Janja Garnbret und Jernej Kruder gewinnen den Boulder Weltcup in Moskau

Am vergangenen Wochenende wurde in Moskau nicht nur an den Boulder-Blöcken um Weltcup-Medaillen gerungen. Auch die Sprinter unter den Kletterern gaben sich beim ersten Speed-Weltcup ein rasantes Stelldichein und Alma Bestvater bescherte uns einen neuen deutschen Rekord! Bei James Bond wissen wir ja wie es läuft. Beim Weltcup in Moskau schickt Shauna Liebesgrüße via Instagram und die Fälle (in dem Falle Boulderprobleme) sind von allen zu lösen.

 

Auftakt für die „Sekundenzähler“

Der Freitag, stand ganz im Zeichen der Sekunden und Millisekunden: Moskau war gewiß eine würdige Auftaktveranstaltung für den diesjährigen Speed-Weltcup, denn schließlich ist Russland quasi der Geburtsort des Kletterns auf Zeit und hat dort eine lange Tradition. Anno dazumal in den Achtzigern waren selbst die deutschen Überheroen Wolfgang Güllich und Kurt Albert für den Deutschen Alpenverein in Russland am Start, um Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Der ganz wesentliche Unterschied zu damals: Seit 2005 gibt es eine weltweit genormte Speedwand: Immer derselbe Griff auf 15 Metern Wandhöhe in einem immer gleichen Setting an die Wand geschraubt. Das erlaubt vergleichbare Zeiten! Die Hochburgen des Speedkletterns liegen im nahen und fernen Osten – und in Frankreich.

 

Speed-Weltcuppunkte für KVÖ Athleten Alexandra Elmer, Laura Lammer und Lukas Knapp

Aber auch Österreichs schnellste Speed-AthletInnen zeigten durchaus ansprechende Leistungen beim Speed-Weltcupauftakt und sicherten sich Weltcuppunkte gleich zu Saisonbeginn. Alexandra Elmer (08.92 sec, Platz 21) und Laura Lammer (09.20 sec, Platz 26) bei den Damen sowie Lukas Knapp (06.70 sec, Platz 28) schafften den Sprung in die Top-30. Lediglich Matthias Erber (07.01 sec, 35. Platz) verfehlte von den Spezialisten Weltcuppunkte.

 

Neuer deutscher Speed-Rekord für Alma Bestvater!

Dank Olympic Combined schießen nun auch bei uns die Speedwände wie Pilze aus dem Boden und lassen die Zeiten der deutschen Athleten und Athletinnen schrumpfen. Der deutsche Rekord wurde von Jan Hojer aufgestellt und liegt bei 7,079 Sekunden. Die schnellste deutsche Damen war Alma Bestvater in Villars im Jahr 2018 – mit 10,64 Sekunden. Bis jetzt! In Moskau verbesserte Alma ihren eigenen Rekord auf 10,431 Sekunden! Bei den deutschen Herren schnitt Rekordhalter Jan Hojer mit Platz 36 erwartungsgemäß am besten ab.

Wenngleich die Top-Ten gerade bei den Herren sehr stark von Osteuropäern geprägt war, gewann letztendlich mit Bassa Mawem ein Franzose. Er bewältigte die Strecke in 5,73 Sekunden. Bei den Damen war die Chinesin YiLing Song mit 7,38 Sekunden die Schnellste.

Ergebnisse des Speed Weltcups in Moskau 2019


Damen:

1 SONG YiLing CHN
2 JAUBERT Anouck FRA
3 KAPLINA Iuliia RUS

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Herren:

1 MAWEM Bassa FRA
2 DEULIN Vladislav RUS
3 JAELOLO Aspar INA

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Quäl Dich durch die Quali – Drei Deutsche im Halbfinale!

#IFSCwc Moscow 2019 Boulder Semi-Finals © IFSC/Eddie FowkeSie ist gefürchtet und berüchtigt: die Qualifikation eines jeden Boulderweltcups. Eine schier unüberschaubare Anzahl von Kletterern und Klettererinnen muss durch die fünf Quali-Boulder. Und das heißt erstmal Nerven bewahren in der Isolationszone, in der Mann und Frau mitunter einige Stunden totzuschlagen hat. Und je nach Startplatz sind die Klettergriffe nach einiger Zeit auch nicht unbedingt besser in Schuss als zu Beginn, wenn noch keine 200 Kletterer vor einem mit schwitzigen Händen auf die Strukturen eingewerkt haben. Sprich: die Boulderprobleme legen tendentiell an Schwierigkeit zu. Aber Wettkampfklettern ist nun mal zuvorderst ein Mindgame, denn eine adäquate körperliche Fitness ist ohnehin für jede Starterin und jeden Starter obligatorisch. Da kann man noch so viele Einarmige ziehen können: Wenn einem vor lauter Druck die Ohren sausen, dann sind die vier Minuten Kletterzeit schneller um, als man in den Magnesiabeutel greifen kann.

