Lead WM in Seoul | Janja Garnbret und Dohyun Lee holen sich den Titel
Die Queen, Janja Garnbret: sie kam, sah und siegte – erneut absolut souverän. Bei den Herren war es Dohyun Lee, der sich vor heimischem Publikum Gold beim Highlight der Saison, den Weltmeisterschaften, holte. Am Freitag traten die besten Athletinnen und Athleten der Welt im Lead gegeneinander an – ein letztes, spektakuläres Kräftemessen in diesem Jahr, bei dem es noch einmal um alles ging.
Schon in der Qualifikation lief der Wettkampf für viele etwas anders als erwartet. Große Namen schieden früh aus: Jessica Pilz (Österreich), Toby Roberts (Großbritannien), Yannick Flohé (Deutschland) und Sascha Lehmann (Schweiz) verpassten etwas überraschend den Einzug ins Halbfinale.

Dort sorgte ein anderer Name für eine große Überraschung: Der junge Italiener Giovanni Placci war in dieser Saison zwar bereits jedes Mal im Halbfinale dabei, bei der Weltmeisterschaft gelang ihm aber der große Durchbruch. Mit einer soliden Vorstellung zog er ins Finale ein – ein Moment, der ihn emotional überwältigte, Freudentränen flossen. Altmeister Adam Ondra gratulierte und freute sich sichtlich mit Giovanni – obwohl Adam selbst überraschend den Finaleinzug verpasste. Das Halbfinale entwickelte sich zunehmend zu einem kleinen Favoritensterben. Neben Adam Ondra verpasste Sorato Anraku (Japan), ein großer Anwärter auf Gold, mit Platz 10 den Einzug ins Finale.
Auch der Olympionike Colin Duffy (USA) konnte sich nicht dafür qualifizieren. Das zeigt erneut, wie unglaublich dicht das Feld, wie unglaublich hoch das Niveau ist.
Bei den Damen schied eine der Favoritinnen, die Italienerin Laura Rogora, früh aus dem Rennen aus. Sonst gab es keine große Überraschung: Janja führte das Feld wie so oft von vorne an.
Finale Damen

Die Route war abwechslungsreich und ausdauernd geschraubt. Gleich zu Beginn kam ein kleiner Sprung, gefolgt von einer homogenen und flowigen Route. Rosa Rekar (Slowenien) kletterte sie durchdacht und effizient. Sie erreichte als zweite Starterin früh eine beeindruckende Höhe und setzte sich mit der Wertung von 45 für lange Zeit an die Spitze. Chaehyun Seo (Korea), Zweite nach dem Semi, war von dem Druck, vor heimischem Publikum zu performen, nichts anzumerken. Souverän meisterte sie Passage für Passage und näherte sich immer mehr der bisherigen Bestmarke von Rosa an. Zunächst sah es dann auch so aus, als hätte sie exakt dieselbe Höhe wie ihre slowenische Konkurrentin erreicht.
Zwei Einsprüche – einer vom slowenischen, einer vom koreanischen Team – forderten jeweils eine höhere Bewertung. Beide aber wurden abgelehnt. So blieb es bei 44+ für Chaehyun und 45 für Rosa. Eine gleiche Wertung hätte für Chaehyun Silber bedeutet, so wurde es Bronze. Janja zeigte im Finale dann einmal mehr, warum sie als wohl größte Kletterin aller Zeiten gilt. Ohne sichtbare Schwierigkeiten, ohne den Hauch von Unsicherheit oder Anstrengung, kletterte sie bis ganz nach oben. Nach zwei Runden auf Platz 1 war sie auch im Finale die einzige Starterin mit einem Top. Ein beherzter Sprung zum Topgriff, der Clip – und der Jubelschrei. Erneut Gold für die Slowenin – ihr dritter Lead-Weltmeistertitel in Folge. Janja freute sich aber nicht nur über ihr Gold, sondern genauso über das Silber ihrer Teamkollegin Rosa.
Finale Herren

