Neuer Boulderappell für den Frankenjura und das Fichtelgebirge [ DAV und IG Klettern]

Der Boulderappell der IG-Klettern Frankenjura aus dem Jahr 1998 wurde jahrelang von den Behörden als wirksames Instrumentarium im Sinne einer naturverträglichen Ausübung des Bouldersports im Frankenjura und Fichtelgebirge akzeptiert. Er hat Einzug in alle Kletterkonzepte gefunden und bis dato verhindert, dass es zusätzliche Restriktionen für den Bouldersport gibt.

Die zunehmende Popularität des Boulderns hat in den vergangenen Jahren aber zu immer mehr Kritik seitens der Naturschutzbehörden, der Naturschutzverbände, Jäger und Grundstücksbesitzer geführt. Der Ruf nach weiteren Regularien wurde immer lauter.

Um möglichen Beschränkungen des Bouldersports entgegen zu wirken, wurde daher auf der Grundlage des „Appell[s] zum naturverträglichen Bouldern“ des DAV aus dem Jahr 2011 und dem „Boulderappell der IG Klettern Frankenjura“ aus dem Jahr 1998 in Zusammenarbeit und in Abstimmung mit der zuständigen übergeordneten Naturschutzbehörde im Juni diesen Jahres der nachfolgend aufgeführte „Gemeinsame Boulderappell des DAV und der IG-Klettern“ für den Frankenjura und das Fichtelgebirge verabschiedet.

Entscheidende Neuerungen sind vor allem die Aufnahme eines Boulderverbots in Höhlen und ein Verbot von Boulderkursen. Das Boulderverbot in Höhlen betrifft den Innenraum von Höhlen, nicht die Höhleneingänge. Es dient dem Fledermaus-Schutz und soll verhindern, dass innerhalb von Höhlen unter künstlichem Licht gebouldert wird. Das Kursverbot bezieht sich sowohl auf kommerzielle Anbieter als auch auf vereinsgebundene Veranstaltungen. Seitens der Behörden wurde zudem bekräftigt, dass das Veröffentlichungsverbot von Bouldergebieten unabdingbarer Bestand des Boulderappells ist.

Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst alle Aktiven an den aktualisierten Boulderappell halten und er so dazu beiträgt, dass uns behördlich verfügte Einschränkungen des Boulderns im Frankenjura und Fichtelgebirge erspart bleiben.

  • HIER der aktuelle Boulderappell und HIER als pdf-Download

Text: IG Klettern Foto: IG Klettern

Kommentare

  1. E9-Träger mit Mytze | | Antworten

    Zitat. „Das Kursverbot bezieht sich sowohl auf kommerzielle Anbieter als auch auf vereinsgebundene Veranstaltungen“.

    Eine hochwohllöbliche Regelung!

  2. Provocateur | | Antworten

    Ich hätte da noch einen Zusatzpunkt für den Boulderapell:

    Keine Bouldervideos mehr online stellen von den heiligen fränkischen Blöcken.
    Wer Werbung macht brauch sich nicht wundern wenn die Leute konsumieren wollen was ihnen schmackhaft gemacht wurde. Und ein Bouldervideo is Werbung da kann man sich auf den Kopf stellen.
    Diese Konsequenz muss dann auch sein oder nicht?

    Gruss

    • gerhard | | Antworten

      Ich glaub du verstehst den Apple nicht so ganz. Denn wo steht, dass das bouldern in franken verboten ist?

      • Provocateur 2.0 | | Antworten

        Ich versteh den schon so wie er gemeint ist aber evtl unterschätzt ihr/du die Macht des Internets?!
        Aber um Missverständnisse zu vermeiden : Ich dachte es geht darum das das bouldern eben NICHT verboten wird! Wenn ich aber z.B. x-verschiedene Boulderpornos ins Netz stelle von den 5 Blöcken die auf dem Grund von Bauer X liegen dann werden in der Regel mehr Leute zu diesen Blöcken pilgern als ohne Video was evtl. den Bauern X dazu bewegen könnte niemanden mehr auf seinen Grund zu lassen weil es ihm eben zu viel wird?! Das meinte ich damit! UND daher der Vorschlag keine Videos mehr einzustellen. Das Ego einer Sache unterzuordnen fällt aber wohl doch recht schwer.

