Nach 240 Tagen: Jorge Díaz-Rullo kletert Café Colombia 9c in Margalef

Nach 240 Tagen: Jorge Díaz-Rullo begeht Café Colombia in Margalef

Café Colombia heißt die Linie, die Jorge Díaz-Rullo so viele Jahre Arbeit und Nerven gekostet hat. Am 13. März klippte der 27-Jährige endlich den Umlenker seines bisher längsten Projekts.

Dranbleiben lohnt sich – davon kann auch Jorge Díaz-Rullo jetzt ein Lied singen. Seit 2021 verbrachte der spanische Profikletterer 240 Tage in der Finestra-Höhle in Margalef, um dort eine schwere Mega-Linie zu etablieren. Jetzt bekam das Langzeitprojekt Café Colombia seine Erstbegehung verpasst – und das an einem Freitag, den 13.

Ich kann immer noch nicht glauben, dass das real ist. Mein Leben hat sich jahrelang um dieses Projekt gedreht.

Jorge Díaz-Rullo

Eine ungewöhnliche Herangehensweise

Jorge-Diaz-Rullo-Scarpa Kletterschuhe

Für sein Projekt wählte Díaz-Rullo eine eher untypische Herangehensweise: Anstatt von Anfang an die direkte Linie zu probieren, arbeitete der 27-Jährige an verschiedenen Link-ups von Teilen der Route in unterschiedlichen Variationen. Dabei entstand im November 2021 die Linie Café Solo (9b), die nach der unteren Hälfte des ursprünglichen Projekts nach links abbiegt.

In den darauffolgenden Jahren kletterte Díaz-Rullo auch den oberen Teil von Café Colombia via der benachbarten Route Carlota la Colombiana (9a+). Außerdem hakte er Alex Megos‘ The Journey in Colombia (9a+/b) ab, eine Kombination aus The Journey (9a+) und Café Colombia.

Gleichzeitig blieb das große Ziel über all die Jahre präsent – trotz Scheitern und Zweifeln. „Es gab sehr schwierige Momente, aber ich habe nie aufgehört daran zu glauben, dass es möglich ist“, schreibt Díaz-Rullo jetzt auf Instagram.

Ich habe härter gearbeitet als jemals zuvor, um dieses Level zu erreichen. Anfangs hat sich das unmöglich angefühlt.

Jorge Díaz-Rullo

Der harte Weg bis zum Umlenker

First ascent - Jorge Díaz-Rullo klettert Café Colombia in Margalef

Im Frühling 2023 begann Jorge Díaz-Rullo mit den ersten Durchstiegsversuchen von Café Colombia. Schon bei seinen ersten Versuchen kam er dem Umlenker sehr nahe, doch die Crux im oberen Teil der Route spuckte ihm jedes Mal erneut aus. Die letzte Sektion beinhaltet ein – wie Díaz-Rullo sagt – „brutales“ Boulderproblem im Grad 8B, das im Durchstieg einfach unmöglich schien.

Diese finale Crux schließt an eine 9b/+ schwere Passage an, wobei es eine kurze Ruheposition zum Verschnaufen gibt. „So wirklich erholsam ist der Rest allerdings nicht, wenn man vorher eine 9b geklettert hat“, schrieb Díaz-Rullo Anfang des Jahres in einem Update auf Instagram.

Ich hätte nicht gedacht, dass der letzte Boulder so schwer ist, wenn man von unten kommt. Je näher ich dem Durchstieg kam, desto mehr habe ich verstanden, wie brutal das wirklich ist.

Jorge Díaz-Rullo

Am 13. März 2026 stand der Spanier zum insgesamt 240. Mal vor seinem Projekt im Sektor Racó de la Finestra. Es sollte das letzte Mal sein: Denn am Nachmittag kämpfte sich Jorge Díaz-Rullo durch die finale Crux und klippte endlich den Umlenker von Café Colombia – an einem Frühlingstag, dessen Bedingungen nicht perfekter hätten sein können.

Wie schwer ist Café Colombia?

Bisher hat sich Jorge Díaz-Rullo noch nicht zum Grad von Café Colombia geäußert. Angesichts der schieren Dauer des Projekts und der Schwierigkeit der einzelnen Abschnitte ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Spanier den derzeit höchsten Grad 9c vergibt. Díaz-Rullo hat bisher zehn 9b und vier 9b+ Linien geklettert – sowie mehr als 70 Routen im Grad 9a oder 9a+.

Derzeit gibt es weltweit nur vier Routen, die mit 9c bewertet sind – und sie alle warten noch auf Wiederholungen: Adam Ondras Silence und Jakob Schuberts B.I.G. in Flatanger, Seb Bouins DNA in der Verdonschlucht und Sean Baileys Duality of Man im Dry Canyon, Arizona.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/U-1Dpypho4Q?si=VM7pMjFdUn2kUYMP
  • Credits Text Julia Gürster f. kletterszene.com
  • Credits Fotos Jorge Díaz-Rullo, Ks.com Archiv / Scarpa
  • Beitragsdatum 18. März 2026