Wohl dem, der wie die Slovenin Janja Garnbret, die Gewinnerin von Meiringen, einfach mal alle fünf Qualiboulder flasht, also im ersten Versuch klettert – besser geht es nicht! Und klarer kann man seine Dominanz nicht demonstrieren. Der Tscheche Adam Ondra hingegen, der Gewinner am letzten Wochenende in Meiringen, rutschte als 19ter gerade noch so ins Halbfinale. Jan Hojer zeigte mit vier Tops, wo der Hammer hängt und zog als Dritter in die nächste Runde. Alex Megos war als 13. ebenso solide ins Halbfinale geklettert, wie auch Afra Hönig (Sektion Landshut), die als 17. ins Halbfinale einzog – eine erstklassige Leistung! Alma Bestvater fehlten ein Top und eine Zone, um ihren Teamkameraden in der nächsten Runde Gesellschaft leisten zu können. Auch Yannick Flohé verpasste das Semifinale mit Rang 23 sehr knapp, denn er hatte leider ein paar Versuche zuviel für die drei Tops und fünf Zonen auf seinem Laufzettel.

 

Afra Hönig erneut sehr gut in Form!

Das Halbfinale entpuppte sich dann bei den #IFSCwc Moscow 2019 Boulder Semi-Finals  © IFSC/Eddie FowkeDamen als deutlich zu hart: Die Japanerin Futaba Ito kam sogar ohne ein einziges Top ins Finale, ihr reichten drei Zonen. Oft genug ist das Routesetting genau auf den Punkt – das konnte man von dieser Runde leider nicht behaupten. Von den jeweils zwanzig Halbfinalistinnen müssen vierzehn ausgesiebt werden, um dann die besten sechs im Finale klettern zu lassen. Große Namen wie Petra Klingler, immerhin die Weltmeisterin von 2016, mußten sich von dem zu harten Boulderset geschlagen geben. Afra Hönig erreichte mit Platz 14 wieder ein starkes Ergebnis.

Bei den Herren war Adam Ondra im Halbfinale mit vier Tops der klare Sieger. Alle anderen Finalisten kletterten lediglich zwei Boulder. Alex Megos und Jan Hojer belegten die sehr guten Plätze 15 und 12.

 

Jessica Pilz und Sandra Lettner führen starkes KVÖ-Damenteam im Bouldern an

#IFSCwc Moscow 2019 Boulder Semi-Finals  © IFSC/Eddie FowkeStark präsentierten sich Österreichs Boulder-Damen beim zweiten Weltcup der Saison. Mit Jessica Pilz, Sandra Lettner, Berit Schwaiger und Johanna Färber schafften gleich vier KVÖ-Athletinnen den Sprung ins Halbfinale. Insbesondere Jessica Pilz  zeigte sich in allen Runden von ihrer besten Seite, qualifizierte sich souverän für das Finale und beendete schlussendlich den Bewerb auf den starken fünften Endrang.  

Das eine Mal bist du als 21. in der Qualifikation vorzeitig draußen und beim nächsten Bewerb stehst du im Finale. Ich habe nach Meiringen versucht locker zu bleiben und auch das gute Gefühl vom Speed-Bewerb am Freitag mitgenommen. Das Top5-Ergebnis ist im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation extrem viel wert und nach Platz 21 in Meiringen eine Riesenerleichterung!“ freute sich Jessica Pilz nach dem Boulder-Finale Sonntagabend.

Ähnlich ist die Gefühls-Lage auch bei YOG-Goldmedaillengewinnerin Sandra Lettner. Die 17-jährige zeigte mit Platz 12 beim Boulder-Weltcup in Moskau erneut auf und darf sich über einen nahezu perfekten Saisonauftakt freuen.

„Die ersten drei Bewerbe sind für mich einfach super gelaufen. Ich versuche mir keinen Druck zu machen und von Bewerb zu Bewerb zu schauen. Das klappt bisher ganz gut. Ich freue mich nun auf die nächsten Speed- und Boulder-Bewerbe in China in 2 Wochen!“

Berit Schwaiger schaffte in Moskau erneut den Sprung ins Halbfinale und belegte schlussendlich Platz 20. Die Steirerin Johanna Färber zeigte in ihrem ersten Weltcup der Saison eine starke Leistung und belegte schlussendlich Platz 17. Keine Weltcuppunkt gab es hingegen für Mattea Pötzi  und Julia Pinggera  auf den Plätzen 43 bzw. 51.
Im Gegensatz zu den Damen konnten Österreichs Herren beim Boulder-Weltcup in Moskau nicht überzeugen. Einzig Jakob Schubert konnte sich auf Platz 27 in den Weltcuppunkterängen platzieren.

