Adam Ondra flasht Emotional-Landscapes-8C

Emotional Landscapes statt Bügeleisen Sit: Adam Ondra flasht seine vierte 8C

Eigentlich wollte Adam Ondra in Kärnten mit dem Flash von Bügeleisen Sit (8C) einen der spektakulärsten Boulder-Coups des Jahres landen. Sein Plan ging allerdings nicht ganz auf – stattdessen flashte der Tscheche mit Emotional Landscapes seinen vierten 8C Boulder innerhalb weniger Wochen.

Schon im Winter, als Adam seine Wunschliste für 2025 zusammenstellte, gab es ein klares Ziel: Bügeleisen Sit (8C) im österreichischen Maltatal. Denn kaum ein anderes Boulderproblem hatte ihn nach eigener Aussage über so lange Zeit derart fasziniert.

Bügeleisen ist eines der besten Boulderprobleme, die ich je gesehen habe.

Adam Ondra

Das von Klem Loskot erstbegangene Testpiece gilt längst als moderner Klassiker. Loskot kletterte im Jahr 2001 die Stehversion, die noch heute als solide 8B+ gilt. Nalle Hukkataival ergänzte 2014 den naheliegenden Sitzstart zu seiner 8C Variante.

Der Bügeleisen-Flash war greifbar nah

Adam Ondra flasht Emotional-Landscapes-8C

Nach starken Wochen im Tessin reiste Ondra mit ordentlich Selbstvertrauen nach Kärnten. Vor Ort traf er auf Zan Sudar, der ebenfalls an Bügeleisen arbeitete. Adam investierte Zeit in die Vorbereitung, tastete Griffe ab, studierte Videos und legte seine eigene Beta fest.

Der Flash lief bis drei Züge vor dem Top wie im Drehbuch. Dort wartete die Crux – mit einem weiten Zug nach rechts auf eine kleine scharfe Leiste. Adam wollte diesen Zug so kontrolliert wie nur möglich ausführen, musste im letzten Moment aber doch leicht heppen. Die Leiste erwischte er noch, aber nicht gut genug, um weiter zu klettern. Der Flash-Traum war vorbei – entsprechend groß war sein Frust.

Es war frustrierend, meinen Flash-Versuch an einem Boulder zu vermasseln, der schon so lange mein Traum gewesen war.

Adam Ondra

Ein Blick auf die Fingerkuppen genügte um sich gegen einen weiteren Go in Bügeleisen zu entscheiden. Und diese Entscheidung stellte sich recht schnell als richtig heraus.

Adam Ondra flasht seine vierte 8C: Emotional Landscapes

Adam Ondra flasht Emotional-Landscapes-8C

Nach dem Beinahe-Coup an Bügeleisen zog Ondra zu Emotional Landscapes (8C) um, einem weiteren Loskot-Boulder – dieses Mal aus dem Jahr 2002. Trotz seines ikonischen Status hat der Boulder seitdem nur wenige Begehungen abbekommen.

Was einen Flash Versuch hier neben der allgemeinen Schwierigkeit zusätzlich kompliziert macht, ist die Beta-Findung. Denn dabei kursieren verschiedene Ansätze, von denen einige gar nicht mehr umsetzbar ist, da ein früher genutzter Tritt mittlerweile ausgebrochen ist. Adam kannte das Video von Jakob Schubert und Michael Piccolruaz, die beide kürzlich Emotional Landscapes wiederholt hatten. Kurzerhand rief er Jakob an, um entscheidenden Beta-Details zu erfahren.

Ondras erster und entscheidender Go lief dann alles andere als locker: Schon der ersten Zug endete beinahe wieder auf der Matte. Doch dann schaltete er in den Modus um, den den man von ihm kennt – der Kreuzer klappte, die kleinen Leisten hielten, es lief. Auch der Hepper in den Schlitz passte. Adam Ondra hatte seinen vierten 8C Flash in der Tasche

Ich wusste, dass ich gerade Emotional Landscapes im Flash geklettert hatte.

Ondra über den Moment nach dem Topout

Ethik-Debatte: Wann ist es noch ein Flash?

Adam spricht noch ein Thema an, das aus seiner Sicht immer Teil von bei Flash-Begehungen ist: die Ethik-Komponente. Lange war für ihn selbst klar: Bei einem „echten“ Flash-Versuch dürfen zwar Griffe vom Boden aus berührt werden, höher gelegene Griffe sind aber tabu – zumindest dann, wenn man dafür Leitern oder gestapelte Pads benötigt.

Inzwischen sieht Ondra das weniger dogmatisch: Denn schon die Frage, welche Griffe man „vom Boden aus“ erreichen kann, hängt massiv von Körpergröße, Reichweite und Pad-Setup ab. Auch er selbst nutzt heute vor schweren Flash-Versuchen Leitern oder Pad-Stapel, um die oberen Sequenzen vorab zu inspizieren – eine mittlerweile weit verbreitete Praxis.

Gleichzeitig schlägt Adam Ondra eine Unterscheidung ähnlich wie bei Sportklettern Rot- und Pinkpoint vor. Denn bei weniger hohen Bouldern ist die Debatte laut Adam zwar eher nebensächlich, bei Highballs aber nicht. Dort könnte man künftig durchaus sauber zwischen „Ladder Flash“ und „No Ladder Flash“ unterscheiden, schlägt der Tscheche vor – und stößt dabei eine interessante Debatte an.

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Video-Link: https://youtu.be/Pm68UOHI3Qw?si=sfwcOoR4kHMRVSov
  • Credits Text kletterszene.com
  • Credits Fotos Zan Lovenjak Sudar
  • Beitragsdatum 23. März 2026