Immer mehr „Städter“ gehen zum Alpenverein

Über 573.000 Menschen sind inzwischen Mitglied beim Österreichischen Alpenverein (ÖAV) – das bedeutet einen Zuwachs von mehr als 28.000 Vereinsangehörigen in nur einem Jahr! Dass das Interesse am Bergsport und Naturschutz auch im urbanen Bereich enorm wächst, verdeutlicht die aktuelle Mitgliederstatistik des Alpenvereins. So stellen die Zweigvereine in den Landeshauptstädten inzwischen beinahe die Hälfte aller Alpenvereinsmitglieder, die größten Alpenvereinssektionen sind in Wien und Innsbruck angesiedelt. Die Verbindung Stadt-Berge ist kein Widerspruch, bestätigen die Vertreter des größten Bergsportvereins in Österreich und analysierten den Zustrom der „Städter“ im Rahmen einer Pressekonferenz.

Einen größeren Mitgliederzuwachs hat es beim Alpenverein erst einmal seit Beginn der Zählungen gegeben: 28.136 weitere Mitglieder gehören dem Bergsportverein seit dem Stichtag am 31. Dezember 2018 an. Bei einer Gesamtzahl von 573.178 Mitgliedern bedeutet das einen Zuwachs von 5,2 Prozent.

 

Fast ein Viertel aller Mitglieder in Wien

Alleine in der Bundeshauptstadt Wien zählte der Alpenverein 2018 beachtliche 136.058 Alpenvereinsmitglieder – das sind fast ein Viertel aller Mitglieder österreichweit und über 9.000 Wiener Bergsportbegeisterte mehr als im Vorjahr. Die drei größten Zweigvereine des Alpenvereins (Alpenverein Edelweiss, Innsbruck und Austria) sind in Wien und Innsbruck beheimatet und können jeweils rund 50.000 Mitglieder für sich verbuchen.

 

Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Ursprünglichkeit

Dass der Zulauf zum naturnahen Alpenverein vor allem im urbanen Bereich derart stark ausgeprägt ist, ist für die ehrenamtliche Vereinsführung leicht nachvollziehbar: „Der Alpenverein wurde vor über 150 Jahren in Wien gegründet und ist daher seit jeher auch in den Städten verwurzelt. Mit seinem regen Netzwerk aus Sektionen in ganz Österreich engagiert sich der Alpenverein dafür, die Ausübung des Bergsports zu fördern, die Schönheit der Bergwelt zu erhalten und den Menschen einen sanften und verantwortungsbewussten Weg in die Berge zu eröffnen – und das funktioniert auch, wenn der Vereinssitz in der Großstadt liegt“, sagt Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora.

„In unserer zunehmend digitalisierten und naturfernen Welt wächst das Bedürfnis nach Naturerlebnissen, nach Ruhe und Ursprünglichkeit. Diese tiefe Sehnsucht nach ‚draußen‘ zu stillen, hat sich der Alpenverein zum Auftrag gemacht„, so Ermacora weiter. Mit seinen vielfältigen Touren- und Ausbildungsangeboten und einem weit gespannten Hütten- und Wegenetz kommt der Alpenverein diesem Bedürfnis nach. Zudem engagiert er sich mit Nachdruck für die Nutzung und Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel, damit die „Wege ins Freie“ auch umweltschonend in Angriff genommen werden können.

 

Bergsport auch mitten in der Stadt erleben

Auch in den Stadtzentren selbst schafft der Alpenverein immer mehr Angebote, die bergsportliche Betätigung ermöglichen. So betreut er bereits mehr als 150 künstliche Kletteranlagen und Kletterhallen in ganz Österreich, in denen Kletterkurse mit eigens ausgebildeten Trainern auf eine optimale Vermittlung der Kletter- und Sicherungstechnik setzen.

