Janja Garnbret und Sorato Anraku gewinnen Gold in Koper
Am vergangenen Wochenende fand der letzte Lead-Weltcup dieser Saison in Koper (Slowenien) statt. An einer beeindruckenden Außenwand battelten sich die Athletinnen und Athleten vor den anstehenden Weltmeisterschaften in Seoul ein letztes Mal. Die Starterliste war prominent besetzt, schließlich ging es in Koper nicht nur um eine Medaille, sondern auch darum, noch einmal Punkte für die Gesamtweltcupwertung zu sammeln.
Halbfinale

Ein bockstarkes Feld trat an, das wurde schon in der Qualifikation deutlich. Einige Finalfavoriten und bekannte Namen wie Yannick Flohé vom Climbing Team Germany oder der Italiener Stefano Ghisolfi schafften nur knapp den gerade Einzug in die nächste Runde. Schon dort zauberten die Schrauber maximalkräftige und harte Touren an die Wand: Beide Routen waren sehr abwechslungsreich mit Slopern, Leisten und Zangen geschraubt, die Halbfinalistinnen und -finalisten erwartete eine homogene Kletterei mit vielen harten Powermoves. Es galt, keine Fehler zu machen und zu hoffen, dass die Kraftreserven möglichst lange halten.
Bei den Herren gelang Yannick Flohé als einziger Deutscher der Sprung ins Halbfinale. Er legte gleich zu Beginn dieser Runde ordentlich vor und verpasste letztendlich haarscharf um einen Platz das Finale. Die Verletzungspause von Jakob Schubert (Österreich) machte sich nicht wirklich bemerkbar, er bot eine solide Vorstellung und qualifizierte sich für das Finale.
Dort wurde dann ein Generationenbattle geboten: neben den beiden Altmeistern Jakob Schubert und dem Tschechen Adam Ondra qualifizierten sich drei junge Topstars und Anwärter auf den Gesamtsieg: Alberto Ginés López (Spanien), Sorato Anraku (Japan) und Toby Roberts Großbritannien).
Bei den Damen zeichnete sich schon sehr früh ab, dass es dieses Mal wohl keine Tops regnen wird. Viele Athletinnen mussten schon im unteren Drittel um jeden Zug kämpfen und stürzten recht früh. Zunächst erreichte nur die Slowenin Rosa Rekar die Headwall und konnte ihre Besthöhe auch bis zu den Schlussstarterinnen halten. Sie qualifizierte sich als Vierte für das Finale vor heimischen Publikum. Janja Garnbret dominierte – wie erwartet – bereits das Halbfinale. Die Slowenin erreichte als einzige fast das Top, ihre Wertung wurde allerdings wegen Timeout ein paar Züge zurückgesetzt. Am Ende wurde für sie die gleiche Höhe gewertet, die Chaehyun Seo (Südkorea) erreicht hatte. Ob sie die Erwartung ihrer vielen Fans auch im Finale erfüllen würde und den Druck standhalten könnte, blieb also spannend. Neben Janja konnten sich drei weitere Sloweninnen für das Finale der besten Acht qualifizieren, so auch Lucka Rakovec, die nach langer, krankheitsbedingter Pause wieder ganz vorne mitmischt.
Video-Link: https://youtu.be/GfngkLfe274?si=NcKdy7cnSUirAuuU
Finale:

Beide Finalrouten blieben auch ohne spektakuläre Sprünge bis zum Ende spannend, die Routenbauer leisteten in Koper eine perfekte Arbeit. Bei den Herren war der Plan des Chefroutenbauers, das Feld erst in der Headwall zu separieren – sein Plan ging auf. Die erste Hälfte wurde von allen Startern nahezu spielerisch überklettert, erst oben ging’s dann so richtig zur Sache. Anders als schon so oft in diesem Jahr wurden dieses Mal keine spacy New-School-Bewegungen abgefragt – vielleicht waren einige Finalisten deswegen ja sogar erleichtert. Für viele der Zuschauer war es sicher ein Highlight, bei den Herren die langjährigen Kontrahenten Adam Ondra und Jakob Schubert wieder gegeneinander antreten zu sehen. Doch Adams erster Lead-Weltcup 2025 endete für ihn nach einem Fehler im Finale mit einem unerwartet frühen Aus. Sichtlich enttäuscht und ratlos fiel er recht überraschend. Er wirkte noch nicht wirklich platt – das Fragezeichen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Letztendlich wurde er Siebter.
