Die jungen Wilden im Interview [Moritz Welt aus Franken]

Mit gerade einmal 14 Jahren kletterte Moritz Welt seine ersten Elfer, „Father and Son“ (8c) an der Trockauer Wand. Danach folgten noch viele harte Touren und Boulder, die Ticklist des inzwischen 19-jährigen Franken ist lang und beeindruckend: 50 8c´s, 20 8c+-Touren und sieben 9a´s sind darauf zu finden, als seine persönlichen Highlights nennt Moritz „Heiliger Gral“, seine erste 9a, die er mit 16 Jahren in der Fränkischen kletterte, und „La Reina Mora“, eine 9a-Tour, die er vergangenes Jahr in Siurana punktete. Und auch beim Bouldern ist seine Bilanz mit alleine 29 8B´s und neun 8B+-Bouldern auch nicht gerade ohne. Im vergangenen Jahr machte Moritz Abi, danach konzentrierte er sich ganz auf das Klettern, eigentlich wollte er ein Jahr lang viel reisen und neue Kletter- und Bouldergebiete kennenlernen, aber Corona machte auch ihm einen Strich durch die Rechnung. So blieb Moritz in Franken – und zockte eben dort ab.

Ks.com: Moritz, die langen Wochen des Lockdowns scheinst du ja nicht auf dem Sofa verbracht zu haben – wie hast du trainiert?

Moritz Welt: Ich war vor allem viel draußen unterwegs, ich habe die Felsen ja vor der Haustüre und keine weite Anfahrt. Zu Beginn, in der ersten Phase, war ich alleine bouldern oder mit meiner Familie klettern, später dann war ich mit nur einem Freund am Fels. Wir sind natürlich kein Risiko eingegangen, damit auch ja nichts passiert. Zuhause habe ich aber kaum trainiert, das mache ich eigentlich nur in der Wintersaison. Sonst bin ich eigentlich immer draußen klettern.

Corona hat aber auch deine Pläne ganz schön durcheinander gebracht. Wo wärst du in diesem Frühjahr denn eigentlich gewesen?

In diesem Frühjahr wollte ich mich eigentlich auf das Bouldern konzentrieren und in den Alpen unterwegs sein, um dort ein paar Projekte anzugehen. Das ging ja dann aber nicht und deshalb bin ich Zuhause geblieben, habe mich hier auf meine Projekte konzentriert und mir einige Klassiker vorgenommen.

Du hast ja dann auch in Franken und zuletzt im Altmühltal ganz schön abgezockt. Was waren deine Highlights?

Das war in diesem Frühjahr „Wallstreet“, die weltweit erste 8c, die wollte ich eigentlich schon lange machen. Und dann noch eine 9a, „Nice Freshly Baked“, die ich schon vergangenes Jahr probiert habe und die jetzt ging. Vor Kurzem habe ich dann noch im Altmühltal „Kanal im Rücken“ gemacht, die weltweit erste 8b, die Wolfgang Güllich 1984 kletterte und die mir für diesen Grad ehrlich gesagt relativ schwer fiel. Ich klettere gerne die großen Klassiker, die einen ganz anderen Stellenwert haben. Wie „Adrenalin“, die Tour habe ich vor etwa einen Monat in Burggrub in Franken gemacht, auch ein Güllich-Klassiker, den man zum Teil selbst absichern muss oder „Intifada“ im Altmühltal, die erste 8c, die es dort gab.

Moritz Welt kletterszene interview

Hast du dir „Corona“, die Tour von Markus Bock, die du gerade projektierst, eigentlich wegen des Namens ausgesucht – oder war das nur ein Zufall?

Na ja, diese Tour zu probieren war für mich deshalb naheliegend, da sie eine der wenigen 9a+-Routen und vielleicht die beste in diesem Grad in Franken ist. Aber vielleicht bekam ich durch die Corona-Krise auch den Denkanstoß, die Tour zu probieren. Wäre geil, wenn ich das klettern könnte. Jetzt, in den Sommermonaten, ist es aber eher zu heiß dafür.