        P.S.:
        Ich kann die Leute da schon verstehen wenn denen das treiben zu bunt wird?! Viele sehen das Bouldern eben mehr als Party mit Sport.Wer nimmt schon ein Radio mit zum klettern/bouldern??! Von der Halle an den Fels…

        Gruss

  3. Mr. Roboto | | Antworten

    Naja, es ist schon etwas scheinheilig, wenn ständig Videos von irgendwelchen Bouldern veröffentlicht werden, dieselben Protagonisten (oder andere) dann aber laut danach schreien, dass nichts veröffentlicht werden darf – was für sich genommen ja okay ist – weil sie im Besitz des Geheimwissens sind. Bei Telefonsexwerbung lass ich ja auch nicht die Rufnummer weg :)

  4. Joerg | | Antworten

    Ich finde es ebenso ziemlich sinnlos. Dieser Appell widerspricht jeglicher Vernunft.
    Es werden alle mit Videos „angefüttert“ und heißgemacht, um aber selber Hand anlegen zu können müssen dann mehrere Stunden Fahrt in Kauf genommen werden. Denkt auch jemand über die ökologischen Konsequenzen nach? Das ist völlig Paradox.
    Dadurch wird nicht nur erreicht das die Probleme die durch das Bouldern entstehen können (Müll, Lärm etc.) auf andere Gebiete abgeschoben werden, nein es kommt auch noch die Tatsache hinzu das alle durch das stundenlange Rumgegurke die Umwelt im großen Maßstab verpesten (alleine 80 Kilo CO2 für 500 km, andere Abgasbestandteile nicht berücksichtigt, [Mittelklasse(!), Benzin, 7 l/100km]).

    • gadaffie | | Antworten

      ;o) Um CO² zu sparen, kann man auch mit der Tram in die nächste Halle fahren.

  5. gerhard | | Antworten

    Ich persönlich befürworte den Appel!

    Denn mir sind die Probleme mit den Jägern und Grundstückbesitzern bekannt und zum großen Teil ist der Ärger auf die Kletterer berechtigt!

    • Nehmen wir einmal das XY-tal: Heiko und die IG Klettern stellen Schilder auf, damit nicht über die Futterwiese vom Bauern gelaufen wird. Fazit: 90% der Kletterer halten sich nicht daran und der Bauer ist stinkig und wird wohl irgendwann dem Bouldern nen Riegel vorschieben.

    • oder Fietzparcour: Fünf Jungs laufen mit ihrem Gettoblaster und Gaslampen kurz vor der Dämmerung in den Wald. Als wir sie auf das Nachkletterverbot hingewiesen haben, kam keine freundliche Reaktion von ihnen. Das Nachtklettern ist aber nicht nur in Franken verboten.

    • Zudem ist das befahren mancher Straßen erst ab 1.4 erlaubt. Ich frag mich, warum dann im Januar die Autos doch vor den Fels hingefahren werden.

    • oder …. [IG Klettern]momentan gibt es Schwierigkeiten im Klettergebiet Frankendorf/Landrichterseite. Ursächlich sind Beschwerden des Grundstückseigentümers und Jagdpächters über Kletterer, die sich nach Einbruch der Dämmerung im Klettergebiet aufhalten. Herr XY war bisher unserem Sport immer wohl gesinnt. Das Gebiet wurde mit seiner Einwilligung erschlossen. Eine entsprechende Beschilderung (Wildschutz) wurde von mir (IG Klettern) bereits 2010 am Eingang zum Klettergebiet sowie am Fels angebracht. Das hat bisher jedoch nichts gebracht.

    • oder Fichtelgebirge: Da wurde auch bis zum Bouldergebiet gefahren, weil man nicht in der Lage war, seine Matten die letzten 500 Meter zu tragen. Da dann auch noch der ein oder andere ne Lampe benötigte, weil es in der Nacht dunkel ist und er sonst die Griffe nicht gesehen hätte. Sorgte auch hier nicht für große Beliebtheit, des Sports.

    • Außerdem ist das befahren mancher Straßen erst ab 1.4 erlaubt. Ich frag mich, warum dann im Januar die Autos doch vor den Fels hingefahren werden.

    Bis Dato, brauchte ich noch kein Bouldertopo für die Fränkische, denn wenn ich unbedingt, einen Boulder klettern wollte, bTekam ich auch ohne Probleme die Infos.

    Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass es in Deutschland, Österreich, Frankreich, Schweiz und weiß Gott noch wo X Bouldergebiet gibt, wovon es auch kein Topo gibt und die gleichen Regeln wie in Franken gelten. Da regt sich aber keiner von Euch auf. Und in den Gebieten, wo es in der Vergangenheit Topos gab, musste man nicht lange auf den Ärger der Grundstückbesitzer warten. Siehe Zillertal, Tessin, Magic Wood, Petrohrad, Albarracín usw. In manchen Fällen, konnte die Locals mit einem immensen Aufwand eine Sperrung vermeiden in Albarracín z.B. hat es leider nicht geklappt.

