Klettern in Oliana - chris Sharma

Kletterverbot in Oliana: Wie geht es weiter?

Mit einem neuen Beschluss hat die katalanische Regierung das Klettern in Oliana zum 18. Dezember offiziell verboten. Das beliebte Gebiet fällt unter eine neue, 36 Hektar große Schutzzone um Höhlenmalereien in Rom del Rumbau, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sind. Jetzt bahnt sich ein Rechtsstreit zwischen Gemeinde und Regierung an, in dem es auch um Fehler bei der Gesetzgebung geht.

Regierungsbeschluss: Schutzzone für UNESCO-Kulturerbe

Am 16. Dezember veröffentlichte das katalanische Kulturministerium einen Beschluss, der das Klettern in Oliana seit dem 18. Dezember unter Strafe stellt. Hintergrund ist eine Studie aus dem Juli diesen Jahres über die Höhlenmalereien an der prähistorischen Stätte Roc del Rumbau. Diese wurden 1969 entdeckt und sind seit 1998 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Mit ihrem Beschluss ist Kataloniens Regierung jetzt der Empfehlung der neuen Studie gefolgt, eine 36 Hektar große Schutzzone um die Malereien zu etablieren.

Unter die Schutzzone fällt auch das Klettergebiet Oliana, in dem per Gesetzgebung seit dem 18. Dezember „sportliche Aktivitäten, Camping oder das Feuermachen“ verboten sind. Der ehemalige Weltcup-Kletterer Patxi Usobiaga aus Oliana machte diese kurzfristige News auf seiner Website öffentlich, die daraufhin die internationale Klettercommunity erreichte.

Verbot trifft international beliebtes Klettergebiet

Klettern in Oliana - Fight or Flight 9b

Oliana zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Klettergebieten der Welt. Seit den frühen 2000er Jahren wird dort geklettert und Klettergeschichte geschrieben. Mit historischen Routen wie Fight or Flight (9b), La Dura Dura (9b+) und zahllosen weiteren schweren Linien ist Oliana nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel für Profikletter*innen, sondern auch ein bedeutsamer Ort, an dem die Grenzen des Sportkletterns immer wieder nach oben verschoben wurden.

Entsprechend entsetzt fielen die Reaktionen aus der Szene aus, nachdem der Beschluss vom 16. Dezember öffentlich wurde. Catalunya Climb, eine lokale Organisation von Kletter*innen, zeigte sich geschockt von der kurzfristigen Entscheidung der Behörden – zumal es keine Anhaltspunkte für eine mögliche Bedrohung der Höhlenmalereien durch Kletter*innen gegeben hätte.

Es gab zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Anhaltspunkt dafür, dass so ein Verbot in Erwägung gezogen wird. […] Die Entscheidung kam komplett überraschend und wir können die Gründe für diese strengen und gezielten Maßnahmen gegen Kletter*innen nicht nachvollziehen.

Catalunya Climb

Vorwurf: unsauberer Gesetzgebungsprozess

Klettern in Oliana

Unmittelbar nach dem ersten Schock wurden Stimmen aus der örtlichen Community laut, die den Ablauf der Gesetzgebung kritisieren. Der zentrale Vorwurf: Die katalanische Regierung habe die Öffentlichkeit nicht vorab über das Verbot informiert und eine verpflichtende Anhörungsfrist von 30 Tagen ignoriert.

Kletter*innen vor Ort und die Gemeinde Peramola bereiten deshalb eine rechtliche Anfechtung des Beschlusses vor. Das ist bis zu zwei Monate nach der Verkündung der neuen Gesetzgebung möglich – an dem geltenden Verbot ändert sich aber vorerst nichts.

Trotz Verbot: Geklettert wird weiter

Obwohl die Schutzzone das Klettern rund um Roc del Rumbau offiziell untersagt, hat sich Medienberichten zufolge vor Ort vorerst nichts geändert. Wie Climbing Magazine berichtet, setzen weder die Behörden noch die Polizei das Kletterverbot derzeit aktiv durch. Die neue Regelung dürfte viele Kletter*innen kurzfristig getroffen haben, die sich über die Weihnachtsfeiertage in Oliana befinden.

Auch Patxi Usobiaga berichtet auf Instagram, dass derzeit keine rechtlichen Schritte gegen Personen unternommen werden, die in Oliana klettern. Außerdem setze sich der Bürgermeister der Gemeinde Peramola gegen den neuen Beschluss ein – er befinde sich derzeit in Kontakt mit dem katalanischen Kulturministerium.

Klettern in Katalonien: Boom sorgt für Probleme

Die Situation in Oliana wirft Parallelen zu Konflikten um die katalanischen Klettergebiete Santa Linya und Margalef auf. Während in Santa Linya ein Kompromiss erreicht wurde, der das Klettern saisonal begrenzt, wird auch die Situation in Margalef mittlerweile angespannter. Seit Oktober 2025 begrenzen dort automatische Schranken die Zufahrt zu den beiden Hauptklettergebieten. Auch neue Gebühren und eine Online-Registrierung sollen helfen, die Besucherströme zu regulieren.

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Video-Link: https://youtu.be/VoCFajuiDus?si=oEl-9vrEwAjTYRxa
  • Credits Text Julia Gürster f. kletterszene.com
  • Credits Fotos Ks.com Archiv
  • Beitragsdatum 26. Dezember 2025