Paul-Preuss-Preis | Barbara Zangerl wurde in Altaussee für ihr Lebenswerk ausgezeichnet
In einem besonderen Ambiente ist am Samstag, den 20. September 2025, die Tiroler Weltklasse-Kletterin Barbara „Babsi“ Zangerl mit dem Paul-Preuss-Preis geehrt worden. Diese längst schon renommierte, seit 2013 jährlich vergebene Auszeichnung der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG) fand zum ersten Mal nach der Premiere 2013 wieder in Altaussee im steirischen Salzkammergut statt, der Heimat des Namensgebers und großartigen Freikletterers Paul Preuss (1886-1913).
Dass die Wahl der IPPG-Jury zurecht auf Babsi Zangerl fiel, das bestätigte der Kletterer und Filmemacher Flo Scheimpflug in seiner Laudatio, in der er in Zangerls virtuelles Tourenbuch blickte und die Höhepunkte ihrer alpinistischen Laufbahn hervorhob, die mit dem Bouldern begann und nach einem Bandscheibenvorfall steil nach oben an die Spitze der weltweiten Klettergilde führte. Ihr Höhepunkt war die Route „Freerider“ am Capitan, die sie 2024 als erster Mensch (und damit natürlich auch als erste Frau) im ersten Versuch sturzfrei bewältigte. Davor standen bereits zahlreiche alpine Spitzenleistungen in der Senkrechten zu Buche, womit sie sich die Anerkennung als eine der weltbesten Kletterinnen erwarb. „Es war die Begehung des Jahres“, jubelte Flo Scheimpflug und fügte die rhetorische Frage an: „Wie hat sie das alles nur geschafft?“
„Coole Erlebnisse“

Die Antwort gab Babsi Zangerl mit dem Bekenntnis ihrer Motivation gleich selbst, ohne das dafür nötige harte Training, ihr Talent und ihre Motivation zu erwähnen: „Das Größte am Klettern sind die coolen Erlebnisse, und darauf kommt es an.“ Die Verleihung des Paul-Preuss-Preises „ist eine große Ehre für mich“, hob sie den Stellenwert dieser Auszeichnung hervor, den vor ihr unter anderen Reinhold Messner (2013), Alexander Huber (2017), Catherine Destivelle (2021) und Dani Arnold (2024) erhalten hatten.
Die 2014 am Grundlsee gegründete Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG) will mit diesem Preis das Andenken und die Kletterphilosophie des großen Freikletterers Paul Preuss pflegen. Jetzt ist diese Gesellschaft wieder in die Heimat des in Altaussee geborenen und aufgewachsenen Paul Preuss zurückgekehrt.
Der jüdische Bergsteiger, studierte und promovierte Biologe, Philosoph und Klavierspieler, war ein strikter Verfechter des Freikletterns; er nahm dabei auch vehement Stellung zum damals grassierenden Mauerhakenstreit. Seine Maxime: Man solle nur jene Routen klettern, denen man sich gewachsen fühle und die man nach dem Hinaufklettern auch beim Abstieg auf dieser Route bewältigen könne. Umso tragischer, dass Preuss Anfang Oktober 1913 bei einem Alleingang an der Mandlkogelkante im Gosaukamm tödlich abstürzte; die Gründe dafür sind unbekannt.
Reinhold Messners Verdienst
Als jüdischer Bergsteiger wurde Paul Preuss in den Alpenvereinen mehr oder minder totgeschwiegen, erst Reinhold Messner weckte die Erinnerung und das Andenken an diesen großen Bergsteiger wieder auf, und so wurde dieser zum 100. Todesjahr des Paul Preuss 2013 in Altaussee von einer örtlichen Initiative als Erster mit dem Paul-Preuss-Preis ausgezeichnet. 2014 gründete sich am Grundlsee offiziell die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG) mit dem damaligen ORF-Fernsehjournalisten Lutz Maurer („Land der Berge“) als Vorsitzendem. Inzwischen führt der Abtenauer Unternehmer und Kletterer Georg „Joe“ Bachler als Obmann diese Gesellschaft.
Nach der Preisverleihung an Babsi Zangerl blieb die „IPPG-Familie“ in dem wunderbaren Saal bei Speis und Trank noch lange beisammen: Es war wie schon in den Vorjahren das wohl größte Treffen von Alpinisten aller Altersgruppen sowie von Alpinjournalisten und -funktionären im Alpenraum. Auch das ist mit ein Verdienst der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft, deren Jury sich nun schon Gedanken machen darf, wer 2026 diese namhafte Auszeichnung entgegen nehmen darf.


