Melissa Le Neve und Alexander Megos gewinnen das CWIF 2017

Es war bei jedem Boulder knapp und somit auch entsprechend spannend. Boulder Nummer 1: Jan war soooo knapp davor den Topgriff zu erwischen, bei Boulder 2  sah es nach einer Begehung der Weltcup-Jungs aus, aber es schaffte „nur“ Jong den Bonusgriff festzuhalten und das auch erst nach  x Versuchen… aber beginnen wir von vorne…

Bereits die Quali hatte es in sich. Der auffälligste Boulder war hier wohl der Riss-Hangelstart-Boulder, bei dem die Engländer den anderen Angereisten kurz mal zeigen konnten, wo sie sich eigentlich angemeldet haben.  Ob es genau dieses Qualiproblem war, dass die ersten Mitfarvoriten (Jimmy Webb, Jorg Verhoeven, Kim Marschner, Moritz Hans, David Firnenburg.. die Liste ist lang)  im Verlauf des Wettbewerbs ins aus buchsierte, können wir nur mutmaßen. Es war auf jeden Fall ein Boulder, der schon vorab die kreative Leistung der Routenschrauber erahnen lies.

Das Halbfinale des CWIF 2017

Im Halbfinale ging es weiterhin recht hart zur Sache, Topbegehungen wahren echt rar gesät und die Ratlosigkeit sah man manch einem Teilnehmer an.  Da Alex Megos keinen der der steileren Boulder klettern konnte war er bis zum letzten Boulder nicht fürs Finale qualifiziert. Dann holte aber der fränkisch Plattengott seine Skills hervor und zwickte den Boulder im 2. Go einfach so weg. Übrigens dieser Boulder hat von Jan, Sean, Jongwon und Rustam keine Begehung bekommen und so stand Alex im Finale. Ein Versuch mehr und er hätte seine Fingerverletzung schonen können.

Be den Frauen kannten die Routenschrauber auch keine Gnade. Da ging das Halbfinale gleich mit einer Platte los und mal Hand auf’s Herz: jeder Wettkampfkletterer kann sich ein angenehmeren Start für ein Halbfinale vorstellen. Aber ’s’is-wie’s-is und die Mädels behielten trotz fehlender Top-Begehung die Nerven. Diese forderten dann auch die beiden nächsten Boulder. Die zehn Damen durften ihr komplettes erlerntes Kletterbewegungsspektum abrufen. Stüzen mit Toehook, ans Volumen schnappen um zwei Züge weiter ’ne miese Liste genau treffen zu müssen, zerrt nicht nur an der Kraft, sondern auch am Kopf. Erst recht nachdem Petra und Hannah mit Flashbegehung weiter Druck aufgebaut hatten. Boulder Nummer 3 war nicht weniger komplex und lag den Mädels. Dieser wurde niedergeflasht, als wäre es der verspätete Aufwärmboulder.  Wer bis jetzt keine zwei Tops im dritten/vierten Go auf seiner Scorecard hatte, war eigentlich schon aus dem Rennen. Hannah, Sol und Katha hatten bei dem letzten Boulder die Chance das letzte Finalticket zu erklettern. Da Sol von den Dreien die einzige war, die den Bonusgriff festhalten konnte, fiel das Los zu ihren Gunsten aus und die anderen beiden durften sich ’ne Feierabendhalbe bestellen.

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Das Finale

Schon der erste Boulder bei den Mädels verlangte dank des letzten Zuges  — offene Tür in Kombination mit großen aber „aber nicht ganz so guten“ Topgriff — dass man sich kurz Gedanken  zu dem Abflug machte und nicht endlos viele Versuche sammelte. Da die Mädels aber auch nicht auf der Brennsupp’n nach Sheffield angereist sind, vermieden Petra, Melissa und Sa sogar den Abflug und flashten vorsichtshalber den Boulder. Der zweite war eine steile Verschneidung mit runden Griffen, die den Mädels keine großen Probleme bereiteten, wäre der Boulder einen Zug kürzer gewesen. So war am Ende nur Julia Kruder am ersehnten Griff und platzierte sich zwischenzeitlich auf Platz 4 mit sehr guten Chancen auf das oberste Trepperl. Vor dem letzte Problem hatten vier von sechs Mädels zwei Tops und einen Bonus und somit war rein rechnerisch noch alles offen. Da die Wettkampfwand im Climbing Works nur ein begrenztes Angebot an Überhängen hat, kommt Mann und Frau an einem Plattenschleicher nicht vorbei. Warum Engländer schwere bzw. unangenehme Platten schrauben können… kein Plan. Aber schon Dave aus München hat solche Gleichgewichtsübungen zelebriert und viele Wettkampfteilnehmer zur Verzweiflung getrieben.  Melissa zeleberierte ihre Bleausardskills und flashte, wie auch Jule und Petra, langsam und gefühlvoll diesen Boulder, und gewann somit auch das Finale der Damen des CWIF 2017.

Bei den Männern war der Einstieg ins Finale ähnlich herzlich wie bei den Damen. Neben purem Fingerstrom wurde auch noch die Hüftbeweglichkeit und koordinative Flugeigenschaften angetestet. Jan und Jongwon zweigt gleich mal, dass man mit ihnen rechnen muss. Flogen aber leider an dem Topgriff knapp vorbei. Hätte einer von den beiden diesen Boulder geklettert — das Publikum wäre ausgeflippt.  Der zweite Boulder wäre für jeden Hobbyboulderer ein Schlag ins Gesicht: Sprung in ein echt mieses Untergriff-Sloper-Pocket-Ding  — wobei man sie hier das ‚mies‘ hätte denken können, ein Untergriff-Sloper-Pocket-Ding lässt da nicht viel Spielraum — der einarmig mit der richtigen Fuß-Schwung-Abfang-Technik gehalten werden musste. Hätte Jongwon uns nicht eines Besseren gelehrt — wir hätten nicht geglaubt, dass dies möglich ist. Mit dieser Topbegehung führte der Koreaner auch die Tabelle an. Jetzt kommen wir zu dem besagten Plattenboulder und wenn wir uns nicht irren, hat Jan das ein oder andere graue Haar dabei bekommen. Auch Jongwon biss sich an diesem Problem die Zähne aus und mehr als der Bonusgriff war für ihn nicht drin.  Alex hingegen flog im Flashversuch am Topgriff ab. Im zweiten Versuch streckte er sich etwas mehr und somit war der Boulder in seiner Scorecard und er auf Platz eins.  Am letzten Boulder konnte man einmal mehr den unglaublichen Strom von Jan Hojer erahnen. Leider konnte er auch diesen Boulder nicht toppen und landete auf einem hart verdienten sechsten Platz.  Alex gewinnt trotz Schulterschwäche und dank Plattenskills nach 2016 auch diese Auflage der CWIF.

Ergebnisse der Rab CWIF 2017 in Sheffield

Damen:

  1. Melissa Le Neve
  2. Petra Klinger
  3. Michaela Tracy
  4. Jule Wurm
  5. Sol Sa
  6. Julia Kruder

Herren:

  1. Alexander Megos
  2. Jongwon Chon
  3. Michael Piccolruaz
  4. Matt Cousins
  5. Jernje Kruder
  6. Jan Hojer

Ks.com: Wir werden uns an die Regel nicht gewöhnen, dass nicht der Athlet gewinnt, der die meisten Bonus und Topgriffe erklettert, sondern der die meisten Tops in den wenigisten Versuchen eingeheimst hat.

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