Beim nächsten Starter, Satone Yoshida (Japan), sah die Tour bis zur Headwall wie eine Aufwärmroute aus – er kletterte bis wenige Züge vor das Top und letztendlich auf Platz 4. Neo Suzuki (Japan) dagegen konnte sein Finale nicht lange genießen. Sein Fuß rutschte ihm weg, was zu einem sehr frühen Sturz führte. Jakob Schuberts Saisoneröffnung war dann ein überzeugendes Comeback. Er bot wie schon im Halbfinale einen guten Fight gegen den Pump, sein beeindruckender Auftritt nach einer langen, verletzungsbedingten Zwangspause endete auf Platz 5.
Für eine Überraschung sorgte bei diesem Weltcup Putra Tri Ramadani. Zum zweiten Mal dieses Jahr schaffte ein indonesischer Kletterer den Sprung in ein Lead-Weltcup-Finale. Der junge Indonesier konnte an seine super Leistungen aus den beiden Vorrunden anknüpfen und sein erstes Weltcup-Finale mit Pump in den Armen beenden (Platz 6). Für den Briten TobyRoberts lief es in dieser Saison nicht immer nach Plan, in Koper konnte er wieder überzeugen. Er zeigte einen beeindruckenden Go, konnte trotz rutschendem Fuß und schwierigen Clip sehr weit nach oben klettern und holte sich verdient Bronze. Alberto Ginés López und Sorato Anraku lieferten sich wie schon einige Male in diesem Jahr ein spannendes Battle. Alberto hatte bei den letzten Weltcups jedes Mal Topleistungen gezeigt, stand bei jedem auf dem Treppchen – aber bislang nie ganz oben. Der 22-jährige Spanier wusste nach seinem Go im Finale, dass er so richtig abgeliefert hatte – und jubelte. Alles war für ihn perfekt gelaufen, Gold in Griffweite – aber noch kam Anraku. Als letzter Starter ging dieser an den Start und ließ die Tour wieder einmal spielerisch leicht aussehen. Er kam einen Zug weiter als Alberto (48+), stürzte nur zwei Züge vor dem Top – und holte sich so wie schon im Vorjahr den Sieg.
Bei den Damen war die Finalroute in ähnlichem Stil wie das Halbfinale geschraubt: hart und maximalkräftig. Sloper, Pinches, Leisten und ein kleiner Sprung führten über die Headwall zum Top. Lucija Tarkus (Slowenien) fiel bei ihrem Final-Debüt leider sehr früh (Platz 8), genauso wie ihre Teamkollegin Rosa Rekar (Platz 7). Sie konnten beide ihren Auftritt vor heimischen Publikum leider nicht voll auskosten. Trotzdem weist die 19-jährige Slowenin Rosa dieses Jahr mit vier Finalteilnahmen eine beeindruckende Bilanz auf. Auch die Belgierin Heloise Doumont stand schon das dritte Mal in diesem Jahr im Finale und beendete ihre Saison in Koper mit Platz 6 – ihre bisher beste Platzierung.

