Martin Tekles und Chris Hanke holen sich Silber im Lead

Team Germany kann auch mit Seil – zumindest die deutschen Herren können das. Martin Tekles und Chris Hanke holten sich bei den beiden finalen Lead-Wettkämpfen der „Austria Climbing Summer Series“ jeweils Silber. Die „Austria Climbing Summer Series“ bildete nach einer monatelangen, pandemiebedingten Zwangspause den Auftakt der Wettkampfsaison 2020. Neben österreichischen Athleten waren Kletterer aus Deutschland und der Schweiz am Start. Beginn war im Juli in Innsbruck mit zwei Runden in den Disziplinen Bouldern und Speed, Anfang August ging es dann mit Lead in Imst weiter. An einer Wand, die sehr hoch und ausdauergeprägt und eigentlich nicht wirklich für Wettkämpfe geeignet ist, sagt Bundestrainer Maxi Klaus.

„Vom Routenbau war ich positiv überrascht. Die Routen waren interessant geschraubt – new-school, aber nicht ganz so abgefahren wie bei den Weltcups.“

Erwartungsgemäß gewann bei den Herren der große Favorit, der Österreicher Jakob Schubert, beide Wettkämpfe, er holte sich auch den Gesamtsieg:

„Der Gesamtsieg bei der Austria Climbing Summer Series ist nicht selbstverständlich, es waren einige sehr starke Kletterer am Start“.

sagt Jakob.

Aber auch die deutschen Kletterer zeigten in den beiden Lead-Runden eine starke Leistung:

Maxi Klaus:

Maxi Klaus Nationaltrainer DAV Lead

„Mit den Ergebnissen bei den Herren bin ich sehr zufrieden. Wir hatten in den zwei Runden insgesamt sechs Finalisten und haben zwei Medaillen geholt. Martin war zwar auch schon in den Nomi-Wettkämpfen stark unterwegs, aber er hat in Imst in allen drei Runden super solide Gos gezeigt. Im Finale hat er dann boulderfunky Züge und einen Sprung gezeigt, Moves, die nicht unbedingt seine Stärke sind. Martin hat hart an seinen Schwächen gearbeitet, er ist verdient auf dem Treppchen gestanden. Chris war lange verletzt, aber er hat trotzdem eine gute Entwicklung durchlaufen. Er muss noch etwas in seinen Wettkampfstil reinfinden, aber er hat Commitment gezeigt, er hat das super gemacht. Er war im Finale nicht so weit weg von Jakob (Schubert). Wer mich außerdem beeindruckt hat, ist Martin Philipp: Er hat sich im vergangenen Jahr extrem gut entwickelt und eine solide Leistung gezeigt. Für mich ist er ein Hoffnungsträger – für beide Disziplinen. Ich traue ihm viel zu.“

Chris Hanke:

„Ich habe mir ja gewünscht, nie wieder in Imst starten zu müssen. Die Wand ist old-school, eine Platte und zwar eine sehr lange. Aber es gab so lange keinen Wettkampf mehr und es war einfach wichtig, wieder reinzukommen – auch für den Kopf. In diesem Jahr wird es eher nicht mehr viele Wettkämpfe geben, man muss alles mitnehmen, was es gibt. In Imst hatte ich eigentlich gar keine großen Erwartungen an mich, ich habe mich auch nicht spezifisch darauf vorbereitet. Aber es lief dann an dieser Wand erstaunlich gut, auch wenn ich in der zweiten Qualifikationsroute einen Fehler gemacht habe. Das hat mich geärgert. Das Finale lief dann aber gut. Mein momentanes Ziel ist, in den Weltcups anzukommen, meinen Stil zu finden und Leistung punktgenau an die Wand zu bringen. Mut zu haben, Risiko einzugehen. Das ist mir in Imst gelungen, ich bin mutig, schnell und entschlossen geklettert. Und das war mir persönlich sehr wichtig. Und natürlich war es gut zu sehen, dass ich nicht Lichtjahre von Jakob entfernt bin. Ich hoffe, in Briancon im Finale dabei zu sein und sehe da eine realistische Chance.“

Jakob Schubert (nach dem zweiten Lead-Wettkampf):

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„Es hat heute extrem viel Spaß gemacht! Einerseits weil es eine lässige Route war, andererseits weil die Stimmung richtig gut war. Taugt mir, dass ich gleich ein zweites Mal in Imst gewinnen konnte. Der Gesamtsieg bei der Austria Climbing Summer Series ist nicht selbstverständlich, es waren einige sehr starke Kletterer am Start. Der Sieg in Imst war für das Selbstvertrauen schon mal sehr gut, auch vor dem Hintergrund, dass ich eigentlich noch sehr wenig Training in den Vorstieg investiert habe. Aber es ist in den letzten Tagen viel weitergegangen, ich profitiere sicher auch von der guten Boulderform und freue mich schon darauf, endlich wieder beim Weltcup in Briancon international zu klettern.“ 

Bei den deutschen Damen dagegen lief es weniger gut: keiner der Athletinnen gelang der Sprung in das Finale.


