Ines Papert bei ihrer Erstbegehhung in Norwegen

Vier neue Linien in Norwegen: Ines Papert gelingt beeindruckende Serie an Erstbegehungen

Die Alpinistin Ines Papert hat Anfang 2026 gemeinsam mit norwegischen Partnern vier anspruchsvolle Erstbegehungen in Sunndalen und Eikesdal realisiert. Die Routen verbinden Mixed‑Kletterei auf hohem Niveau, lange Eispassagen und ernsthafte alpine Commitments in teils völlig unerschlossenem Gelände. Alle Linien wurden clean und frei geklettert.

Ines Papert beschreibt die Region als „verborgene Oase voller unberührter Möglichkeiten“. Gemeinsam mit ihren lokalen Partner erschloss die 51-Jährige das Gelände zunächst mit Ferngläsern und Karten – darauf folgten schließlich lange Erkundungstage, um neue Routen auszumachen. Die Wahl der Ziele beruhte auf Erfahrung, Intuition und Tatendrang:

Man sieht eine Linie nicht nur – man muss sich auch trauen, sie zu probieren.

Ines Papert

Die vier Erstbegehungen im Überblick

Ines Papert bei ihrer Erstbegehung einer Mixedroute in Norwegen

Iskafe – 350 m, M5, WI6/6+ (Kaffiberget, Eikesdal)

Los ging es bereits Ende Januar: Als erstes eröffnete Papert gemeinsam mit Dåg Jørund Vik und Odd T. Sæbø eine Linie durch steiles Eis und moderates Mixed‑Gelände. Dabei startete das Team im Dunkeln – ein Muster, das alle vier Touren prägte.

Orion’s Belte – 1.000 m, M4+, WI5 (Middagshaugen, Eikesdal)

Die längste Route der Serie folgte am 1. Februar und führte 1.000 Meter durch die Westwand des Middagshaugen. Die Kombination aus moderatem Mixed‑Klettern und durchgehend ernsthaftem Ambiente machte die Begehung zu einer klassischen alpinen Unternehmung mit langem Rückzug.

Gjølatappen – 350 m, M8, WI6 (Gjøla NW-Wand, Litldalen, Sunndalsøra)

Am 11. Februar erschlossen Papert, Stenkjær und Eivind Hugaas den Gjølatappen. Die Route sticht durch spektakuläre Kletterei zwischen hängenden Eisvorhängen hervor. Überraschend offenbarten sich hinter den Eisstrukturen immer wieder sichere Risse für mobile Sicherungen. Die freie Rotpunktbegehung gelang erst im zweiten Anlauf.

Fleeting Glory – 750 m, M7+, WI6+ (Hovsnebba, Sunndalsøra)

Am 15. Februar 2026 gelang Papert zusammen mit Torje Stenkjær schließlich die freie Erstbegehung der Südwand des Hovsnebba. Die Kombination aus steilen Mixed‑Passagen und schwerem Wasserfallklettern führte durch eine markante, bislang ungekletterte Linie.

Eine der vier Linien sorgte im Tal für unerwartete Aufmerksamkeit: Besorgte Anwohner hielten die Kletterer rund um Papert für in Not geraten. Sie alarmierten vorsorglich Polizei und Bergrettung – ein Missverständnis, das sich rasch klärte, da das Team die Aktivitäten vorab angemeldet hatte.

Norwegen: viel unerschlossenes Potenzial

Die vier Erstbegehungen zeigen eindrücklich, wie viel Potenzial Norwegens Wände im Winter zu bieten haben – und wie entscheidend die Zusammenarbeit mit lokalen Alpinisten sein kann, um an verborgene Orte zukommen. Papert fasst am Ende ihren Norwegen Trip schlicht zusammen:

Man muss etwas versuchen, um es zu erreichen.

Ines Papert

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Video-Link: https://youtu.be/AXnVqeYefW4?si=FJ9kwGJ-plQNjD-G
  • Credits Text Kletterszene.com
  • Credits Fotos Ines Papert
  • Beitragsdatum 11. März 2026