 

Shauna Coxsey ist zurück!

Das Damenfinale versprach viel Spannung. #IFSCwc Moscow 2019 Boulder Semi-Finals  © IFSC/Eddie FowkeDie Britin Shauna Coxsey, die nach langer Verletzungszeit erst wieder in Meiringen auf der Weltbühne erschien, war aus dem Halbfinale als Beste hervorgegangen. Ein klares Zeichen an ihre Konkurrentinnen, dass ihre lange Abwesenheit vom Weltcup-Zirkus nicht dazu angetan ist, sie von der Favoritenliste zu streichen. Janja Garnbret aus Slovenien hatte sich als 2. ins Finale gebouldert und ließ dort dann aber auch gar nichts mehr anbrennen: Vier geflashte Tops – von vier! Da konnte ihr auch Shauna Coxsey nicht das Wasser reichen und musste aufgrund von mehr Versuchen mit Silber Vorlieb nehmen. Dritte wurde die elegant aufkletternde Französin Fanny Gibert. Waren die Semifinal-Boulder viel zu hart, war es in der Runde der letzten Sechs wohl eines der kürzesten Finale der Weltcup-Geschichte, da die wenigsten die vollen vier Minuten benötigten, um die Boulder in Grund und Boden zu klettern.

 

Der zweite Weltcup-Sieg für Adam Ondra?

Da waren die Probleme der Herren wesentlich widerspenstiger. Viele setzten ihre Wetten auf Adam Ondra, den Sieger vom letzten Wochenende in Meiringen. Er hätte den Sieg auch wieder klarmachen können, wenn er den letzten Boulder in entsprechend wenigen Versuchen hätte klettern können. Hätte, hätte, Fahrradkette: Es heißt hopp oder top, womit der dauergrinsende Jernej Kruder aus Slovenien an dem Tag am besten zurechtkam: Er war als 6. des Halbfinales gerade noch ins Finale gerutscht, starte ergo als Erster und kletterte als Einziger den besagten Boulder, den Adam Ondra hätte schaffen müssen. Und das dazu auch noch im Flash! Alle Sport-Experten daheim am Bildschirm wähnten sich deshalb mit ihrer Vermutung auf der absolut sicheren Seite, dass „der Adam, wenn er an der Reihe ist, den Boulder gewiß auch flasht und seinen zweiten Weltcup-Sieg einheimst. Prost!“ Aber nichts da, Jernej gewann vor Ondra und dem Japaner Yoshiyuki Ogata.

Ergebnisse des IFSC Boulder Weltcup in Moskau 2019


Damen:

1 GARNBRET Janja SLO
2 COXSEY Shauna GBR
3 GIBERT Fanny FRA

4 RAKOVEC Lucka SLO
5 PILZ Jessica AUT
6 ITO Futaba JPN
7 SA Sol KOR
8 KLINGLER Petra SUI
9 YIP Alannah CAN
10 PHILLIPS Emily GBR
10 KAZBEKOVA Ievgeniia UKR
12 LETTNER Sandra AUT

14 HÖNIG Afra GER

17 FÄRBER Johanna AUT
19 KADIC Katja SLO
20 SCHWAIGER Berit AUT

27 YOKOYAMA Sofya SUI

33 KÜMIN Andrea SUI

39 BESTVATER Alma GER

43 PÖTZI Mattea AUT
45 BLAIR-COYLE Sierra USA
45 MEUL Hannah GER

51 KOLLER Anne-Sophie SUI
51 PINGGERA Julia AUT

57 LOCHNER Leonie GER
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Herren:

1 KRUDER Jernej SLO
2 ONDRA Adam CZE
3 OGATA Yoshiyuki JPN

4 PEHARC Anze SLO
5 KAWAMATA Rei JPN
6 TIMONOV Vadim RUS
7 CORNU Manuel FRA
8 INOUE Yuji JPN
9 FUJII Kokoro JPN
10 CHON Jongwon KOR
11 RUBTSOV Aleksey RUS
12 HOJER Jan GER

15 MEGOS Alexander GER

23 FLOHÉ Yannick GER

25 LEHMANN Sascha SUI

27 SCHUBERT Jakob AUT

33 DORNAUER Alfons AUT

35 KLINGLER Florian AUT

38 HAERTL Dominik AUT

45 BLASER Benjamin SUI

53 POSCH Jan-Luca AUT

61 HEINIGER Kevin SUI
61 MARSCHNER Kim GER
64 FAVRE Nils SUI
65 MARTIN Philipp GER

76 PARMA Georg AUT
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Next Stop: China

Die nächsten 4 Weltcup-Bewerbe gehen in China über die Bühne. Sowohl in Chongqing (26. bis 28. April) als auch eine Woche später in Wujiang (3. bis 5. Mai) steht jeweils ein Speed- und Boulderweltcup am Programm.

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