Showdown in Pfungstadt: Dörffel und Bloem holen sich die DM-Titel im Bouldern

Volle Ränge, ein Finale mit echtem Krimi-Faktor und Entscheidungen erst am letzten Boulder: Bei der Deutschen Meisterschaft im Bouldern 2026 im Studio Bloc in Pfungstadt verteidigte Lucia Dörffel ihren Titel mit Nervenstärke, während Thorben Perry Bloem bei den Männern mit einem Top im entscheidenden Moment den Sieg perfekt machte.

Im Studio Bloc Pfungstadt wurde am Samstagabend genau das geliefert, was man sich von einer Deutschen Meisterschaft erhofft: Spannung bis zum letzten Zug, volle Zuschauerränge und zwei Finals, die ihre Entscheidungen jeweils erst ganz zum Schluss fanden.

Lucia Dörffel bleibt cool im Titelkrimi

 Deutschen Meisterschaft im Bouldern 2026 im Studio Bloc in Pfungstadt

Im Frauenfinale lief alles auf das Duell hinaus, das sich im Verlauf des Abends immer deutlicher abzeichnete: Titelverteidigerin Lucia Dörffel gegen Paula Mayer-Vorfelder (DAV München-Oberland). Beide lieferten sich einen intensiven Schlagabtausch, die Entscheidung fiel erst am letzten Boulder. Dörffel behielt die Nerven und verteidigte mit 99,9 Punkten ihren deutschen Meistertitel. Mayer-Vorfelder bestätigte mit Silber ihre starke Form, Bronze ging an Afra Hönig (DAV Landshut), die sich den Podestplatz mit einem entscheidenden Top am letzten Boulder sicherte. 

Dass Lucia in Pfungstadt in Topform war, hatte sich schon im Halbfinale angedeutet. Dort gewann sie eine schwer geschraubte Runde und setzte mit einem Flash an Boulder drei ein echtes Ausrufezeichen – als einzige Athletin gelang ihr an diesem Problem ein Top.

Nach dem Finale beschrieb Dörffel den direkten Vergleich mit Mayer-Vorfelder als mental fordernd.

Natürlich spürt man den Druck, wenn man mitbekommt, dass die anderen Athletinnen die Boulder lösen. Gerade bei Paula war das extrem – sie kam oft schon nach kurzer Zeit wieder zurück, und man wusste sofort, dass sie es schnell gemacht hat. Als sie den letzten Boulder nicht toppen konnte, hatte ich einen kleinen Puffer. Ich wollte diesen Boulder dann unbedingt noch klettern, auch weil ich mich auf genau diesen am meisten gefreut hatte – er sah für mich am schwersten und zugleich am kraftbetontesten aus. Umso glücklicher bin ich, dass es am Ende funktioniert hat.

Bloem dreht das Männerfinale im letzten Moment

 Deutschen Meisterschaft im Bouldern 2026 im Studio Bloc in Pfungstadt

Noch dramatischer wurde es bei den Männern. Vor dem letzten Boulder lag Finn Altemöller (DAV Rheinland-Köln) in Führung, Thorben Perry Bloem brauchte mindestens die Zone, um noch vorbeizuziehen. Der Braunschweiger lieferte unter maximalem Druck: erst die nötige Zone, dann sogar noch das Top. Damit drehte er das Finale auf den letzten Metern und sicherte sich den Meistertitel vor Altemöller. Lasse von Freier (DAV AlpinClub Hannover) komplettierte das Podium auf Rang drei. 

Thorbens Sieg kam nicht aus dem Nichts. Schon in der Qualifikation hatte er ein deutliches Signal gesendet und als einziger Athlet alle fünf Boulder gelöst. Auch das Halbfinale gewann er in einer extrem schwer geschraubten Runde, in der viele Starter bereits an den ersten Zügen scheiterten. 

Trotz der starken Auftritte in allen Runden versuchte Bloem nach eigenen Worten, die wachsende Favoritenrolle auszublenden. Gerade das schwere Halbfinale habe gezeigt, wie schnell im Bouldern Zweifel aufkommen können.

Dass Finn Altemöller ihn im Finale bis zum letzten Boulder unter Druck setzte, machte den Titelgewinn für ihn nur noch wertvoller.

Mit dem ersten Platz in jeder Runde rückt man natürlich immer stärker in die Favoritenrolle. Ich habe aber versucht, das auszublenden, den Wettkampf zu genießen und mir keinen zusätzlichen Druck zu machen – das hat heute gut funktioniert. Gerade das Halbfinale war extrem schwer, da kommen auch mal Zweifel auf, ob die Form wirklich so gut ist, wie man denkt. Im Finale hat Finn es mir bis zum Schluss richtig schwer gemacht, deshalb war es ein sehr aufregender Wettkampf. Umso mehr freue ich mich über diesen Titel. Es gibt international noch viele starke Athleten – aber dieser Sieg hier ist für mich ein sehr schöner Meilenstein.

so Thorben Perry Bloem nach der Siegerehrung

Ergebnisse der Deutschen Meisterschaft im Bouldern 2026

Damen:

1 Lucia DÖRFFEL • Chemnitz
2 Paula MAYER-VORFELDER  • München-Oberland
3 Afra HÖNIG  • Landshut
4 Anna LECHNER  • München-Oberland
5 Hannah MEUL • Rheinland-Köln
6 Hannah HATTENBACH • Koblenz
7 Lilly NEUBÜRGER • Frankfurt/Main
8 Ronja WITT • Sächsischer Bergsteigerbund
9 Alisa STRIGO  • München-Oberland
10 Janne WIETHÖLTER • Bremen
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Herren:

1 Thorben Perry BLOEM • Braunschweig
2 Finn ALTEMÖLLER •Rheinland-Köln
3 Lasse VON FREIER  •AlpinClub Hannover
4 Lucas Christian TRANDAFIR  • Regensburg
5 Emil ZIMMERMANN  • Freiburg-Breisgau
6 Jonathan PAPADOPOULOS  • Frankfurt/Main
7 Philipp MARTIN  • Allgäu-Kempten
8 Mattis EISENKOLB • AlpinClub Hannover
9 Tim WÜRTHNER • Würzburg
10 Elias ARRIAGADA KRÜGER • AlpinClub Berlin
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Pfungstadt liefert die perfekte DM-Bühne

Dass diese Meisterschaft so gut funktionierte, lag auch am Schauplatz. Das Studio Bloc in Pfungstadt hat sich längst als Wettkampf-Location etabliert und war 2026 erstmals Gastgeber der Deutschen Meisterschaft anstelle der sonst dort ausgetragenen Studio Bloc Masters. Unterm Strich bleibt eine Deutsche Meisterschaft, die genau das geliefert hat, was man sich von einem nationalen Saisonhöhepunkt wünscht: starke Routen, packende Finals und Sieger*innen, die ihren Titel entweder mit Coolness verteidigten oder im perfekten Moment zuschlugen.

  • Credits Text Julian Rohn, kletterszene.com
  • Credits Fotos DAV / Pavlo Vekla
  • Beitragsdatum 29. März 2026