Granitabenteuer in der Arktis: Klettern an der Südspitze Grönlands

Ein sechsköpfiges Team der Münchner DAV Sektion Bayerland verbrachte im Sommer drei Wochen auf einer unbewohnten Insel in Südgrönland, auf der Suche nach perfektem Granit, neuen Kletterlinien und einsamen Gipfeln.

Sie wurden fündig: Den Kletterern (Peter Gloggner, Georg Pollinger, Michael Spoerl, Joachim Stark, Michael Steuerer, Thomas Thanner) gelangen mindestens drei Erstbegehungen (bis zu 500 Meter Wandhöhe, Schwierigkeiten bis zum unteren 7. Grad UIAA) und die Besteigung von zehn Gipfel der Region.

Die Reise führte auf die gleiche Insel, auf der bereits vor 25 Jahren eine Bayerländer-Gruppe Pionierarbeit bei der Erschließung des Felspotenzials auf Grönland geleistet hat. 2019 schlugen die sechs Bergsteiger ihr Lager jedoch an einem Fjord auf der noch weniger bekannten gegenüberliegenden Seite der Insel auf. Drei Wochen verbrachten die Kletterer im Zelt, knapp über Meereshöhe, überragt von 1300 Metern Fels.

Die Seilschaften waren mit minimalem Gepäck unterwegs und unternahmen Tagestouren, d. h. ein Biwak war nicht vorgesehen. Die Felsqualität war größtenteils sehr gut, der Granit rau und fest und von vielen Rissen durchzogen. Die mitgebrachte Bohrmaschine kam nicht zum Einsatz, auch Haken wurden nicht geschlagen. Alle Routen sind mit mobilen Sicherungsmitteln gut abzusichern. Nur bei einer einzigen Route, am sogenannten „Butler“, fanden Georg Pollinger und Joachim Stark Spuren einer früheren Begehung: Reste von Abseilschlingen und Rückzugskarabiner, die wahrscheinlich von einer britischen Seilschaft stammen, die vor 16 Jahren eine ähnliche Linie versuchte.

Das grönländische Wetter war den Kletterern hold und stellte die langjährige Statistik auf den Kopf: Statt Schlechtwetter an jedem dritten Tag zwangen insgesamt nur zwei Regen- und Windtage die Bergsteiger zur Untätigkeit. Die Schadensbilanz beläuft sich lediglich auf ein paar im Sturm gebrochene Zeltstangen – und der raue Granit riss das ein oder andere Loch in Jacken, Hosen und Rucksäcke.

Glück im Unglück hatte Peter Gloggner aus Kreuth, Initiator der Expedition und mit 66 Jahren Gruppenältester. Der extrem erfahrene Bergsteiger verletzte sich bei einem Sturz nach einem Griffausbruch an der Wirbelsäule. Er konnte die Tour aus eigener Kraft fortsetzen und ins Basislager absteigen. Gloggner sagt dazu: „Eine Rettungsaktion wäre äußerst problematisch gewesen. Es gibt da ja keine professionelle Bergrettung und Helikopterbergungen mit Longline, wie sie in den Alpen meist in kürzester Zeit erfolgen, sind nicht möglich.“ Bergsteigen in Grönland ist auch in Zeiten der Globalisierung ein Abenteuer – mit unwägbaren Gefahren.

  • Vortrag zur Reise: 1. Dezember 2019, TGM, Zentralländstr. 4, 81379 München (in den Räumen der Kanu-Club Turngemeinde München e.V.)
  • Mehr Infos: www.alpenverein-bayerland.de

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