Bei den Damen dominierten die Sloweninnen mit drei Starterinnen das Finale, bei den Herren waren es drei Starter vom Team Japan – auch sie holten sich zwei Medaillen. Satone Yoshida legte früh ordentlich vor, überholte den Goldanwärter Alberto Ginés López (Spanien) – dem zum Ende der Saison wohl ein wenig die Luft ausging – und erreichte die Höhe 43+. Sein Teamkollege Taisei Homma stürzte nur einen Zug tiefer. Eine große Show lieferte dann der Publikumsliebling Dohyun Lee: Angefeuert vom Publikum kämpfte er sich als vorletzter Starter Zug für Zug zum Highpoint von Yoshida.
Er erreichte die gleiche Höhe, das Vorrundenergebnis rückte ihn zu diesem Zeitpunkt auf Platz 1. Silber hatte er also schon einmal sicher, aber noch war Sam Avezou (Frankreich) an der Reihe. Spielerisch leicht meisterte Sam noch die Campuspassage und wirkte, als hätte er noch sehr viel im Tank, bis ihm plötzlich und sehr früh (34+) der Fuß rutschte. Dohyun konnte es zunächst kaum glauben: Er sicherte sich vor tobendem Publikum die Goldmedaille.
Zwei Medaillen für Slowenien, zwei für Team Japan und zwei für Korea: Was für eine Dominanz dieser drei Nation.
Vom Climbing Team Germany war Yannik Nagel mit Platz 21 der beste Teilnehmer, der erst 19-Jährige bot eine sehr starke Saison: Er schaffte insgesamt fünf Mal den Sprung ins Halbfinale. Beste deutsche Dame war erneut Anna Maria Apel (Platz 21).
Ergebnisse der IFSC Lead Weltmeisterschaft in Seoul
Herren:
1 Dohyun LEE• KOR
2 Satone YOSHIDA • JPN
3 Taisei HOMMA • JPN
4 Alberto GINÉS LÓPEZ • ESP
5 Neo SUZUKI • JPN
6 Sam AVEZOU • FRA
7 Jakob SCHUBERT • AUT
8 Giovanni PLACCI • ITA
9 Putra TRI RAMADANI
10 Sorato ANRAKU • JPN
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13Jonas UTELLI • SUI
14 Colin DUFFY • USA
15 Adam ONDRA • CZE
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21 Yannick NAGEL. • GER
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27Yannick FLOHÉ • GER
28 Sascha LEHMANN • SUI
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36 Nino GRÜNENFELDER • SUI
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42 Sebastian HALENKE • GER
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Damen:
1 Janja GARNBRET • SLO
2 Rosa REKAR • SLO
3 Chaehyun SEO • KOR
4 Erin MCNEICE • GBR
5 Annie SANDERS • USA
6 Zélia AVEZOU • FRA
7 Lucka RAKOVEC • SLO
8 Flora OBLASSER • AUT
9 Laura ROGORA
10 Mei KOTAKE • JPN
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17 Mattea PÖTZI • AUT
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21 Anna Maria APEL • GER
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28 Jessica PILZ • AUT
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39 Julia FISER • AUT
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Speed

Beim Lead klappte es bei den Weltmeisterschaften für das deutsche Team mit der erhofften Medaille zwar nicht, dafür aber beim Speed. Bereits beim Weltcup in Guiyang rückte Leander Carmanns mit seiner Bronzemedaille ins Rampenlicht. Und er konnte diesen unglaublichen Lauf fortsetzen. Gleich zu Beginn des Finals konnte er seine neue persönliche Bestzeit und gleichzeitig die europäische Bestleistung mit 4,86 Sekunden aufstellen und ein deutliches Ausrufezeichen setzen. Er setzte sich Runde für Runde durch und stand am Ende im großen Finale. Was für ein Moment für den erst 20-jährigen Speed-Spezialisten. Jianguo Long (China) lieferte im Finale mit 4,80 Sekunden ordentlich ab und schnappte Leander knapp Gold vor der Nase weg. Er hatte 4,99 Sekunden. Ein Abend und eine Medaille, die Leander sicher nie vergessen wird, war es doch die erste Medaille, die ein deutscher Speedkletterer bei einer Weltmeisterschaft jemals gewann.
Ergebnisse der IFSC Speed Weltmeisterschaft in Seoul
Damen:
1 Aleksandra MIROSLAW • POL
2 Lijuan DENG • CHN
3 Yafei ZHOU • CHN
4 Jimin JEONG • KOR
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Herren:
1 Jianguo LONG • CHN
2 Leander CARMANNS • GER
3 Zach HAMMER • USA
4 Reza ALIPOUR SHENAZANDIFARD • IRI
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