In Wien betreiben die sechs Zweigvereine gemeinsam acht Kletteranlagen mit über 6.940 m² Indoor-Kletterfläche. Zudem betreuen sie von ihrem Vereinssitz aus 55 Alpenvereinshütten samt dazugehörigem Wegenetz. Österreichweit haben die 197 Sektionen des Alpenvereins insgesamt 230 Hütten und 26.000 km Wege in ihrer Obhut.

Ein weiteres Erfolgskriterium für die zunehmende Präsenz des Alpenvereins in den Städten waren im vergangenen Jahr Sicherheitsinitiativen wie das „Lawinen Update“(www.alpenverein.at/lawinenupdate). Bei der Vortragsreihe mit 22 Stopps in ganz Österreich konnte sich das sportliche Publikum kostenlos über Lawinengefahr, Notfallausrüstung und die richtige Tourenplanung im Winter informieren. Sämtliche Vorträge waren bis auf den letzten Platz gefüllt, rund 980 Interessierte besuchten alleine die beiden Vortragstermine in Wien.

 

Vielfalt als Erfolgsrezept

Und wie sieht der Alltag in der größten Sektion Österreichs aus? Der Wiener Alpenverein Edelweiss organisiert für seine 56.905 Mitglieder mehr als 1.000 Touren und Kurse pro Jahr, um ihnen das breite Spektrum des Bergsports vermitteln.

In Wien bietet die Sektion nun auch ein spezielles Programm für Einsteiger. Dazu Bernhard Stummer, 1. Vorsitzender des Alpenverein Edelweiss: „In einer Großstadt wie Wien gibt es natürlich viele Menschen, die das Naturerlebnis suchen. Ihnen möchten wir den Einstieg ins ‚Bewegen in der Natur‘ erleichtern und auch jenen Menschen, die sportlich nicht so leistungsbezogen sind, ein breites Feld eröffnen. Das sehen wir im Alpenverein als unseren Beitrag zur Gesundheitsförderung.“

Das vielfältige Betätigungsfeld des Vereins ist definitiv ein Erfolgsrezept, ist auch Csaba Szépfalusi, Alpinreferent und Tourenführer im Alpenverein Edelweiss, überzeugt: „Mit der wachsenden Mitgliederzahl steigen auch die Ansprüche an unseren Verein. Nur ein engagiertes ehrenamtliches Team – bei uns über 200 Personen – schafft es, gemeinsam die unterschiedlichsten Bedürfnisse abzudecken. Von der Skitour am Schneeberg über den Boulderkurs in der Halle, das Lawinentraining und die Müllsammelaktion, bis hin zur anspruchsvollen Hochtour in den Westalpen ist im Programmangebot des Alpenvereins alles enthalten, was das naturliebende und sportbegeisterte Herz begehrt.“ Auch der Ausrüstungsverleih in den Geschäftsstellen der Alpenvereinssektionen wird immer wieder gerne in Anspruch genommen.

 

Erfolgskurs geht weiter

„Der stetige Mitgliederzuwachs in den Landeshauptstädten zeigt deutlich auf, dass die Verbindung Stadt-Berge alles andere als ein Widerspruch ist. Unser abwechslungsreiches Freizeitangebot macht den Alpenverein besonders auch für ‚Städter‘ attraktiv“, betont Fritz Macher, erster Vorsitzender des Wiener Alpenverein Austria.
Ein Ende dieser Entwicklung ist vorerst nicht abzusehen, so Dieter Holzweber, erster Vorsitzender des Alpenverein Gebirgsverein in Wien: „Der Bergsport und die Nähe zur Natur liegen weiter hoch im Kurs. Wir freuen uns, dass dadurch auch unsere Arbeit für den Alpenverein österreichweit einen solchen Zuspruch erfährt. Wir werden uns auch zukünftig für die Werte des Vereins einsetzen und unseren Mitgliedern – und all jenen, die es noch werden wollen – ihre ganz individuellen ‚Wege ins Freie‘ ermöglichen.“

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