Nach dem Brand in der Kletterhalle Chimpanzodrome geht der Neubau in Planung

Die Frechener Kletterhalle Chimpanzodrome soll wieder aufgebaut werden: Nachdem Ende April 2018 ein Großfeuer den historischen Altbau mit der markanten Glasfront bis auf die Grundmauern zerstört hat, denkt der Besitzer Achim Wiesinger jetzt über einen Neubau nach. „Inzwischen sind die langwierigen Untersuchungen zur Brandursache und die Klärung mit der Versicherung weitestgehend abgeschlossen“, sagt Achim Wiesinger. „Nach der aktuellen Sachlage können wir einen Neuanfang jetzt endlich ernsthaft in Erwägung ziehen. Es kristallisiert sich ein gangbarer Weg heraus, wie es mit dem Chimpanzodrome 2.0 weitergehen könnte.“

Achim Wiesinger hat sich bereits mit Familie und einigen Freunden konkrete Gedanken gemacht, wie eine neue Kletterhalle im Kölner Westen aussehen könnte. Wenn alles nach Plan verläuft. Der Betreiber rechnet bei planmäßigem Verlauf mit einer Wiedereröffnung Ende 2019.

Jugendtraining bereits wieder gestartet

Die Kinder- und Jugendgruppen des Chimpanzodrome haben inzwischen das Training schon wieder aufgenommen: Auch ohne eigene Halle organisiert die Tochter des Besitzers, Maite Wiesinger, zusammen mit einigen Trainern und dem Förderverein „Klettersport in Frechen“ bereits zweimal wöchentlich einen Kletterausflug in eine der benachbarten Hallen im Großraum Köln. Dank des Chimpanzodrome Busses, der von dem verheerenden Brand verschont blieb, sind die Jugendlichen

mobil. Damit wird die vorbildliche Jugendarbeit, die im Chimpanzodrome einen großen Platz eingenommen hat, bereits fortgeführt.

Der von einigen Freunden, Fans und Kletterern gegründete gemeinnützige „Förderverein Klettersport in Frechen – Chimpanzodrome e.V.“ unterstützt Projekte wie die Jugendarbeit, damit der Klettersport in Frechen erhalten bleibt, bis eine neue Halle entsteht.

 

Spendenkonto Förderverein Chimpanzodrome e.V. KSK Geschäftskonto

Das Chimpanzodrome – ein Rückblick

Das 1996 gegründete Chimpanzodrome hat als eine der ältesten großen Kletterhallen in Deutschland über zwei Jahrzehnte den Hallenklettersport inspiriert und entscheidend mitgeprägt. Die in einem historischen Gebäude untergebrachte Kletterhalle bot leistungsorientierten Kletterern eine ideale Plattform und hat dabei internationale Spitzensportler von Weltrang wie Jan Hojer und viele andere hervorgebracht. Gleichzeitig bot sie jungen Familien die Möglichkeit, entspannt ihren Sport auszuüben, während ihre Kinder von Kindesbeinen an in dem unverwechselbar charmanten Hallenambiente aufwachsen konnten. Bis zu dem Brandunglück war bereits die dritte Klettergeneration in der Halle in der Vertikalen unterwegs. Diese Bandbreite an Möglichkeiten, dieser weltoffene Mix vom kaffeetrinkenden Plaisirkletterer bis zum leistungsorientierten Sportler hat das Chimpanzodrome ausgemacht. Der Backsteinbau mit der großen Fensterfront bot etwas, was man weder durch reine Größe, noch durch opulente Ausstattung erreicht: einen einzigartigen Charakter, der über Jahre gereift, aus einer Kletter- eine Kulthalle macht.

 

Der Name – so unverwechselbar wie die Halle

Chimpanzodrome – ein Name, der haften bleibt und auf eine Route mit Kultstatus zurückgeht: Im April 1981 gelingt Jean-Pierre Bouvier, genannt „die Fliege“ und seines Zeichens einer der stärksten Kletterer Frankreich die Erstbegehung der Route Chimpanzodrome. Mit der Bewertung 7c+, manche meinen sogar 7c+/8a, ist die Linie an den Felsen des Saussois im Burgund  erst die zweite Route im gallischen Kletterreich, die an dieses Level heranreicht. Die fingermordende Lochkletterei sorgt in der Szene und der Fachpresse für viel Aufsehen, was natürlich namhafte Aspiranten für eine Wiederholung anlockt. Letztlich sollte es aber fast ein Jahr dauern, bis die von Jean-Claude Droyer eingebohrte Linie überhaupt ein zweites Mal durchstiegen wird. Anschließend reißen die weiteren, mehr oder weniger kuriosen Begehungen der 15-Meter-Route nicht ab: 1984 gelingt der englischen Kletterlegende Jerry Moffat die erste Flashbegehung. Ebenfalls 1984 holen sich die Franzosen Marc Le Menestrel und Jean-Baptiste Tribout Solobegehungen, der Bleau-Experte Jacky Godoffe schließt sich mit einer Barfußbegehung an und last but not least beweist Marc Le Menestrel einmal mehr Sinn für Originalität und klettert die Chimpanzodrome mit verbundenen Augen – die Medienaufmerksamkeit ist garantiert.

Auch in Deutschland verfolgt die Kletterszene gespannt die rasante Entwicklung im Nachbarland. Und als drei motivierte Kletterer aus dem Raum Köln beschließen, in Frechen eine große Kletterhalle in einem alten Lokschuppen zu eröffnen, ist der Name schnell gefunden…

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