Was hast du noch für Projekte?

Ich habe noch ein paar Monate in meinem freien Jahr übrig und möchte die so gut wie möglich nutzen. Ich will den Sommer über gerne in Ceüse klettern und dort „Biographie /Realization“, die berühmte 9a+ von Chris Sharma“, probieren. Ansonsten habe ich momentan aber keine konkreten Pläne.

Ist es für dich eigentlich normal, in deinem Alter Routen in diesem Schwierigkeitsgrad zu klettern?

Richtig normal vielleicht nicht, aber es wird immer normaler, das zu tun. Heute klettern immer mehr Kids schon sehr früh sehr schwer – ich habe neulich von einem Zehnjährigen gelesen, der eine 8c geklettert ist… und Adam Ondra hat als 15-Jähriger „Action Directe“ gemacht. Also so etwas Besonderes wie vor fünf oder zehn Jahren ist es sicher nicht mehr, aber es gibt momentan jetzt auch nicht so viele Kletterer, die in meinem Alter in diesem Grad unterwegs sind. Das ist dann schon eher selten. Aber ich bin da auch so reingewachsen: Ich bin es gewohnt, mich draußen durch die Touren zu probieren. Ich habe nicht das Gefühl, dass das so etwas Elitäres ist, es fühlt sich für mich wahrscheinlich normaler an, als es tatsächlich ist.

Wie kamst du zum Klettern?

Meine Eltern klettern beide und haben mich schon im Kinderwagen mit zum Fels genommen. Als ich dann in den ersten Gurt gepasst habe, habe ich die ersten Versuche gestartet. Ich bin aber von meinen Eltern da nie reingetrieben oder trainiert worden. Spaß an der Sache zu haben, den habe ich für mich selbst gefunden – das ist, denke ich, auch mit das Wichtigste, dass man etwas gerne und freiwillig, aus sich selbst heraus, macht.

Du hattest ja auch einmal ein kurzes Intermezzo als Wettkampfkletterer. Aber das scheint dich nicht wirklich interessiert zu haben, oder?

Ja, das war damals noch bei der Jugend B, damals musste man sich auch noch nicht für Deutsche Jugendcups qualifizieren. Ich bin bei zwei Boulderwettkämpfen und einem Leadcup gestartet und war gar nicht so schlecht. Aber ich habe die Atmosphäre dort nicht so gefeiert. Das war nicht so schön, wie draußen zu klettern. Das Wettkampfklettern gibt mir weniger, als schwere Touren am Fels zu klettern.

Bei einem Wettkampf musst du auf den Punkt genau, in einem ganz bestimmten Moment, abliefern – das ist am Fels anders. Also ich würde zwar jetzt auch nicht sagen, dass das Wettkampfklettern mir gar keinen Spaß gemacht hat… aber ich müsste mich ja erst einmal qualifizieren, um überhaupt starten zu können. Da müsste ich zu viel Zeit investieren, das lohnt sich einfach nicht. Im Moment mache ich mir darüber gar keine Gedanken, aber vielleicht ist es ja dann in drei oder vier Jahren eine Option – wer weiß.

Vor Kurzem warst du auch in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks zu sehen… und wurdest im Trailer als „neuer Star am fränkischen Kletterhimmel“ bezeichnet. Wie gehst du mit der medialen Aufmerksamkeit um?

Ich mache nach wie vor einfach mein Ding. Wenn Leute Erwartungen an mich haben, lasse ich mich davon nicht stressen oder unter Druck setzen. Wenn es nicht so läuft oder ich keinen Bock habe, dann ist es eben so.

Und wie geht es nun weiter mit Moritz Welt?

Ab Herbst werde ich in Erlangen studieren. Und erstmal weiter zu Hause wohnen, mitten in der Franken. Und dort dann möglichst viel Zeit am Felsen verbringen.

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