Fabian Christof resümiert seinen Herbst

Fabi kommt ja durchaus das ein oder andere Mal bei uns in den News vor, diesmal hat er uns einen kleinen Bericht über seinen ziemlich erfolgreichen Herbst 2011 geschickt. Danke dafür :)

Die Umstellung von perfektem, rauem und optisch ansprechendem Sandstein auf glatten, dunklen und nicht selten feuchten Kalk viel mir nach Afrika nicht wirklich leicht!

So kam es, dass ich den heimischen Felsen bereits im August erstmals den Rücken zu kehrte und Training an der häuslichen Boulderwand bevorzugte. Natürlich wäre das ausschließliche Klettern am Plastik zu dieser Jahreszeit, fast schon ein bisschen masochistisch. Drum boten die Alpenregionen mit ihrer schönen Landschaft, den kühleren Bedingungen und nicht selten sehr köstlichen kulinarischen Genüssen, eine akzeptable Übergangslösung bis zur Bouldersaison.

Fast alle Trips gingen entweder in die Schweiz oder nach Österreich. Gerade für die wirklichen heißen Tage sind die Boulder im Zillertal und in der Silvretta keine ideale, aber immerhin eine akzeptable Lösung. Bei sommerlichen 30 Grad kann man wenigsten im ein oder anderen Schattenloch ein paar Züge machen, bevor man sich irgendwann an einem der vielen wunderschönen Gebirgsbächen eine wohlverdiente Abkühlung verschafft. Im Zillertal habe ich mir endlich eine verdiente Begehung vom „Pressure Drop“ 8A, geholt. Nachdem ich den Boulder immer bei sehr hohen Temperaturen und mit einer viel zu schweren Variante versucht habe, brachten kühlere aber dafür ziemlich nasse Bedingungen in Kombination mit einer neuen Sequenz der Crux, den erlösenden Segen.

Nicht so hartnäckig wie Pressure Drop ergab sich „Charity Boulder“ 8B in der Silvretta. Nachdem ich vor zwei Jahren ganz knapp an der Erstbegehung des imposanten Daches gescheitert bin, hat mein spanischer Freund Ignazi den Boulder im September erstbegangen. Direkt im nächsten Versuch konnte ich dann nachziehen und sicherte mir so die erste Wiederholung. In den vergangenen Wochen erfreute sich der Boulder reger Beliebtheit und gilt inzwischen als einer der besten des Gebietes. Seinen Namen erhielt der Boulder übrigens vom gleichnamigen Treffen in Flirsch, das jedes Jahr im September stattfindet. Bei freundlicher und entspannter Atmosphäre kann man entweder bei einem offenen Wettkampf teilnehmen oder sich an fränkischem Bier und Tiroler Köstlichkeiten erfreuen. Abgerundet wird der sowieso schon zehrende Klettertag durch eine noch anstrengendere Afterparty. Der Erlös des ganzen Tages wird für einen guten Zweck gespendet. Bei einem solchen Charity Boulder trifft man dann auch so nette Leute wie eben Ignazi, der seiner Erstbegehung diesen Namen gab.

Nach diesem Ausflug ging es dann erst mal mit dem Einstieg ins Berufsleben weiter. So begann ich am 14. September mein Leben als angehender Berufsschullehrer und meldete mich an meiner Seminarschule als Studienreferendar zum Dienst. Bleibt da dann noch Zeit zum Klettern? Nun ja, eigentlich schon! Man(n) oder Frau muss die Interessenschwerpunkte nur ein wenig anders legen. So war ich in der Vergangenheit ein überzeugter Outdoor-Kletterer, der nur bei schlechtem Wetter ans Plastik gegangen ist. Inzwischen sieht mich die heimische Boulderwand öfters, was bisher jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Form hatte. Ganz im Gegenteil! Training über einen längeren Zeitraum lohnt sich. So konnte ich im Avers den Boulder „One Summer In Paradise“ 8B und zu Hause ein wunderschönes 8B Dach wiederholen.

Vor circa 3 Wochen habe ich mir nach langer Zeit mal wieder „Sniper“ angeschaut. Dabei handelt es sich um eine sehr kurze Tour von Markus Bock mit dem Bewertungsvorschlag 8c+. Die Linie besteht aus 12 maximalkräftigen Zügen an kleinen Leistchen. Neben einer guten Portion Fingerkraft sind auch eine gute Körperkraft und eine anständige Menge an Spannung notwendig. Das erste Mal habe ich mich glaube vor 7 Jahren (bin ich wirklich schon so alt?) an dem Teil versucht und seit dem immer mal wieder, mit mehr oder weniger Erfolg. Dieses Jahr konnte ich bereits am ersten Tag über meine höchste Stelle von damals klettern und war positiver Dinge. Aber ganz so leicht wurde es dann doch nicht! Die eigentliche Schlüsselstelle war für mich nicht mehr der schwere Schulterzug im unteren Bereich der Route, sondern der letzte dynamische Aufsteher ganz oben. Auch wenn die Tour sehr kurz ist, kommt man doch relativ leer am Ausstieg an. Dann nochmal alles zu geben und die letzte Mini-Leiste für Links kompromisslos zu zuschrauben war nicht so leicht! Nachdem ich mal wieder die Erfahrung gemacht habe, wie launisch das fränkische Wetter sein kann und ich ein paar Mal vor komplett nassen Felsen gestanden bin, hat sich die Tour am vierten Tag dieses Jahres ergeben. Soweit ich weiß, ist dies die erste Wiederholung von Sniper. Den Grad sehe ich als absolut gerechtfertigt. Sniper ist sicher mit das Schwerste, was ich überhaupt geklettert bin und somit denke ich, ist 8c+ nicht übertrieben.

Mit der Begehung kamen dann auch die typischen nass kalten Bedingungen dieses Gebietes und mit ihnen ist meine Motivation für den Felsen mal wieder gegangen. Die häusliche Boudlerwand bekommt wieder Gesellschaft, aber wie immer nur vorübergehend!

Viel Spaß an Plastik und Fels und allen einen guten Start ins Jahr 2012….. Denkt an den Maya-Kalender und klettert schnell Eure Projekte…..
Fabi

Fabian Christof wird von Entre-Prises, FiveTen und Moon Climbing unterstützt

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