    Im aktuellen Boulderapell steht auch mit keinem Wort geschrieben, dass das Bouldern in Franken verboten ist. Also warum regt ihr Euch auf!!! Zudem haben das nicht 5 nördige Franken im Alleingang beschlossen, sondern an dem Rundentisch saßen der DAV und die IG Klettern!!

  6. E9-Träger mit Mytze | | Antworten

    Gerhard,

    es ist und bleibt sinnlos, den Leuten die Sinnhaftigkeit des Appells zu erläutern. 95% benehmen sich, halten die Regeln ein und gut ist. 5% werden sich nie an Regeln halten und entweder man packt die an den Ei… äh, Nasenlöchern oder sie werden den 95% die Sache verderben. Das ist überall so und beim Bouldern keine Ausnahme.
    Den Leuten, die den Appell angreifen, muss man nicht zwingend unterstellen, dass sie die Regeln nicht einhalten. Sie wollen nur nicht verstehen, dass Klettern in gewissen Gebieten etwas anderes ist, als nach der Arbeit mal schnell ins Boulderpuff zu maschieren, 10 € abzudrücken und dafür Boulder zu konsumiern. Für die 10€ darf dann auch gemotzt werden, wenn die Boulder zu schwer, zu leicht, zu steil, zu dreckig, zu schwuchtelig (o.k., das kommt seltener) sind. Mit diesem Anspruch treten dann die Leute auch draußen an: „Ich will einen Führer kaufen und konsumieren“. Um nichts anderes geht es. Wahrscheinlich wird dann gemotzt, dass der Boden am Einstieg feucht, das Absprunggelände verblockt und die Mückendichte hoch ist.
    Und da ist der Appell die richtige Antwort. Es werden die Massen verteilt, weil nicht nach jeder Veröffentlichung eines Gebietes Massen zum Rudelbouldern auflaufen, die Wiesen zuparken, das Wild weglärmen usw. Wem es um den Sport und das Erlebnis des draußen Boulderns geht, der wird auch in Frangggn Bouldern können; wer konsumieren will, soll doch ins Boulderpuff gehen.
    Veröffentlichungen sind und waren auch schon vor 20 Jahren ein Problem: Ungezählte Klettergebiete, in denen jahrelang geklettert wurde, sind nach Erscheinen eines Führers überrannt worden und wurden gesperrt. In der damaligen Kletterbravo erschienen Artikel über neue Klettergebiete in Gallien und Italien, 1 Jahr später waren die Gebiete dicht. Sagt jemand der Name Ménerbes noch was… So was braucht kein Mensch. Und das Argument, dass man mit einem Führer die Regeln publizieren könne und man die Massen sensibilisieren kann, wurde in den letzten 20 Jahren Sportklettern von den Handelnden oft genug widerlegt.
    Wer in Frangggn Bouldern will, kann das. Er kann aber nicht ins Auto steigen, übers Wochenende mal geschwind hinfahren und die vermeintlich besten Boulder nach Führer ablisten. Aber man findet einzelne, veröffentlichte Bouldergebiete, trifft Leute, kann fragen und erhält eine Antwort, wenn man nicht mit Gasbrenner, Benzinfunzel und Drahtbürste auftritt oder sich wie der letzte Hallenplärrer benimmt. Und schon hat man wieder Ziele für den nächsten Besuch.
    Was der Appell mit Videos oder dem Autofahren zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Muss es auch nicht…

  7. Thomas | | Antworten

    Was ist der Unterschied zwischen Boulder konsumieren und dem dem was Du so machst?
    Führer schreiben wird’s ja wohl nicht sein…