Maxi Klaus:

„Die Damen sind aktuell weit weg von der Spitze. Es gibt Hoffnungsträger, aber Weltcup-Finalistinnen sehe ich momentan keine. Luisa (Flohé) hat mir im Imst am besten gefallen. Roxanna (Wienand) hat in der Quali eine Route durchstiegen und Martina (Demmel) hat für ihren allerersten Wettkampf eine ansprechende Leistung gezeigt. Sie kommt vom Fels und hatte bislang erst 4 Trainingstage an der Wand. Bei Lucia (Dörffel) lief es nicht so gut, bei ihr war die Vorbereitung wohl nicht optimal.“

Martina Demmel (Zehnte der ersten Runde):

„Mein erster Wettkampf war auf jeden Fall eine mega coole Erfahrung. Wenn man an der Wand voll im Flow ist, richtig kämpft, ist das schon wahnsinnig geil. Und auch genau auf den Punkt Leistung abliefern zu müssen, ohne eine weitere Chance zu haben, hat seinen Reiz. Ich habe zuvor versucht, meine Erwartungen möglichst niedrig zu halten, weil ich gar nicht einschätzen konnte, wie es laufen wird. Beim ersten Wettkampf war ich sehr zufrieden, weil ich in beiden Qualitouren wirklich kämpfen konnte, bis ich wegen dem Pump rausgeflogen bin, und gut in den Flow gekommen bin. Beim zweiten bin ich in beiden Touren nicht wirklich zum Fighten gekommen und ziemlich zögerlich geklettert. Trotzdem bin ich insgesamt zufrieden, weil ich weiß, dass ich mich schon gut steigern konnte und da einfach noch viel mehr Erfahrung und Routine fehlt.“

Die beiden Lead-Wettkämpfe seien für die Athleten „super wichtig“ gewesen, sagt Maxi Klaus. Zum einen um zu wissen, wo sie stehen und dann als Vorbereitung für den Lead-Weltcup in Briancon im August.

„Die Athleten haben sich den ganzen Winter über auf die Wettkampfsaison vorbereitet, dann kam diese sehr lange Zwangspause… die haben sich alle gefreut, starten zu dürfen und waren super motiviert“

bilanziert der Bundestrainer.

Nächste und hoffentlich nicht letzte Station wird nun Briancon sein: Dort findet am 21. und 22. August der erste und letzte Lead-Weltcup des Jahres 2020 statt.

Maxi Klaus: 

„Briancon wird kein richtiger Weltcup sein, das ist vom Niveau her nicht mal eine EM. Es sind zwar einige Topathleten dabei, aber es fehlen viele Nationen – wie China, Korea, Russland oder Japan. Aus deutscher Sicht hat Alex (Megos) natürlich Finalchancen, auch wenn er zuletzt nur am Fels klettern war. Es kann aber auch gut sein, dass aus der zweiten Reihe jemand ins Finale kommt.“

Martina Demmel:

„Ich hätte mir ehrlich gesagt nie erträumt, jemals bei einem Weltcup starten zu dürfen und bin einfach unendlich dankbar, so eine coole Möglichkeit zu bekommen. Trotzdem denke ich, dass das noch eine Nummer zu groß für mich ist – bei meiner geringen Wettkampferfahrung und wenn man sich die ganzen anderen fitten Mädels anschaut. Erwartungen an mich habe ich deswegen keine, außer, dass ich gut ins Klettern komme und keine blöden Fehler mache und dann erst mit Pump fliege – egal wie weit oben das ist.“

Lead Ergebnisse der Austria Climbing Summer Series

1. Lead Wettkampf:

Damen:

1 Pilz Jessica AUT
2 Schranz Christine AUT
3 Fiser Julia AUT


9 Wienand Roxana GER
10 Demmel Martina GER


16 Flohe Luisa GER


22 Dörffel Lucia GER

Herren:

1 Jakob Schubert AUT
2 Tekles Martin GER
3 Parma Georg AUT


7 Hanke Christoph GER
8 Martin Philipp GER

13 Marschner Kim GER

2. Lead Wettkampf

Damen:

1 Schranz Christine AUT
2 Pilz Jessica AUT
3 Fiser Julia AUT


12 Flohe Luisa GER…
14 Wienand Roxana GER…
17 Demmel Martina GER…
20 Gorzellik Catrin GER

Herren:

1 Schubert Jakob 1990 AUT
2 Hanke Christoph 1994 GER
3 Posch Mathias 1999 AUT


5 Martin Philipp 1994 GER …
7 Kleesattel Max 1998 GER …
18 Marschner Kim 1998 GER

Alle Ergebnisse der Austria Climbing Summer Series unter:

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