heutigen Form mit seiner Erstbegehung schließlich zur Legende.
Milan erinnert sich, dass dieser Routenname wie so viele davor und danach einfach aus einem Zusammenspiel aus Zeitgeschehen, Lebenserinnerungen des Erstbegehers und dem Charakter der Kletterei entstanden ist.
Zu einer Zeit, in der Wolfgang gerade so ins Teenageralter übergetreten war, war in den Nachrichten wiederholt von einer französischen Terrorgruppe namens „Action Directe“ die Rede. Das Training für die Route und seine Versuche darin müssen sich wohl wie metaphorische Anschläge auf die Ringbänder und Sehnen seiner Finger angefühlt haben. Aus dieser unscharfen Namenserinnerung aus Kindertagen und den Fingerqualen auf seinem Weg zur Erstbegehung entstand schließlich der Routenname.
Video-Link: https://youtu.be/lGSneunVGac?si=9T4VrR-wZGfbTBS7