Lucka Rakovec hatte die gleiche Höhe wie Doumont, belegte damit wegen des besseren Vorrundenergebnisses aber Platz 5. Einige Züge weiter als die vor ihr startenden Konkurrentinnen kletterte dann Erin McNeice (Großbritannien). Sie setzte sich mit der Höhe 33 vorerst an die Spitze, schien damit aber sehr unzufrieden und war den Tränen nahe – ein Weltcup-Gesamtsieg war zu diesem Zeitpunkt für die Britin aber noch möglich. Die Italienerin Laura Rogora dagegen fühlte sich in der Tour sichtlich wohl, sie erreicht mit der Höhe 37+ die Headwall und holte sich mit dieser Leistung Platz 3. Die Route schien nach den ersten Athletinnen sehr hart, etwas, das Janja Garnbret gut liegt. Ohne zu zögern bewältigte die Queen – gepusht von einem frenetischen Publikum – dann auch eine Crux nach der anderen und bewies, dass sie dem enormen Druck standhalten kann. Kein Zug wirkte knapp, zu keinem Zeitpunkt wirkte sie wirklich platt, bis ihr beim Sprung zum Top der Fuß abrutschte. 47+: eine erneut beeindruckende Leistung, die ihre Dominanz und ihr starkes Nervenkostüm zeigte. Wie bei den Männern blieb es aber auch bei den Damen bis zur letzten Athletin spannend. Chaeyhun Seo musste toppen oder bei gleicher Höhe schneller als Janja klettern, um sich die Goldmedaille zu sichern. Lange wirkte sie sehr stabil, kletterte solide nach oben, doch bei 38+ ging ihr die Puste aus. Das bedeutete Rang zwei und ihre vierte Podestplatzierung in dieser Saison.
Ergebnisse des IFSC Lead Weltcup in Koper 2025:
Herren
1 Sorato ANRAKU • JPN
2 Alberto GINÉS LÓPEZ 2 • ESP
3 Toby ROBERTS • GBR
4 Satone YOSHIDA • JPN
5 Jakob SCHUBERT • AUT
6 Putra TRI RAMADANI • INA
7 Adam ONDRA • CZE
8 Neo SUZUKI • JPN
9 Yannick FLOHÉ • GER
10 Dohyun LEE • KOR
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20 Jonas UTELLI • SUI
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24 Nino GRÜNENFELDER • SUI
25 Shuta TANAKA • JPN
26 Yannick NAGEL • GER
27 Sascha LEHMANN • SUI
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32 Sebastian HALENKE • GER
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37 Felix MADER • AUT
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44 Stefan SCHERZ • AUT
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47 Timo UZNIK • AUT
49 Max DINGER • GER
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55Luca NÜNDEL • GER
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58 Dimitri FLICK • SUI
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Damen:
1 Janja GARNBRET • SLO
2 Chaehyun SEO • KOR
3 Laura ROGORA • ITA
4 Erin MCNEICE • GBR
5 Lucka RAKOVEC • SLO
6 Heloïse DOUMONT • BEL
7 Rosa REKAR • SLO
8 Lucija TARKUS • SLO
9 Chaeyeong KIM • KOR
10 Manon HILY • FRA
11 Ryu NAKAGAWA • JPN
12 Jessica PILZ • AUT
13 Mattea PÖTZI • AUT
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18 Flora OBLASSER • AUT
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26 Ines SCHWAIGER • AUT
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36 Julia FISER • AUT
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47 Magdalena KOMPEIN • AUT
48 Zoé EGLI • SUI
49 Mia GUTTENBERGER • GER
50 Liv EGLI • SUI
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Weltcup-Gesamtwertung

Mit dem letzten Weltcup entschied sich auch, wer die Gesamtwertung für das Jahr 2025 gewonnen hat. Bei den Herren ging Platz 1 mit 4485 Punkten verdient an Alberto Ginés López. Sicher ein kleiner Trost nach seiner erneut knapp verpassten Goldmedaille. Platz 2 ging an Sorato Anraku mit 4145 Punkten. Bronze sicherte sich sein Teamkollege Satone Yoshida mit 4130 Punkten. Die japanische Dominanz zeigt sich schon lange nicht mehr nur im Bouldern, sondern auch im Lead.
Bei den Damen holte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen Erin McNeice mit 4503 Punkten den Gesamtweltcup vor ihrer Kontrahentin Chaehyun Seo (4463 Punkte). Seo hätte in Koper Gold gewinnen müssen, um an McNeice vorbeizuziehen. Platz 3 ging an Laura Rogora mit 3900 Punkte.
Für viele Athletinnen und Athleten bot der finale Weltcup der Saison eine gute Generalprobe für die bevorstehenden Weltmeisterschaften, die Ende September in Seoul stattfinden werden. Noch knappe zwei Wochen bleiben den Starterinnen und Starter nun für den letzten Feinschliff.
Video-Link: https://youtu.be/j0RSjYYGQb0?si=vqpPoCXSY4zZKQ2V