David Göttler: erster Gleitschirmflug vom Nanga Parbat

Der deutsche Alpinist David Göttler hat als erster Mensch den Nanga Parbat auf eine ganz besondere Art begangen: Er bestieg seinen insgesamt siebten Achttausender gemeinsam mit zwei Partnern im Alpinstil und flog danach allein mit dem Gleitschirm wieder herunter.

Einen Achttausender im Alpinstil* zu begehen und dann mit dem Gleitschirm zurückzufliegen war eigentlich schon immer ein Traum von David Göttler. Doch sein Ziel, der Nanga Parbat, blieb dem deutschen Alpinisten lange verwehrt: Erst letztes Jahr brach er eine Expedition aufgrund ungünstiger Bedingungen ab.

*Der Alpinstil bezeichnet beim Bergsteigen eine Begehungsart, die auf Selbständigkeit und minimale Ausrüstung setzt. Dazu gehört insbesondere der Verzicht auf Fixseile, Höhenporter oder Flaschensauerstoff (Expeditionsstil).

Jetzt konnte Göttler sich seinen langjährigen Wunsch mit einer Begehung der Rupal-Flanke am Nanga Parbat erfüllen – mit rund 4.600 Metern die höchste Gebirgswand der Erde. Es ist der siebte Achttausender des gebürtigen Starnbergers.

Gemeinsam mit den Alpinist*innen Tiphaine Duperier und Boris Langenstein bestieg er den 8.126 Meter hohen Nanga Parbat über die Schell-Route – ohne zusätzlichen Sauerstoff, Fixseile oder anderweitige Hilfen.

Die Route, benannt nach dem österreichischen Erstbegeher Hanns Schell, wurde seit 1976 erst achtmal begangen. Göttlers Teammitglied Duperier gilt nun als erst zweite Frau, der die Route gelungen ist.

Göttler, Duperier und Langenstein nutzen bei ihrer Begehung lediglich ein 50 Meter langes Seil und sicherten sich minimalistisch mit Pitons und Camelots – „deshalb sehen wir unsere Expedition als eine Begehung im alpinen Stil“, so David Göttler, der zuletzt 2022 ohne zusätzlichen Sauerstoff und Unterstützung durch Sherpas den Gipfel des Mount Everest erreichte.

Zu Göttlers Vision gehörte aber nicht nur der Weg zum Gipfel und der Moment ganz oben, sondern auch und vor allem der Abstieg per Gleitschirm. Den nahm sich der 47-Jährige von Beginn an ohne seine Begleiter*innen vor.

Gleitschirmflug aus 7.700 Metern Höhe

Vom 21. bis 24. Juni war das Trio vom rund 3.600 Meter hohen Basecamp bis zum Gipfel des Nanga Parbat unterwegs. Nach dem Summit machten sich Duperier und Langenstein über mehrere Tage hinweg per Ski und zu Fuß auf den Heimweg zum Basecamp.

Göttler begleitete seine zwei Teammitglieder noch vom Gipfel bis auf 7.700 Meter – und packte seinen Gleitschirm für einen historischen Flug aus. Als erster Mensch der Welt segelte er am Nanga Parbat aus fast 8.000 Metern Höhe zurück ins Basecamp.

Für mich definitiv das größte Highlight meiner bisherigen Karriere.

David Göttler

„Heute will jeder alles sofort klettern, ohne viel Zeit zu investieren“

Mit seinem historischen „Climb & Fly“ am Nanga Parbat erfüllt sich David Göttler nicht nur einen Lebenstraum, sondern möchte auch auf die Hartnäckigkeit aufmerksam machen, die es im Alpinismus braucht – und die aus seiner Sicht heute immer weniger wird.

„Ich habe über die Jahre viele Versuche gebraucht, um endlich diese Linie in diesem Stil zu begehen. Das macht mich sehr stolz“, so der gebürtige Starnberger. „Heute möchte jeder alles sofort klettern und ist nicht bereit, sehr viel Zeit in einen Lebenstraum zu stecken. Ich möchte zeigen, dass es das wert ist.“

David Göttler hat sieben der 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen, darunter auch den Mount Everest. Der 47-Jährige gehört zu den renommiertesten deutschen Alpinisten und bevorzugte über seine Karriere hinweg meist Begehungen im alpinen Stil. Höhenbergsteigen mit Sauerstoffflaschen verglich er jüngst mit der Nutzung von E-Bikes.

  • Credits Text Julia Gürster f. Kletterszene.com
  • Credits Fotos David Göttler
  • Beitragsdatum 1. Juli 2025