Erste 9A für Beckett Hsin (16) | No One Mourns the Wicked
Mit gerade einmal 16 Jahren ist der US-Amerikaner nun der jüngste Mensch aller Zeiten, der einen Boulder im Grad 9A begangen hat.
Wer die Aktivitäten der nächsten bockstarken Boulder-Generation am Fels verfolgt, dem dürfte der Name Beckett Hsin bereits ein Begriff sein. Der 16-Jährige aus Denver, Colorado hat allein im Jahr 2025 34 Boulder im Grad 8B oder 8B+ begangen. Vergangenes Jahr gelang ihm außerdem seine erste 8C+, Creature From the Black Lagoon im Rocky Mountains National Park. Seine erste 8C hatte Hsin schon 2023 abgehakt – mit gerade einmal 14 Jahren.
Jetzt ist der 1,61 Meter große Boulder-Spezialist in die Liga der 9A-Boulderer aufgestiegen – als jüngster Mensch aller Zeiten. Seine Begehung von No One Mourns the Wicked (9A) in der Thunder Ridge loggt Beckett Hsin bei 8a.nu bescheiden als „softe 9A“ ein. „Eigentlich habe ich noch nicht genug Erfahrung in diesem Schwierigkeitsgrad, um eine ehrliche Meinung zur Bewertung abzugeben“, schreibt der US-Amerikaner auf Instagram. Hsin bouldert seit seinem sechsten Lebensjahr, ist aber erst seit rund vier Jahren regelmäßig am Fels unterwegs.
Egal ob 9A oder nicht – für mich fühlt es sich belohnend an, mein Ziel zu erreichen, auf das ich die letzten Jahre hingearbeitet habe.
Beckett Hsin
Dritte Begehung für No One Mourns the Wicked (9A)

Beckett Hsins Wiederholung von No One Mourns the Wicked (9A) ist die insgesamt dritte Begehung der Linie. Sein Landsmann Nathaniel Coleman hatte die Linie im Dezember 2024 etabliert und erstbegangen. Im Mai 2025 wiederholte der Brite Hamish McArthur als Erster den Boulder – beeindruckenderweise innerhalb nur einer Session.
Als Sitzstart zu Daniel Woods Klassiker Defying Gravity (8C) fügt die 9A-Variante (je nach Beta) rund zwei Handvoll extrem fingerlastige Züge hinzu. Coleman bewertete die Sequenz vom Sitzstart bis zu den Startgriffendes Stehstarts mit 8B+. Ursprünglich war No One Mourns the Wicked Daniel Woods‚ originale Vision für die Linie, galt aber lange Jahre als Zukunftsprojekt.
Defying Gravity selbst hält direkt am Anfang einen der wohl schwierigsten Einzelzüge der Welt parat – einen koordinativen Move an eine glasige Rail, für die es inzwischen mehrere Betas gibt. Auch der Rest der ursprünglichen Linie ist keineswegs dankbar oder besonders größenfreundlich, was Beckett Hsins Leistung noch eindrucksvoller macht. Vor seinen ersten Versuchen in No One Mourns the Wicked (9A) hatte Beckett Hsin im Oktober 2025 bereits Defying Gravity (8C) getoppt – an nur einem Tag.
Mit jedem Geburtstag ein neuer V-Grad?
Nach seiner schnellen Wiederholung des Stehstarts war klar: Die Chancen für den Sitzstart sind da. Beckett Hsin berichtet außerdem noch von einem zusätzlichen Motivationsfaktor, der so beeindruckend wie aberwitzig klingt: „Ich fand die Idee lustig, mich parallel zu meinen Geburtstagen in den V-Graden hochzuarbeiten“, erzählt der 16-Jährige. Dieses Ziel er jetzt sogar übertroffen: No One Mourns the Wicked ist auf der US-Skala mit V17 bewertet – Hsin hätte also sogar noch bis zu seinem übernächsten Geburtstag Zeit gehabt.
Ich fand die Idee lustig, mich parallel zu meinen Geburtstagen in den V-Graden hochzuarbeiten.
Beckett Hsin (16)
Leicht ging ihm die Linie trotzdem nicht von der Hand: „NOMTW hat mir mehr abverlangt als jeder anderer Boulder bisher“, sagt Beckett Hsin. „Ab der zweiten Session ist mir klargeworden, wie schwer das wird.“
Erfolg am Fels trotz gesundheitlicher Rückschläge
Sich durch schwere Projekte durchzubeißen kennt Beckett Hsin zur Genüge. Dass ihm dabei seine eigene Gesundheit in die Quere kommt, ist selten – war aber bei No One Mourns the Wicked der Fall. Der 16-jährige US-Amerikaner hat die Lyme-Erkrankung, eine Form der Borreliose, die sich in starken Hautirritationen und anderen gesundheitlichen Problemen äußern kann. „Meistens ist das nur etwas unbequem, aber manchmal kann meine Krankheit meine Kletterei stark beeinflussen“, so Hsin.
Bisher habe ich immer versucht, schwere Boulder zu bezwingen. Dieses Mal musste ich mich unterordnen.
Beckett Hsin
Trotz durchwachsener Bedingungen und einer stark variierenden Erfolgsquote beim Schlüsselzug kam schließlich alles zusammen. Dazu gehörte nicht zuletzt auch ein eigener Perspektivwechsel: „Ich musste akzeptieren, dass es vielleicht nicht klappt, und dass das okay ist“, sagt Beckett Hsin. „Bisher habe ich in schweren Projekten immer versucht, den Boulder zu bezwingen. Dieses Mal war es das komplette Gegenteil: Ich musste lernen, mich selbst unterzuordnen.
Video-Link: https://youtu.be/EzhKy-ZVwM4?si=BB7i0CD_WF5a5S7S