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La Planta de Shiva | Martin Tekles knackt den Grad 9b


Martin Tekles knackt mit dem Ausdauer-Testpiecd La Planta de Shiva seine erste 9b – nach fast zwei Jahren harter Arbeit, Schweiß und unzähligen Versuchen

Der Profikletterer Martin Tekles hat das schwerste Projekt seiner Karriere abgehakt. La Planta de Shiva (9b) in Villanueva del Rosario (Andalusien) nennt der Wahl-Rosenheimer die „schwierigsten Route, die ich je versucht habe“. Kein Wunder also, dass er nach dem Durchstieg sichtlich bewegt war:

Ich muss so viele Dinge erklären, so viele Emotionen, nachdem ich das Seil erfolgreich durch die Kette dieser unglaublichen Route gezogen habe.

so Martin bei Instagram

Wer Martin Tekles‘ Kletter-Karriere mitverfolgt hat, weiß: Neben diversen 8c+ und 9a Linien hat der Lead-Spezialist mit No Pain No Gain (9a+) und Patanics (9a+) auch zwei schwerere Routen in Spanien abgeholt. Schon zu Weltcup-Zeiten galt Martin als Trainingstier, das sich akribisch auf Projekte vorbereiten kann. La Planta de Shiva ist für den Ex-Wettkampfkletterer ein hart erarbeiteter Meilenstein.

Das Projekt: Marathon statt Sprint

Der Weg bis zur erfolgreichen Begehung war kein Sprint, sondern eher ein Marathon. Bereits im Dezember 2023 gelang Martin der Durchstieg von La Planta de Shiva R1 (8c) – der Startschuss für sein bis dato schwerstes Projekt. 2024 und 2025 war Martin mehrfach in Málaga, boulderte die Route aus und schliff die Züge ein.

Das 45 Meter lange Ausdauer-Testpiece startet mit den schon erwähnten 25 Klettermetern von La Planta de Shiva R1. Bevor es Richtung Umlenker geht, gibt es die Möglichkeit bei einem schlechten Schüttler noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, um die letzten 20 Meter an kleinen Griffen zu meistern.

Es war ein langer Prozess, der an Körper und Geist gezehrt hat.

Doch Aufgeben stand nie auf dem Plan – und siehe da: Am 9. November 2025 wurde Martins Hartnäckigkeit belohnt.

Ein Klassiker mit Geschichte

La Planta de Shiva (9b) wurde in Gänze von Adam Ondra im Jahr 2011 erstbegangen. Der Ursprung der Route war eine erste 8c Seillänge, die 2007 durch Manolo Del Castillo verlängert wurde und alles in allem etwa 45 Meter lang ist.

Für seine damals fünfte 9b benötigte Adam Ondra sieben Versuche. Die Route beschrieb er nach seiner Erstbegehung auch im Vergleich zur Route Chilam Balam (9b, 80 m).

La Planta de Shiva ist kürzer, aber viel pumpiger. In Chilam Balam gibt es mehr Pausen, hier musste ich jedoch den ganzen Weg nach oben sprinten und die Griffe sind klein mit einigen unangenehmen Bewegungen. Ich musste präzise und konzentriert klettern – dabei kam ich an mein Limit.

so Adam Ondra 2011 nach seiner Erstbegehung

Seitdem hat sich La Planta de Shiva zu einem regelmäßig wiederholten Klassiker entwickelt. Im Januar 2016 gelang Jakob Schubert die zweite Begehung nach Adam – und auch er hatte mit dem Ausdauerhammer seine Schwierigkeiten:

La Planta de Shiva‘ hat mir meine Grenzen aufgezeigt […]. Ich habe viel Zeit und Gedanken in die Route investiert – am Ende ist es aber noch schöner, wenn man für einen Durchstieg hart arbeiten musste.

Jakob Schubert über La Planta de Shiva

Angy Eiter schrieb mit ihrer Begehung ein eigenes Kapitel in der Klettergeschichte: Sie war die erste Frau weltweit, die diesen Grad klettern konnte. Es folgten Begehungen von Jonathan Siegrist, Jonatan Flor und Anak Verhoeven. Verhoeven kletterte die Route sogar zweimal: einmal mit und fünf Tage später noch einmal ohne Kneepads – denn auch Adam Ondra nutzte bei der Erstbegehung keine und Verhoeven wollte die Originalversion klettern.

Martin Tekles ist nun der Siebte im Bunde, dem eine Begehung von La Planta de Shiva gelungen ist. Respekt an den gebürtigen Grassauer (Chiemsee), der mal wieder zeigt, wie man Träume an der Wand wahrmacht!

  • Credits Text kletterszene.com
  • Credits Fotos Martin T.
  • Beitragsdatum 10. November 2025