  8. Äna | | Antworten

    Irgendwie hat hier jeder ein bisschen Recht und Unrecht ;)
    Das mit den Bouldervideos ist so eine zweischneidige Sache: einerseits keine Veröffentlichungen wollen, andererseits selbst „veröffentlichen“.Klar, es ist jetzt keine Googlemap angehängt, und doch ist es eine „Veröffentlichung“. Dann haben ja doch viele auch einen gewissen Drang zur Selbstdarstellung (was nichts schlechtes bedeuten muss) Ich möchte garnicht wissen wie die Umsatzzahlen von GoPro gestiegen sind, weil jeder der keine Stützräder mehr braucht sich eine auf den Helm pappt und das Ergebnis online stellt. Und wo vorher 1 Radler war sind jetzt 100. Ähnlich ist es beim Bouldern/Klettern. Tja, und dann: die Masse macht halt das Kraut fett. Überall sprießen die Boulder- und Kletterhallen aus dem Boden und jeder feiert das, aber wenn die „Neueinsteiger“ dann mal raus wollen wirds ihnen übel genommen. Das Problem ist die Doppelmoral:
    Wer „darf“ raus? Wer nicht? Und wer bestimmt das? Und wenn „wieviele“ dürfen raus? Wer „erzieht“ die Neulinge? Wer hat wirklich die Nerven jedesmal wenn er seine „Freizeit“ ausübt andere zu belehren? Jedes mal sammle ich fremden Müll ein, sammle Kippenstummeln zusammen..und ich bin mir nicht so sicher ob das immer die „Hallenboys- und girls“ sind?
    Durch den „Hype“(von diesem „Hype“ profitieren übrigens auch „die alten Hasen“, Beispiel: Neuentwicklungen in der Ausrüstung)
    der letzten Jahre, und die „Massen“ die im Outdoorbereich entstanden sind, sei es Skifahren, Klettern, Radeln – ist das einzige was jeder einzelne tun kann, dem das was er macht am Herzen liegt: mit gutem Beispiel voran gehen und sich mal selbst auf seine Doppelmoral beleuchten ;)
    Beispiel: ein Bekannter von mir fährt jedes Wochenende im Winter 300 KM einfach um ne Skitour zu machen, weil er ja so gern „in der Natur“ ist ;)

    zum Thema: ich find den Boulderappell gut :D Dann kann ich s auf die IG und den DAV schieben, wenn ich mal wen anmotz :D da fällt mir das doch gleich leichter ;)

    (gefundene Tippfehler dürfen behalten werden)

  9. Micha | | Antworten

    Um mal als „Kletterneuling“ etwas ganz persönliches zu dem Thema zu sagen:

    Äna schreibt:
    „Beispiel: ein Bekannter von mir fährt jedes Wochenende im Winter 300 KM einfach um ne Skitour zu machen, weil er ja so gern “in der Natur” ist ;)“

    Ich bin früher mit Eltern etc. viel in den Bergen (Österreich, Italien) unterwegs gewesen: Skifahren, Wander-Touren.
    Das Skifahren habe ich aufgegeben, da ich es kritisch sehe, von hier aus mit dem Auto 100te Kilometer mit dem Auto in die Berge zu fahren und damit auch noch den Ausbau der Skigebiete zu fördern.
    Ich verzichte darauf, mit dem Flieger nach Übersee oder sonst wohin zu reisen – zum einen (zugegeben) aus purem Mangel am Kleingeld, zum anderen aber auch aus Überzeugung.
    Umweltschutz liegt mir schon seit Kindheit sehr am Herzen!

    Letztes Jahr habe ich nun (auch als Selbsttherapie nach gescheiterter Beziehung) das Bouldern und Klettern für mich entdeckt. Ein Sport, den ich hier in meiner fränkischen Heimat vor der Haustüre ausüben kann und trotzdem auch irgendwie zu den Wurzeln zurück zu gehen – hier kann ich die Natur genießen und ein wenig auch das „Bergflair“, ohne lang in die Alpen anfahren zu müssen. Und Klettern ist eben doch etwas anderes als „nur“ durch die Fränkische zu wandern – hier kann ich absolut abschalten, weil ich meine volle Konzentration brauche und werde mit Glücksgefühlen für gelungene Routen belohnt – das gibt´s beim Wandern in dieser Form eben nicht.

    Den Boulderapell habe ich eben entdeckt und finde diesen prinzipiell gut: Nur eben auch nicht die angesprochene Doppelmoral der „Alten Hasen“. Warum Bouldervideos ins Netz stellen? Um aller Welt zu zeigen, wie toll sie Bouldern können und das Ego auf zu polieren?

    Hey, bevor ihr nette Videos dreht, nimmt lieber einen „Frischling“ wie mich mit zu Euren Boulderblöcken, zeigt mir direkt vor meiner Nase, wie cool Ihr die Felsen rauf rockt, (meinen Beifall und meine Bewunderung habt Ihr dann gewiss, „life“ und als direkte Reaktion (und aus meiner Zeit als Musiker weiß ich, dass ein ein unmittelbares Feedback vom Publikum erfahrungsgemäß mehr Befriedigung gibt als ein vorgestelltes, virtuelles) und vermittelt mir dabei durch Euer gutes Vorbild Eure Werte.

    Das ist jetzt mein persönlicher Boulderapell.

    Gruß
    Michael

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